Sogar Kunden aus Neuseeland bei Line Marketing aus Schwerin

In Gründer aus MV by scheibel

Wie oldschool, denke ich, als ich mich per E-Mail an Katrin Röpert zwecks der Vereinbarung zum Interviewtermin wende. Immerhin hat die bekennende Online-Marketing-Expertin mir sämtliche Kontaktzugänge der schönen neuen Netzwelt eröffnet, als ich auf ihrer Website zu Gast bin. Ob Twitter, Facebook, Xing oder LinkendIn…was für ein Ding?
Es gibt also Klärungsbedarf. Beschämt denke ich an meinen eigenen Internetauftritt und daran, dass ich immer noch am liebsten angerufen werde. Mit einem richtigen Telefon, wohlgemerkt.

Foto: Michaela Skott

Das kleine Dörfchen Wittenförden, am Stadtrand von Schwerin, sieht an dem Tag auch nicht wie das Mekka der WEB 2.0-Jünger aus. Leichte Nebelschwaden ziehen über das Land und ich frage mich, ob sie hier wohl schon einen schnellen Internetzugang haben. „Haben wir“, lacht Katrin Röpert, „wenn auch noch nicht lange“. Sogar Glasfasernetze sind es, erfahre ich. Für die junge Gründerin ein Glücksfall. Denn so kann sie im Haus ihrer Eltern leben und arbeiten. „Das spart gerade zu Anfang ungemein“. Zumal die Arbeitszeiten der 27-jährigen alles andere als klassisch bürotauglich sind. Katrin Röperts Kunden sitzen nämlich noch zum Teil in Neuseeland. Wie das geht, erklärt sie mit ihrer Reiselust, ihrem Bildungsweg und dem Wunsch nach einer Auswanderung. Doch der Reihe nach.

Es war eine Englischlehrerin, die in der Abiturientin Katrin das Interesse an der großen, weiten Welt und an Sprachen weckte. Nach einem High-School-Jahr in den USA, hatte sie das Reisefieber endgültig gepackt. Katrin Röpert studiert Internationales Tourismusmanagement an der Fachhochschule in Heide und jobbt sich unterdessen durch halb Europa.

Den Bachelor in der Tasche geht sie nach dem Studium für ein Praktikum nach Hamburg und landet dort bei einem ersten Online-Projekt. In einem kleinen Team lernt sie viel über Website-Optimierung, Online-Kampagnen, Auswertung von Kundenbefragungen…
Dann packt sie wieder die Sehnsucht. Nach Chile soll es gehen. Zum „Spanisch aufbessern“. Dort arbeitet Katrin Röpert für einen Reiseveranstalter. Der nicht nur unseriös, sondern schnell auch insolvent ist. So lernt sie eine Menge über Kundenbeschwerden.

Wieder zurück in Hamburg holt sie und ihren Freund ein lang gehegter Traum wieder ein: Neuseeland. Sie suchen eine Arbeitsstelle für ihn. Er ist ausgebildeter Zahntechniker – sie selbst kann, so denken die beiden, überall arbeiten. Sie sollte Recht haben. In Neuseeland findet Katrin Röpert einen Marketingberater, dem sie zunächst assistiert und der ihr später vor Ort den Weg in die Selbstständigkeit ermöglicht. „Für Unternehmer dort ist völlig klar, wie wichtig Online-Marketing ist“, sagt die Gründerin. Ihre Kompetenz spricht sich herum. Schnell werden es mehr und mehr Kunden.
Die Arbeit macht ihr Spaß. Doch für Katrin, den Familienmensch, ist auch klar: Irgendwann geht es wieder zurück nach Deutschland. Vater und Mutter sind beide selbstständig. Als es dem Vater gesundheitlich nicht gut geht, beschließen alle, dass der Freund dort mit in das Unternehmen einsteigen wird. „Ich liebe Neuseeland. Aber man ist dort einfach zu weit weg. Besuche bei der Familie sind halbe Weltreisen und niemand ist einfach dicht dran, wenn man ihn braucht oder wenn man gebraucht wird.“ Also geht es zurück nach Deutschland. Und die Kunden? „Die kamen mit, wenn auch nur virtuell“, wieder lacht Katrin Röpert. „Ich stehe mit meinen Kunden ständig über Skype und per Mail in Kontakt“. Persönlich sei das trotzdem, findet sie. Und die Kunden offensichtlich auch, denn auch jetzt noch wächst ihr Kundenstamm im Ausland stetig an. Etwas anderes als eine Selbstständigkeit kam daher für die Gründerin auch nicht in Frage. Den Existenzgründerkurs jedoch fand sie für ihre Bedürfnisse eher suboptimal. „Es kommt offensichtlich nicht häufig vor, dass eine Gründerin danach fragt, wie das bspw. steuerlich mit den Auslandskunden so abläuft“, resümiert Katrin Röpert.

Sie beißt sich durch. Gründet, wenn auch ohne jegliche weitere finanzielle Unterstützung vom Staat: „Für mich war der Rückhalt durch meine Eltern entscheidend“, stellt sie fest. Und meint damit bei Weitem nicht nur das Geld: „Das fing schon bei meinem Auslandsschuljahr an. Meine Eltern haben mich immer unterstützt und ihre erfolgreiche Selbstständigkeit ist für mich ein großes Vorbild.“

Bild: Michaela Skott

Seit Juni ist Katrin Röpert mit ihrem Angebot auch in Deutschland am Markt als Line Marketing aktiv. Sie bietet Beratung zu Online-Werbung an, unterstützt Unternehmen bspw. dabei in sozialen Netzwerken aktiv zu werden, erstellt Websiten oder auch Newsletter. Wenn sie selbst etwas nicht anbietet oder auch zeitlich nicht schaffen kann, hat sie Partner, denen sie vertraut. Man hilft sich untereinander. Die Auftragslage ist mehr als gut.

„Manchmal hat mein Tag schon nicht mehr genug Stunden. Täglich ein Stunde zweige ich aber immer noch für meine Weiterbildung ab. Ich nehme an Online-Seminaren teil, lese, was die Branche neues bietet, vernetze mich.“

Selbst und ständig – Katrin Röpert weiß, wovon sie spricht. Tauschen gegen eine Festanstellung würde sie jedoch auf keinen Fall. Ihr nächstes Ziel ist dennoch weniger beruflicher Natur: sie will gemeinsam mit ihrem Freund nach Asien reisen. Da war sie nämlich noch nicht. Doch wahrscheinlich ist, dass sie auf dem Rückflug wieder einige neue Kunden im Gepäck hat.
Michaela Skott

 

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