Wer gibt Beteiligungen?

Grundsätzlich kann sich jeder, der Geld übrig hat und eine Anlagemöglichkeit mit einer guten Verzinsung sucht, an einem Unternehmen beteiligen.

Es gibt in Deutschland circa 200 private und öffentliche Kapitalbeteiligungs-gesellschaften, deren Geschäftszweck es ist, Risikokapital in Erfolg versprechende Projekte (Unternehmen) zu investieren und daraus eine hohe Rendite zu erzielen. Diese Gesellschaften beteiligen sich meistens mit Beträgen ab 250.000 € aufwärts, ohne Einfluss auf die Geschäfte zu nehmen.

Ausnahme sind die öffentlich geförderten mittelständischen Beteiligungsgesellschaften. Sie bieten Beteiligungsmöglichkeiten auch mit geringeren Beträgen an, die speziell auf kleine und mittlere Unternehmen und Existenzgründer zugeschnitten sind. Sie geben sich zwar nicht in erster Linie Rendite-orientiert, jedoch sind Verzinsungen des Beteiligungskapitals von mehr als zehn Prozent weit über dem durchschnittlichen Kreditzins.
Auch diese Gesellschaften prüfen die Projekte auf Herz und Nieren, unter Umständen gründlicher als (Haus-) Banken und beziehen dabei Branchenexperten mit ein. Grundsätzlich ist ein überzeugendes Unternehmenskonzept einschließlich einer Umsatz-, Ertrags- und Finanzplanung und die Qualifikation des Gründers Voraussetzung für eine Zusage.

Jedoch muss man feststellen, dass Risikokapital für Gründer der klassischen Branchen (Handwerk/ Gastronomie/ Hotellerie/ Einzelhandel/ Lebensmittelhandel usw.) bzw. der Freien Berufe (Ärzte/ Zahnmediziner/ Ergo- und Physiotherapeuten etc.) kaum über diese Gesellschaften zu bekommen ist. Zum einen sind die benötigten Beträge zu gering, zum anderen die Renditeaussichten und Wachstumspotenziale nicht ausreichend. Gerade für die Kleinstgewerbetreibenden, kleine und mittlere Unternehmen, die ein vergleichsweise „bescheidenes“ Gründungskapital benötigen (unter 100.000 €), kommen fast ausschließlich private Geldgeber in Betracht.

Oft wird neben der mittel- bis langfristigen Finanzierung von Immobilien bzw. Maschinen, Fahrzeugen, Werkzeugen und Betriebs- und Geschäftsausstattungen Liquidität für die Startphase im reinen Betriebsmittelbereich (erste Warenausstattung/ Zahlung der Miete/ Löhne und Gehälter der ersten Monate/ Betriebsnebenkosten/ Bürokosten/ eigene Lebenshaltung) benötigt. Hierbei handelt es sich um die so genannte Anlaufphase (circa drei Monate bis ein Jahr). Für diese laufenden betrieblichen Ausgaben geben die Beteiligungsgesellschaften ohnehin kein Risikokapital.
Ein Beispiel. Eine 25-jährige gelernte Hotelfachfrau mit entsprechenden Erfahrungen in der Gastronomie möchte ein kleines Kneipenrestaurant in einer größeren (Studenten-) Stadt eröffnen. Sie benötigt rund 25.000 €, hat kein eigenes Kapital, jedoch Schaffenskraft, Zielstrebigkeit und die geeignete Lokalität zur Pacht.

Eine Fremdfinanzierung durch eine Bank – ohne Eigenkapital/ ohne geeignete Sicherheiten in dieser Branche – die Chancen sind gering. Die Eltern der jungen Dame sind gut situiert, könnten ca. 15.000 € beisteuern. Der Lebensgefährte hat auch Gespartes, dass er aufgrund der überzeugenden Geschäftsidee seiner Lebensgefährtin investieren möchte (rd. 5.000 €). Im Freundes- und Bekanntenkreis finden sich  weitere sechs Personen, die die restlichen 5.000 € beisteuern. Es sind insgesamt neun Personen aus dem privaten Umfeld der Gründerin bereit, Geld, das sie kurzfristig nicht benötigen, in die Unternehmung zu investieren.

Die junge Frau überlegt sich, dass es nur fair ist, die potentiellen Geldgeber am Unternehmen zu beteiligen: Sie will die Einlagen marktüblich zu verzinsen. Die Zinsen  möchte sie jedoch nicht aus eigener Tasche bezahlen, sondern vom Unternehmen erwirtschaften lassen und sie möchte die Sicherheit, dass die Geldgeber nicht ohne Grund und jederzeit das Geld zurückverlangen können und damit die Existenz ihres Unternehmens gefährden.