Die ATI Westmecklenburg mit Geschäftsführerin Steffi Groth an der Spitze ist auf diesem Gebiet bestens bewandert: Sie bietet seit 2000 Gründungs- und Wachstumsberatung im Technologiebereich und betreut jährlich rund 20 Gründungen in technologieorientierten Bereichen.
Dieses Angebot soll nun mit der Unternehmerschule ausgebaut werden.
Was genau verbirgt sich denn hinter Ihrer Idee?
Nicht jeder Mensch ist zum Unternehmer geboren, aber weitaus mehr Menschen, als es sich selbst aufgrund ihrer durch Schule und Elternhaus vermittelten Vorstellungen zutrauen. In den neuen Bundesländern fehlt eine langjährige unternehmerische Tradition in den Regionen und in den Familien. Wo diese erlebbaren Vorbilder fehlen, fehlen auch Vorstellungen von dem „Berufsbild Selbstständige/r“.
Genau diesen Überlegungen trägt die Unternehmerschule Rechnung: Menschen sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Idee einer selbstständigen Tätigkeit zu finden, zu entwickeln und auszuprobieren flankiert von zielgerichtet wählbaren Qualifizierungsmodulen.
Wie soll die Unternehmerschule funktionieren?
Die Arbeit im Projekt folgt einer klaren und transparenten Struktur. Von Beginn an wird verdeutlicht, dass es sich um ein schrittweises Vorgehen der Erkenntnis und des Erlebens handeln wird. Nach jedem Schritt wird ein Fazit gezogen, ob der nächste Schritt gegangen werden kann und soll oder dieser Weg versperrt ist. Dadurch sollen die Teilnehmer ihre eigene Entschlussfähigkeit erproben, sich selbst engagieren und ihre Idee finden und entwickeln wollen.
Nach jeder Phase wird eine beidseitige aktive „go“ oder „no go“ Entscheidung zur Weiterführung des Vorhabens oder zum Abbruch bzw. der Rückkehr zu einer Vorstufe getroffen. Diese Entscheidung erfolgt in Abstimmung zwischen Teilnehmern und Projektleitung. So wird sicher gestellt, dass nur Projekte weiter verfolgt werden, die Aussicht auf Erfolg haben und nur Teams miteinander weiter arbeiten, die sich auch eine gemeinsame Arbeit im Unternehmen vorstellen können. Durch die aktive Suche nach Paten für die bevorstehende Gründung werden zwei Ziele verfolgt: Die zukünftigen Unternehmer lernen, ihre Idee anderen Unternehmern vorzustellen und zu präsentieren und durch die Paten wird zusätzliches Know-how in den Gründungsprozess eingebracht.
Je Durchgang sollte mit ca. 10-15 geeigneten Teilnehmern, die durch Assessmentcenter ausgewählt werden, im Projekt gearbeitet werden. Je Quartal sollte ein neuer Durchgang gestartet werden.
Die Teilnehmer werden von Anfang an wie zukünftige Unternehmer behandelt. Aus diesem Grund werden die geplanten begleitenden Qualifizierungsmodule, die über die gesamte Projektlaufzeit zur Verfügung stehen, als wählbares evtl. auch empfohlenes Hilfsmittel eingesetzt, aber nicht verordnet. Stellen die Teilnehmer Lücken fest, steht ihnen somit ein Werkzeugkasten zur Verfügung, aus dem sie sich selbst bedienen können, um den sie sich aber aktiv bewerben müssen. Die Teilnehmer werden angeleitet und motiviert zur möglichst zunehmend selbstständigen Arbeit gemeinsam mit ihrem/n Teampartner/n. Zur abschließenden Präsentation werden weitere fördernde Einrichtungen eingeladen, um sie frühzeitig zu interessieren und zu beteiligen und so einen guten Start zu beschleunigen.
Was passiert wenn die Idee im „Probelauf“ nicht funktioniert?
Wie beschrieben, soll zu jedem Zeitpunkt die „Rückkehr“ zu einer Vorstufe möglich sein. Die Gründung soll nur dann angestrebt werden, wenn die Erfolgsaussichten überwiegen und die Risiken kalkulierbar sind. Es kann nicht das Ziel sein, alle Teilnehmer auf den Weg in die Selbstständigkeit zu schicken, denn klar ist: Es ist nicht für jeden das richtige Konzept. Wichtig ist, die Entscheidung für oder gegen die unternehmerische Selbstständigkeit auf der Basis von Wissen und konkreten Vorstellungen zu treffen.
Auch die Projekteilnehmer, die sich gegen eine selbstständige Tätigkeit entscheiden, haben dann wertvolle Kenntnisse und Fähigkeiten erworben, die auch für die Bewerbung und eine Stellung in einem regionalen Unternehmen hilfreich und dauerhaft nützlich sind. Denn die kleinen Unternehmen können in der Regel nur mit unternehmerisch denkenden Mitarbeitern erfolgreich sein. Darüber hinaus geht es aber auch darum, die Akzeptanz des Unternehmertums und die Würdigung des Arbeitspensums und der Risiken, die Unternehmer auf sich nehmen, auf eine stärkere Basis zu stellen. Die Teilnehmer dieses Projektes, ob sie selbst gründen oder nicht, werden Botschafter für diese Akzeptanz sein.