Rostockerin erfindet spezielle Patientenkleidung

In Gründer aus MV by @red

Rund 80.000 Menschen in Deutschland leiden an einer Nierenkrankheit und müssen regelmäßig zur Blutwäsche. Eine Rostockerin will es den Betroffenen nun leichter machen: Krankenschwester Fanny Fatteicher hat medizinische Funktionswäsche entwickelt, in denen sich Dialyse-Patienten während der Stunden dauernden Anwendung wohler fühlen und nicht frieren. Die Idee hat sich die 27-Jährige patentieren lassen, weil sie weltweit bislang einmalig ist. Ihr Ziel: Krankenkassen überzeugen, die Funktionswäsche zu finanzieren.

Fanny Fatteicher hat große Pläne: „Ich möchte von der Idee leben können, eine eigene Schneiderei wäre toll und mehrere Außendienstmitarbeiter“, sagt sie. Doch noch steht die junge Frau ganz am Anfang und sucht nun nach Möglichkeiten und Hilfen, die Funktionswäsche für Dialysepatienten bekannt zu machen.
Hilfreich ist dabei der direkte Kontakt. Fanny Fatteicher, derzeit in Elternzeit mit dem zweiten Kind, ist Krankenschwester in einem Dialysezentrum in Rostock. Dort, an der Liege der Patienten, entstand auch die Geschäftsidee. „Wer zur Dialyse kommt, liegt hier im Schnitt fünf Stunden. Das Unterhemd muss hoch- oder heruntergezogen gezogen werden. Viele Patienten lassen es gleich ganz aus, schneiden Ärmel ab oder kommen selbst im Winter nur mit T-Shirts. Die Arme oder auch der Brustbereich müssen während der Blutwäsche frei bleiben, damit wir schnell handeln können, falls eine Kanüle rausrutscht. Sonst verblutet uns der Patient innerhalb von vier Minuten“, erklärt Fanny Fatteicher.
Das halbnackte Liegen sei unbequem, Patienten klagen darüber, dass die Gelenke auskühlen und fühlen sich so teilweise entblößt generell nicht wohl, berichtet die 27-Jährige, die seit über drei Jahren im Dialysezentrum arbeitet. „Irgendwann sagte ich dann zu einem Patienten, wenn ich mal reich bin, erfinde ich Dialysebekleidung.“ Die Idee war geboren.
Zusammen mit ihrer Oma, die nähen kann, probierte Fanny Fatteicher an einem Shirt, wie und ob solche Kleidung funktionieren könnte. Dieses Probestück präsentierte sie im Dezember 2012 einem Rechtsanwalt, der die nötigen Schritte zur Patentierung einleitete. Er riet ihr, mit niemandem, nicht mal mit der besten Freundin, über die Geschäftsidee zu reden. Die Sorge dahinter: Große Firmen könnten von der Idee hören und sie schneller umsetzen, als es Fanny Fatteicher möglich ist.
Die junge Frau suchte sich in Rostock eine Schneiderin, die nach ihrer Idee Schnittmuster für Unterhemden, Langarm- und Kurzarmshirts herstellte. Die Schnittmuster waren auch wichtig für die Patentierung. „Bei der Schneiderin ließ ich auch erste professionelle Oberteile nähen für eine Musterkollektion. Verschließbare Öffnungen zum Knöpfen ermöglichen es problemlos, die notwendigen Körperstellen frei zu machen, ohne sich komplett entblößen und gar frieren zu müssen.“

Dann begann die Suche nach einem passenden Textilhersteller. Fanny Fatteichers Ansprüche sind hoch: „Es sollte unbedingt schadstofffreier Stoff sein. Denn viele Patienten leiden zusätzlich unter Allergien, haben empfindliche Haut. Ich wollte auch unbedingt einen dehnbaren Baumwollstoff mit Elasthananteil, damit nichts eingezwängt wird und man sich während der Dialyse bequem bewegen kann.“

Sie wurde fündig – in Deutschland – und fand in Berlin auch noch eine Näherei, die bei größeren Bestellungen entsprechend schnell reagieren kann. Erste einzelne Shirts und Hemden sind verkauft.

Bisher hat Fanny Fatteicher in ihre Idee mehrere tausend Euro investiert und erst sehr wenig verdient. „Meine Eltern unterstützen mich großzügig bei der Umsetzung meiner Geschäftsidee“, sagt sie dankbar und hat fest vor, das Geld so schnell wie möglich zurückzuzahlen.
Sie wird sich in Kürze erstmalig auf drei Messen präsentieren, auf der sich Nierenspezialisten aus ganz Deutschland treffen. „Um Kosten zu sparen, teile ich mir den Messestand mit zwei anderen Jungunternehmern.“
Auch sonst ist Fanny Fatteicher einfallsreich: Sie verschickt Flyer und Infomaterial an Dialysepraxen in ganz Deutschland, schreibt erfolgreich Redaktionen von Fachzeitschriften und der örtlichen Presse an, um ihre Idee vorzustellen. Das Fernsehen berichtet daraufhin auch über die Geschäftsidee.
Eine Facebookseite, von der aus sie auch die Krankenkassen und deren Fans auf die medizinische Funktionskleidung aufmerksam machen möchte, ist neu angelegt. Und die 27-Jährige hat Kontakt zum Mentoring-Programm in Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen. Sie hofft, dass ihr einer der ehrenamtlichen Unternehmer als Mentor zur Seite steht und vielleicht helfen kann, eine Studie auf die Beine zu stellen. „Mein Ziel ist es, dass meine medizinische Funktionswäsche als Hilfsmittel von den Kassen zugelassen wird. Denn ich weiß, dass viele Patienten die 50 bis 80 Euro für so ein Oberteil nicht haben.“
Während Fanny Fatteicher das alles erzählt, überlegt sie hin und her, ob sie von einer weiteren Geschäftsidee, die sie noch patentieren lassen will, erzählen soll. Lieber nicht, einigen wir uns. Nur noch so viel: Ein Nachthemd für andere spezielle Patientengruppen ist auch schon in der Entwicklung.

Grit Gehlen

Kontakt:

Fanny Fatteicher

MediTex® Medizinische
Funktionswäsche GmbH

Schillingallee 68
18057 Rostock

Telefon: +49 381 444 48159

Mobil: +49 162 2907453

E-Mail: info@medi-tex.de
www: www.medi-tex.de

© 2019 | Ralph Schipke | GRUENDER-MV.DE
Print Friendly, PDF & Email