Mit Hilfe des landesweiten Ideenwettbewerbs „venturesail“ wurden seit 2002 80 Gründungsideen aus Hochschulen und Unis gefördert. Bis 2006 gingen davon 14 Unternehmensgründungen hervor. Das Bildungsministerium hat außerdem ca. 1,1 Mio. Euro für sieben erfolgversprechende Ausgründungen zur Verfügung gestellt.
Herr Tesch, wie werden Studenten in Mecklenburg-Vorpommern für die Selbstständigkeit fit gemacht?
Die Studierenden haben die Möglichkeit, an allen Hochschulen Veranstaltungen zu wirtschaftlichen Aspekten und zu Entrepreneurship zu besuchen. Durch das Bildungsministerium wird die Einführung entsprechender Veranstaltungen, nicht nur in wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen, gefördert.
Des Weiteren hat das Bildungsministerium seit 2002 den landesweiten Ideenwettbewerb „venturesail“ und die hochschulinternen Ideenwettbewerbe zur Stimulierung des Gründungsgedankens durchgeführt. Es ist beabsichtigt, den Ideenwettbewerb "venturesail" in der zweiten Jahreshälfte 2008 erneut auszuschreiben.
Bundesweit gibt es an immer mehr Hochschulen und Unis den Studiengang Entrepreneurship Education (Unternehmertum). Warum nicht bei uns im Land?
Einen solchen Studiengang gibt es zurzeit tatsächlich noch nicht. Jedoch beabsichtigt die Universität Rostock einen Studiengang „Entrepreneurship“ einzurichten.
An allen Hochschulen des Landes soll es künftig entsprechende Module zum Thema Unternehmertum in den verschiedenen Studiengängen geben. Damit sollen die Studenten möglichst frühzeitig für die Berufsalternative „Selbstständigkeit“ interessiert werden. Insbesondere die Verwertung von Forschungsergebnissen durch Ausgründungen ist Förderschwerpunkt des Bildungsministeriums.
Gründungen aus Unis und Hochschulen werden finanziell besser gefördert. Ist das nicht ungerecht anderen Gründern gegenüber?
Das sehe ich anders. Mit Blick auf das Ziel, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft zu stärken, sind insbesondere Ausgründungen aus den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen von besonderer Bedeutung. Daher ist hier ein Förderschwerpunkt äußerst sinnvoll und der Finanzbedarf je nach Art des Unternehmens so verschieden.
Existenzgründerseminare werden von Kammern, von Verbänden, von Hochschulen, von Bildungsträgern oder sonstigen Vereinen angeboten – und alle staatlich gefördert. Sollte man das nicht konzentrieren?
Für die Gründung eines vielversprechenden Unternehmens ist es wichtig, diese gründlich vorzubereiten und eine unterschiedliche Vorgehensweise durchaus sinnvoll. Allerdings hat das Bildungsministerium bei der Konzipierung des Projekts „Gründerflair“, Wert darauf gelegt, dass es nur ein gefördertes Projekt und eine arbeitsteilige Zusammenarbeit der verschiedenen Akteuren der Gründerunterstützung gibt.
Die Berufsakademie Karlsruhe bietet jetzt ein völlig neues Bachelor-Programm für eine besondere Zielgruppe an: Unternehmer, Gründer, Nachfolger und Franchise-Nehmer studieren über drei Jahre berufsintegriert modernes Unternehmertum. Zielgruppe sind junge Menschen, die bereits selbstständig sind oder dies planen. Was halten Sie davon?
Das Modell ist sehr attraktiv, jedoch hat Mecklenburg-Vorpommern keine Berufsakademie. Bislang herrschte die Einschätzung vor, dass hierfür das wirtschaftliche Umfeld fehlt. Da die Lage sich schrittweise bessert, ist es überlegenswert, einen solchen Studiengang als dualen Studiengang an einer Fachhochschule einzurichten.
Vielen Dank für das Interview!
Grit Gehlen