Herr Professor, seit wann haben Sie sich der Hilfe bei der Existenzgründung verschrieben?
Eigentlich habe ich mich schon immer mit solchen Fragen beschäftigt. Doch es braucht seine Zeit, eine gute Idee muss reifen. Erfahrungsgemäß finden wir mit unseren Studenten nur alle zwei bis drei Jahre eine gute Idee, die es wert ist, umgesetzt zu werden. Und die sich dann auch am Markt durchsetzen könnte.
Mit meinem Geschäft, meiner Firma geht es ja immer darum, damit auch Geld zu verdienen. Warum unterstützen Sie junge Leute?
Der Traum, jetzt schnell das große Geld zu verdienen, ist in aller Regel sowieso gleich mal ausgeträumt. Für mich ist wichtig: Schaffe ich es, etwas mit aufzubauen, das mit seiner Infrastruktur einen Erfolg bewirkt. Ich freue mich, wenn eine Idee überlebt und sich am Markt durchsetzt. Man muss immer wieder etwas versuchen auch wenn man sich mal verrannt hat. Das gehört dazu. Und man muss sich das dann auch eingestehen können. All dies versuche ich meinen Studenten mit auf den Weg zu geben.
Was gehört denn alles dazu?
Existenzgründer mit ihrer Idee sind in der Regel auf ihrem Fachgebiet sehr gut ausgebildet. Doch ohne Wissen zum Beispiel über Marketing, Marktforschung, Betriebswirtschaft und das richtige Timing kann die beste Geschäftsidee schnell zu einer Bruchlandung werden.
Wie beurteilen Sie die derzeitige staatliche aber auch privatwirtschaftliche Förderung der Existenzgründer?
Grundsätzlich haben Existenzgründer in Mecklenburg-Vorpommern gute Möglichkeiten und die werden sicher auch verbessert. Schade ist allerdings, dass viele Maßnahmen oft nur bis zum Wahlhorizont reichen. Manches braucht mehr Zeit. Und ich stelle schon einen Unterschied zwischen der Realität des Existenzgründens und dem Verwaltungsaufwand und Mechanismen fest.
Gibt es dafür ein Beispiel?
Wir haben im vergangenen Jahr einen Preis für unsere Leistung gewonnen. Doch das Geld, was ja für die Realisierung der Geschäftsidee dringend benötigt wurde leider erst im März dieses Jahres erhalten. Bei aller guter Absicht, solche Verfahren sind dann eben doch recht zäh und dadurch innovations- hemmend. Wir müssen über die Preise hinnaus kommen, entscheidend ist letztlich immer nur der Markterfolg.
Aus ihrer Erfahrung heraus, welche drei Tipps geben Sie Ihren Studenten bei der Existenzgründung mit auf den Weg?
1. Man braucht den Mut, auch mal mit dem Kopf durch die Wand zu gehen oder anders gesagt, wichtig sind Geduld und Ausdauer.
2. Jeder muss vor der Gründung wissen: die schwierigsten Probleme sind die menschlichen und wirtschaftlichen Probleme, es sind nie die technischen Schwierigkeiten. Die können wir in aller Regel beseitigen
3. Versuchen Sie immer, eine breite Perspektive zu haben. Schauen Sie über den Tellerrand. Hin zu fremden Kulturen und anderen Fachgebieten.
Vielen Dank für das Interview!
Karsten Herzog