Existenzgründercoach: Was ein Berater drauf haben sollte

Die Begleitung durch Existenzgründerberater ist eine sehr erfolgreiche und erprobte Möglichkeit, um Geschäftsideen, die in den Startlöchern stehen, zum Durchbruch zu verhelfen. Doch wie findet man den passenden Berater zu seiner Idee? Welche Ansprüche sollte man haben? GRUENDER-MV.DE traf in Neubrandenburg Annette Riedel zum Interview: Sie ist Geschäftsführerin von Halle 10 Akademie für Unternehmens-und Potenzialentwicklung, Gründer-Coach, engagiert sich seit fünf Jahren ehrenamtlich als Mentorin für junge Unternehmen beim Mentoring-Programm des Landes und ist Mitglied beim Verband deutscher Unternehmerinnen.

Frau Riedel, Sie engagieren sich sehr umfangreich in der Gründerszene. Bleibt da überhaupt noch viel Zeit für professionelle Existenzgründungsbegleitung?

Den größten Teil meiner Arbeit macht das 1: 1 Coaching aus, das ist für mich wichtig!
Das Engagement darüber hinaus in der Gründerszene hängt mit meiner Vision zusammen. Wir brauchen Lösungen für Menschen, die sich verändern und in ihre Berufung kommen wollen oder sich mittelfristig auf eine Selbständigkeit vorbereiten möchten. Dieser Trend ist schon lange da und wird sich weiter verstärken. Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Modelle funktionieren nicht für alle Menschen. Im Übrigen suchen auch Unternehmen neue Modelle. In meinen Coachings geht es nicht nur um spektakuläre Gründungen, sondern oft um eine Gründung als Einzelunternehmer/in, um die eigene Existenz aufzubauen und damit auch wieder Arbeit zu haben. Die Menschen in Deutschland sind in den letzten Jahren darauf getrimmt worden, Bewerbungen zu schreiben. Wir brauchen Menschen, die Businesspläne schreiben können und das in die Tat umsetzen.

Hat jede Gründerin, jeder Gründer Beratungsbedarf?

Ich denke JA! Schon allein, um von den vielen Möglichkeiten zu erfahren, die Gründer/-innen hier in Deutschland zur Verfügung stehen. Viele Dinge greifen vor der Gründung, andere in der Zeit danach.
Wichtig ist eine Beratung auch, wenn Investitionen für die Gründung anstehen. Ich empfehle besonders, die Gründerpersönlichkeit und die Geschäftsidee in den Beratungen zu prüfen, um einen Businessplan zu entwickeln, der eine Tragfähigkeit des Unternehmens auch erreicht.
Viele Gründer/-innen überschätzen, was in einem Jahr zu erreichen ist, meistens unterschätzen sie jedoch, was in zehn Jahren machbar ist,mit Konsequenz und Fleiß.

Worauf sollten Gründerinnen und Gründer achten, was sollten sie fragen, wenn sie sich einen Coach suchen?

Sie sollten nach einem kostenfreien Erstgespräch fragen und Fragen vorbereiten, die sie stellen, um sich ein Bild vom Berater/-in und dessen Kompetenz zu machen. Dann empfehle ich, Erstgespräche bei zwei oder drei Beratern zu machen –  ähnlich wie beim Casting. Außerdem ist es oft sehr sinnvoll, Empfehlungen nachzugehen.
Auf jeden Fall sollte die Chemie, der sogenannte Nasenfaktor, stimmen. Wenn ich mir eine Beratung oder einen Coach suche, dann schaue ich nach Menschen, die da sind wo ich hin will. Das hat sich bewährt. Ich schaue mir also die Persönlichkeit, das Image, die unternehmerische Tätigkeit und dessen „Früchte“,  an. Referenzen sind manchmal nicht aussagekräftig genug. Ansonsten kann auch die Recherche im Internet schon weiterhelfen, um Spezialisierungen von Beratern oder Coaches herauszufinden.

Vor einer Erstberatung sollten sich angehende Gründer und Gründerinnen Fragen aufzuschreiben. Zum Beispiel: Welche Gründungen in der Region haben Sie schon begleitet? In welcher Branche begleiten Sie sehr häufig, in welcher eher wenig oder gar nicht? Was erwarten Sie von mir und was kann ich konkret von Ihnen erwarten?

Wie viel Zeit und Geld sollten Gründerinnen und Gründer für einen Coach einplanen?

Soviel Zeit und Geld wie möglich, wenn es zielführend ist. Schon in der Auftragsklärung werden die Ziele gesteckt. Gründer/-innen haben unterschiedliche
Herausforderungen zu lösen, manche benötigen ein Akquisekonzept, wie sie Kunden finden und binden können. Andere brauchen ein Marketingkonzept, um ein Alleinstellungsmerkmal zu finden und andere wieder brauchen Methoden, um die vielen Rollen einer Unternehmerpersönlichkeit unter einen Hut zu bekommen.
Durch das Förderinstrument Gründercoaching Deutschland gestaltet sich die Ressource Geld fürs Coaching machbar.

Frau Riedel, Sie sind eine erfolgreiche Unternehmerin und Netzwerkerin: Sie besuchen Gründer-Stammtische, nutzen Weiterbildungen, gehen zu Messen, engagieren sich im Mentoring-Programm und agieren beim Verband der deutschen Unternehmerinnen. Seit Kurzem sind Sie nun auch Mitglied beim International Coach Federation – der größten internationalen Vereinigung professioneller Coachs. Warum?

Mir geht es um Qualität im Coaching, um Professionalität und Ethik. In diesem Coachingverband sind elf Kernkompetenzen und ein Ethikcodex eine wichtige Basis für Coaching. Jedes Mitglied unterschreibt diese Standards.
Wir sehen uns als Qualitätsmarke für Coaching, speziell im deutschen Markt, wo es eine verwirrende Vielzahl von Coachs, Ausbildungen und Zertifizierungen gibt. Hier braucht es aus unserer Sicht eindeutige Richtlinien, um zu erkennen, was ein guter bzw. professioneller Coach ist.
Die ICF definiert Coaching als „partnerschaftlichen und anregenden Prozess, der Menschen und Organisationen kreativ dabei unterstützt, ihr persönliches und professionelles Potential zu steigern.“ Wir sehen Klienten als Experten ihres eigenen Lebens und sind der Überzeugung, dass sie über genügend Ressourcen verfügen, ihre Ziele eigenverantwortlich zu erreichen.
Coaching-Interessierte und professionelle Coachs haben damit auch in Neubrandenburg /Mecklenburg Vorpommern die Möglichkeit, ihr Verständnis von Coaching zu erweitern und zu vertiefen und dabei interessante Kontakte zu knüpfen.

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