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Greifswalder Physiker will seine wissenschaftlichen Erkenntnisse über Wassertechnologie zur praktischen Anwendung bringen
Dr. Tobias Röwf hat im Herbst 2011 sein eigenes Unternehmen gegründet. Es geht um Wassertechnologien, die schon in unmittelbarer Zukunft gerade in Ländern wie Brasilien von großem Nutzen sein könnten. Gegenwärtig setzt er auf Recherchen und den Ausbau von Kontakten über Europa hinaus. Finanziell bewerkstelligt hat er den Schritt in die Selbstständigkeit zunächst aus der eigenen Tasche. Doch am Austausch mit anderen Gründern und auch an der Zusammenarbeit mit einem Mentor ist er sehr interessiert.

Der Physiker Dr. Tobias Röwf in seinem Greifswalder Büro. Er lebt und arbeitet im Herzen der Hansestadt. Bewusst hat er sich für Greifswald entschieden, weil sich Forschung und Lehre sehr gut ergänzen und der Wissenschaftler die nötige Ruhe zum Arbeiten findet.
Fotos (5): Geert Maciejewski

Er spricht perfekt die englische Sprache, lernt gerade Portugiesisch und kann sich in der Schweiz und in den Niederlanden mit Berufskollegen bestens verständigen. Dr. Tobias Röwf hat schon viel von der Welt gesehen und doch hat es ihn in die Hansestadt Greifswald zurückgezogen. Und hier hat der 40-Jährige auch den Sitz seines Unternehmens „NoordZug“.  Dieses baut er gerade Schritt für Schritt weiter auf. „So sieht es in einer Garagenfirma aus“, sagt er  mit einem Augenzwinkern. Allerdings hat das Büro in der Greifswalder Langen Straße mit Blick auf die Dächer einiger Altstadthäuser nicht sehr viel mit einer Garage zu tun. Bücher und ein großer Schreibtisch mit Computertechnik bestimmen das Bild. Hier passiert etwas - im Sinne von hier entwickelt der Plasmaphysiker Ideen, die er künftig in der Industrie umgesetzt wissen möchte. Denn es war schon immer die angewandte Forschung, die ihn besonders interessierte. Schließlich war sie auch eine wichtige Triebkraft, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Dieser erfolgte im September 2011.

„Ich befinde mich noch in der Anfangsphase, sichte den Markt, baue Kontakte zu Kooperationspartner auf“, beschreibt Tobias Röwf seine gegenwärtige Situation. Regelmäßige Kontakte pflegt er allerdings schon jetzt in die Schweiz, nach Japan und Brasilien. Und gerade die Geschäftsbeziehungen nach Brasilien liegen ihm sehr am Herzen: Der Physiker möchte mit seinem Unternehmen nämlich einen Beitrag zum weiteren Ausbau der dezentralen erneuerbarer Energie- und Wasserversorgung in ländlichen  Regionen leisten. „Dabei geht es einerseits darum, innovative Technologien aus Brasilien nach Europa zu holen und andererseits Technologien aus Europa in Brasilien zur Anwendung zu bringen“, erklärt der Physiker.

Schon als Student, er absolvierte sein Diplom an der Greifswalder Universität in  der Astro- und Plasmaphysik, hat ihn immer die Verbindung zur Wirtschaft gereizt. Erfahrungen auf diesem Gebiet sammelte er nach dem Studium als wissenschaftlicher Mitarbeiter zweier Schweizer Unternehmen und als Entwicklungsingenieur in Großbritannien. Als Mitarbeiter der Leibniz-Gemeinschaft in Berlin war er unter anderem für die Vermarktung von Forschungsergebnissen dieser Einrichtung zuständig.

Bei all den Jobs, die der gebürtige Berliner nach seinem Studium in Greifswald bereits absolviert hat, drängt sich die Frage geradezu auf: Welche Gründe gab es, um in die Selbstständigkeit zu gehen?
„Ich habe mich gefragt, was ich beruflich und privat erreichen möchte in den nächsten Jahren und  natürlich gefällt es auch mir, mein eigener Chef zu sein“, bringt es Tobias Röwf auf den Punkt. Der Mann, der seine Dissertation mit „Magna Cum Laude“ – Sehr Gut –abgeschlossen hat, weiß ganz sicher wovon er spricht. „Auch wenn es mit meinem Unternehmen nicht funktionieren sollte, brauche ich mir nie den Vorwurf zu machen, dass ich es nicht probiert habe“, ist er von seiner Gründeridee überzeugt. „Derzeit berate ich Unternehmen in Sachen Wassertechnologien mit speziellem Hinblick auf den Einsatz der Ergebnisse der Plasmaphysik und Nanotechnologie sowie der Polymerforschung.“  Der Physiker ist viel unterwegs. Doch etliche Stunden am Tag investiert er auch in Internetrecherchen. Übers Netz ist es ja zum Glück auch gar kein Problem mit seinen Kollegen in Brasilien oder England im ständigen Kontakt zu sein.

Wichtige Mentoren sind für den Existenzgründer Fachbücher. Tobias Röwf liest englische Ausgaben auch im Original.

Während der Gründer fachspezifisch selber schon Firmen berät, benötigt er auch noch den einen oder anderen Rat für sein eigenes Unternehmen. „Sehr gut finde ich die Gründerstammtische. Die kann ich jedem Existenzgründer nur empfehlen.“ Auch fürs Mentoringprogramm 2012 hat er sich angemeldet. Tobias Röwf sucht einen Mentor „der sich hervorragend auskennt im Geschäftsalltag in meiner Branche Wasserreinigung“, sagt er. Allerdings sollte der Mentor auch mindestens 15 Jahre Erfahrungen auf diesem Gebiet mitbringen und ein umfangreiches „Netzwerk von wohlwollenden Partnern in größeren Familienbetrieben des deutschen oder südbrasilianischen Mittelstandes besitzen“, heißt es in seiner Bewerbung für das Mentoringprogramm. Dr. Tobias Röwf hat ganz konkrete Vorstellungen was die Zusammenarbeit mit einem Mentor betrifft.

Diese hohen Anforderungen stellt er auch an sich selbst. Nicht allein aus diesem Grund sind Fachbücher in Sachen Unternehmensaufbau seine ständigen Begleiter. „Kennen Sie diesen Titel?“, fragt er und zeigt auf ein spezielles Buch. „Es begleitet mich seit vielen Jahren und ist gerade jetzt in der Gründungsphase auch so etwas wie ein Mentor für mich“, sagt der Physiker und Unternehmensberater. Es handelt sich bei dem Buch übrigens um einen englischen Titel. Tobias Röwf liest es im Original.

Ulrike Rosenstädt

 

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