Auch „Freie“ müssen „Vogelfutter“ verdienen

Über die Kultur und für das Lokale hat er geschrieben. Der Journalist Ralph Schipke hat Online-Redaktionen in Neubrandenburg und Kiel aufgebaut. Mit Blogs, Google, Facebook und Twitter hat der 48jährige keine Berührungsängste. Im Herbst 2012 hat er sich mit seinem Medienbüro „Thema und Absicht“ selbstständig gemacht und sich zugleich noch einmal für ein Studium eingeschrieben. Ein Thema liegt ihn besonders am Herzen: Wie wird unsere Zukunft und die unserer Kinder aussehen? Und seine Absicht: Heute schon die Zukunft unserer Kinder nachhaltig und aktiv gestalten!

Nicht aus der Ruhe bringen lassen! Das rät der freie Journalist Ralph Schipke aus Neubrandenburg allen, die sich mit der Absicht tragen, ihr berufliches Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen und den mutigen Schritt in die Freiberuflichkeit oder Selbstständigkeit wagen. Foto. S. Haerter

Einen festen Job in einer Zeitungsredaktion aufzugeben und den Schritt in die Freiberuflichkeit zu wagen, ist doch sicherlich nicht leicht?

Als „Freier Journalist“ zu schreiben und zu arbeiten bringt wirklich ganz viel Freiheit mit sich. Lange habe ich gezweifelt, ob frei nicht auch „vogelfrei“ bedeuten könnte – also ungeschützt außerhalb von Recht und Gesetz zu stehen, was das Wort ja zumindest im Mittelalter bedeutete. Aber inzwischen habe ich solche Ängste überwunden. Die journalistische und publizistische Unabhängigkeit hat durchaus eine befreiende Wirkung. Insbesondere in unserer kreativen Profession. Trotzdem muss ich natürlich schauen, wie und wo man sein täglich „Vogelfutter“ – sprich Brot und Lebensunterhalt – verdienen kann.

Wie, wo und mit wem haben Sie sich fit gemacht?

Lesen, lesen, lesen. Fachbücher, Zeitschriften und auch E-Books und im Internet. Ich habe meinen Job schon immer mit lebenslangem Lernen verbunden. Und so habe ich mich auch unmittelbar nach dem Ausscheiden aus einer Festanstellung beim Nordkurier noch für ein berufsbegleitendes Studium an der Leuphana-Universität in Lüneburg eingeschrieben. Für einen Zertifikatsstudiengang „Nachhaltigkeit und Journalismus“. In meiner Seminargruppe sind gleichgesinnte Kollegen aus der ganzen Republik. Wir arbeiten quer durch alle Medien, einige auch als „Freie“. Dort lerne ich gegenwärtig zwei Semester lang extrem viel Neues. „Nachhaltige“ Themen kommen meinem Eindruck nach leider heutzutage noch zu wenig in den Medien vor. Ganz zu schweigen von selbst nachhaltigen Medien, die im Land noch echte Raritäten sind. Auch wenn das (Er-)Schlagwort NACHHALTIGKEIT viele gern im Mund führen, um sich schön grün Abzutarnen.

Welche Wissenslücken gab es vor dem Start in die Selbstständigkeit?

Mit Betriebswirtschaft musste sich eine Redaktion – vielleicht außer im Wirtschaftsressort – kaum herumschlagen. Da hatte ich auf jeden Fall Nachholbedarf. Steuern, Selbst-PR, Rechnungs- und Vertragsangelegenheiten sind ein paar Schlagworte, die für alle Freien auf der Tagesordnung stehen. Aber an vielen Stellen, beispielsweise auch hier bei gruender-mv.de, gibt es wertvolle Hilfe, gerade in diesen Fragen.

Wo sehen Sie in der nächsten Zeit Ihre größten Herausforderungen?

Na in einem möglichst guten Studienabschluss in Lüneburg. Ich werde zeitgleich mit meinem Sohn, der gerade seine Masterarbeit in Informatik schreibt, mit dem Studium fertig. Da möchte ich mit meinen Noten nicht von ihm abgehängt werden. Außerdem versuche ich mich als eingefleischter „Schreiberling“ nun auch im für mich neuen Medium Rundfunk und arbeite mit der Stimme statt dem Kugelschreiber. Dass ist spannend, aber auch da gibt es viel zu lernen für mich, um in Zukunft öfter „auf Sendung“ zu gehen.

Was bedeutet eigentlich der Name Ihres Medienbüros „Thema und Absicht“?

Ich freue mich sehr, auf diese Überschrift über meiner Selbstständigkeit bisher überall positive Resonanz bekommt. Erst einmal stehen „Thema“ und „Absicht“ als Worte für sich. Aber für mich ist es eine Erinnerung ans Journalistikstudium in Leipzig. Dort wurden wir „gequält“, für jeden Beitrag „Thema und Absicht“ zu bestimmen, bevor man mit dem Schreiben loslegt. Das ist Handwerkszeug für Schreiberlinge. In der beruflichen Praxis hat sich das später als durchaus hilfreich erwiesen. Daher der Name, der bei vielen Kollegen Redakteuren ein erinnerndes Lächeln aufs Gesicht zaubert, wenn ich mich mit meinen Texten und Bildern vorstelle. Die haben wohl die gleiche Erfahrung gemacht.

Ergänzen Sie bitte die folgenden Stichpunkte zu einem Satz:

Selbstständig sein bedeutet für mich,…
noch mehr Verantwortung für meine Arbeit zu übernehmen, aber zugleich einen größere Freiheit bei der Themenwahl erlangt zu haben.

Würde ich noch einmal neu starten,… hätte ich keine Angst mehr vor dem Sprung ins kalte Wasser.

Angehenden Gründerinnen und Gründern rate ich,… an sich selbst zu glauben, aber nicht beratungsresistent zu werden und allzeit offen für neue Wege zu bleiben. Eine sichere Basis aus Familie, verständnisvollen Freunden und wohlmeinenden Kollegen ist ein gutes Fundament für das neue Haus „Selbstständigkeit“.

Kontakt:

Ralph Schipke
Medienbüro “Thema und Absicht”
D-17033 Neubrandenburg
Clara-Zetkin-Straße 10

Mail: schipke@gmx.net
www: thema-und-absicht.de
Facebook: www.facebook.com/ThemaundAbsicht/

https://www.gruender-mv.de/2018/05/22/friedhofsgefluester/

Heute schreibt, fotografiert und filmt Ralph Schipke GründerGeschichten wie die von 
der Schwarze Witwe alias Dr. Anja Kretschmer für das Gründerportal
Print Friendly, PDF & Email