Kluge Köpfe im Land behalten, Studierende und Forscher zu Unternehmern machen - das sind die Ziele von "GründerFlair MV", ein Netztwerk, das vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird. "Existenzgründungen aus der Wissenschaft" - so der Wettbewerb des BMWi, bei dem "Gründerflair MV" überzeugte und abräumte - das Netzwerk bekam 960 000 Euro. Und hier werden alle fünf Hochschulen und Unis unseres Landes unter einen Hut gebracht: "Wir glauben, dass es an Hochschulen und Forschungseinrichtungen viel mehr Ideen gibt, die unternehmerisch umgesetzt werden können, als das bisher der Fall war", betont Prof. Manfred Jürgen Matschke vom Greifswalder Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaft, der die Federführung hat. Eines der Gründerflair-Netzwerk-Projekte ist beispielsweise FlairPlus.
Prof. Matschke, erklären Sie bitte die Ziele!
Das Verbundprojekt verfolgt das Ziel, die aussichtsreichsten verwertbaren Gründungsideen an den beteiligten Hochschulen sowie den außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern zu identifizieren und im Rahmen von geeigneten Unterstützungsmaßnahmen weiterzuentwickeln. Neben der Suche und Generierung von Ideen geht es vor allem um die Entwicklung und Qualifizierung von geeigneten Ideen zu Gründungsvorhaben.
Wer genau profitiert von dem Programm?
Profitieren können in erster Linie das wissenschaftliche Personal, Doktoranden, Professoren, aber auch Studenten. Das Projekt bietet konkrete Unterstützung und Hilfestellung, um die vorhandenen und die neuen Ideen wirtschaftlich nutzbar zu machen. Letztlich können davon auch die Hochschulen profitieren, wenn diese Prozesse der Technologieverwertung langfristig etabliert werden. Gerade die wissens- und technologiebasierten Unternehmensgründungen weisen häufig eine höhere Überlebensrate auf und können zum Teil beachtliche Erfolge erwirtschaften und damit langfristig zur Stärkung der regionalen Wirtschaft und Schaffung von Arbeitsplätzen in Mecklenburg-Vorpommern beitragen.
Müssen teilnehmende Studenten irgendwelche Voraussetzungen mitbringen oder kann jeder mitmachen?
Als Voraussetzung sollte vor allem der Wille "etwas unternehmen zu wollen" mitgebracht werden. Wir denken, dass gerade in der Stärkung des studentischen Engagements noch enorme Potenziale schlummern. Denken Sie nur an die im Rahmen des Studiums zu absolvierenden Praktika oder die Seminar- und Diplomarbeiten. Wenn hier ein größerer Anteil zur Entwicklung und Qualifizierung von Gründungsvorhaben nutzbar gemacht werden könnte, wäre dies ein toller Erfolg. Im Rahmen des Projektes sollen beispielsweise auch gründungsorientierte Praktika konzipiert und angeboten werden. Dies stärkt letztlich auch das Bewußtsein, dass neben der Karriere als Angestellter noch andere Wege existieren.
Wie genau sollen die Studierenden an den Beruf des „Unternehmers“ herangeführt werden?
Dazu gibt es unterschiedliche Ansätze, auch außerhalb des "FlairPlus"-Projektes. Mir erscheint es wichtig, bei den Studierenden vor allem den "Unternehmergeist" zu wecken. Oftmals gründen Studenten auch nicht direkt im Anschluß an ihr Studium, sondern erst ein paar Jahre später. Insofern gilt es, die Studierenden für dieses Thema zu sensibilisieren und ihnen die Fähigkeiten zu vermitteln als Unternehmer bestehen zu können. In Greifswald haben wir bei den Absolventen des Studiengangs Betriebswirtschaftslehre bei einer Befragung im Jahr 2005 eine Selbständigenquote von fast zehn Prozent festgestellt.
Wie lange läuft das Projekt?
Die Projektlaufzeit beträgt 36 Monate.
Soll „Gründerflair MV“ junge Leute nur für die Existenzgründung begeistern, oder gibt’s es auch eine Art Ideenschmiede?
Bisher gab es zum Teil recht wenig Anreize, die Verwertung von Forschungsergebnissen in Hinblick auf Ausgründungen oder Auslizensierungen aktiv zu verfolgen. Durch den Wettbewerbsdruck hat sich dieses Bild in den letzten Jahren geändert, so dass heute verstärkt Bestrebungen unternommen werden, Forschungsergebnisse auch in wirtschaftlicher Hinsicht zu verwerten. Hier soll vor allem Unterstützung bei der Suche und Generierung von Ideen gegeben werden, beispielsweise durch interdisziplinäre Workshops oder auch durch die Hilfe bei der Suche nach geeigneten Teampartnern.
Wann greift das Programm – gibt es Unterschiede bei der Umsetzung an den einzelnen Unis und Hochschulen im Land?
Wir möchten noch in diesem Jahr mit der Umsetzung beginnen. Aufgrund der unterschiedlichen Strukturen vor Ort - aber auch aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen an den einzelnen Hochschulstandorten, sind lokal unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt worden. So sollen beispielsweise in Wismar verstärkt die ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge angesprochen werden und in Neubrandenburg speziell die gründungsbezogenen studentischen Aktivitäten, zum Beispiel durch Praktika, gestärkt werden.
Vielen Dank!
Das Interview führte Anke Radlof.
Sie erreichen Prof. Matschke unter matschke@uni-greifswald.de.