RABOZ®: Das Wörterbuch (nicht nur) für Bauarbeiter

In Gründer aus MV by @sys

Das Sprachgewirr auf internationalen Baustellen hat der Maler Dirk Becker auf seine Geschäftsidee gebracht. Der 41-jährige Penzliner hat zwei Baustellen-Wörterbücher herausgebracht, die alle wichtigen Fachbegriffe von A wie Abisolierzange bis Z wie Zollstock in vier verschiedenen Sprachen auflistet. Ganz frisch ist jetzt auch eine App auf dem Markt. Diese beinhaltet zusätzlich noch eine fünfte Sprache.
Mit wessen Hilfe Dirk Becker seine Idee 2012 umsetzte und welche Zukunftspläne er hat, erzählt der Jungunternehmer in diesem Interview.

Herr Becker, gehören Ihre Wörterbücher auf internationalen Baustellen mittlerweile zur Standardausrüstung?

Es hat sich gezeigt, dass der Bedarf auf Baustellen nach wie vor steigt. Und mit jedem neuen Bauarbeiter, der seine Heimat verlässt um im Ausland zu arbeiten, erhöht sich der Bedarf.
Ein moderner Montagearbeiter muss sich neben den handwerklichen Fähikeiten heutzutage auch bemühen, wenigstens ein Minimum der ihn umgebenden Sprache zu erlernen. Darauf achten immer mehr Unternehmen. Denn wer sich verständigen kann ist auch bei der Arbeit klar im Vorteil. Er zeigt Integrationsbereitschaft und wird für Arbeitgeber vertrauenserweckender.
Allein auf norwegischen Baustellen sind bereits mehr als 200.0000 polnische Handwerker anzutreffen. Diese arbeiten dort nicht nur mit norwegischen Kollegen, sondern natürlich auch mit deutschen und litauischen. Allerdings sind nur die wenigsten von ihnen gewillt, ein Wörterbuch in die Hand zu nehmen um sich zu verständigen. Ein Handy nehmen sie eher zur Hand und haben es eigentlich auch immer bei sich.
Deshalb kam mir die Idee, das Wörterbuch in eine App umzuwandeln.  Die RABOZ ® -App liefert über 630  qualifizierte Übersetzungen in fünf Sprachen. Aufgelistet sind täglich benötigten Materialien, Werkzeuge und Abläufe, die auf einer Baustelle Alltag sind. Mit dem Finger kann der Nutzer den benötigten Begriff  direkt zeigen. Das ist die einfachste Lösung.
In den allermeisten Fällen übersetzen gewöhnliche Übersetzungsprogramme und auch Dolmetscher solche speziellen Wörter einfach falsch. Kein Wunder, denn Fachwörter sind eben keine Umgangssprache. Versuchen Sie doch mal das Wort Lastprüfer (s.Elektriker) oder das Wort Abdichtmanschette (s.Heizungsbauer ) ins Norwegische oder gar ins Litauische zu übersetzen. Unglaublich, was da oft herauskommt.
Meine RABOZ ®-Bauwörterbücher Kunden werden vorwiegend von Messebauern, Sprachschulen, Dolmetschern, Architekten und Studenten technischer Hochschulen genutzt. Das RABOZ®-Buch gibt es in zwei Versionen. Deutsch-Polnisch-Norwegisch und Litauisch gibt es in der einen Version und in der zweiten Englisch-Polnisch-Norwegisch und Litauisch. Ein Buch kostet fünf Euro und wird über meine Webseite vertrieben. In der App sind alle fünf Sprachen vorhanden. Sie kostet nur 2,39 Euro. Es gibt sie weltweit in einschlägigen Stores der App-Verkäufer.

Sie hatten 2012 die Idee für die Wörterbücher. Wie haben Sie sie umgesetzt und wie ist der Name Raboz entstanden?

Die Idee entstand vor ungefähr acht Jahren in Finnsnes, einer Stadt in Nord-Norwegen. Ich arbeitete dort als Maler und Lackierer. Mit mir waren viele polnische Kollegen auf der Baustelle. Dort lernte ich meine ersten polnischen Worte und mir kam die Idee, neben den Grundfloskeln des Zusammenlebens auch mal echte Fachwörter übersetzen zu lassen. Die Kollegen staunten nicht schlecht, als ich auf polnisch nach speziellen Spachteln oder einem schwarzen Müllsack fragte.  Das lockerte zugleich unser Miteinander auf und verbesserte die Stimmung erheblich. Als wir dann eines samstags in der Kneipe saßen fragte ich meine polnischen Kollegen, ob sie so ein Taschenbüchlein kaufen würde. Damit war die Idee geboren. Noch nackt und ohne Namen. Da ich aber schnell merkte wie schwierig das Unterfangen war, es gibt z.B. Unterschiede zwischen west-und ostpolnisch, legte ich es für ein paar Jahre auf Eis. Ich wollte Quallität und das kostete Geld.
2011 erzählte ich auf einer Arbeitsstelle auf den Lofoten den richtigen Leuten davon. Die haben mir dann finanziell unter die Arme gegriffen. Von da an wurde es spannend. So setzte ich eine Entwicklungszeit von drei Monaten an, entwarf das Aussehen und die Art der Realisierung und dann zog ich nach Leipzig. Erste Recherchen ergaben, dass die preiswerteste Publikationsform der Eigenverlag war. Der Endpreis für den Verbraucher musste den Preis eines Bieres klar unterbieten. Das erste Buch war rein für den norwegischen Markt geplant. Die deutsche Version kam erst, als ich es mir leisten konnte. Als Markenname brauchte ich ein Kunstwort, das per Internetsuche recht schnell gefunden wird. Der Name „RABOZ“ beinhaltet  einen Teil des Wortes „работа“, was so viel wie „arbeiten“ bedeutet. Es wird von hier ostwärts überall verstanden. Und das Logo, der Bauarbeiter, wurde mir von einem  Freund gezeichnet. Noch vor dem ersten Druck ließ ich Raboz® als Marke schützen.

Lief nach der Vorbereitung alles wie geplant oder gab es Hürden zu überwinden?

Als erstes musste ich lernen, mehrsprachig auf der Tastatur zu tippen und auf fremdsprachigen Internetseiten zu surfen. Ich spreche nur drei der fünf Sprachen.
Eine weitere Hürde bestand darin, dass die Übersetzungen der Dolmetscher nur zu 70 bis 80 Prozent richtig waren. So wurde z.B. das Elektrikerwerkzeug mit dem Namen „gekröpfte Telefonzange“ einfach wörtlich übersetzt. In diesem Fall in: gekröpft, Telefon, Zange. Schließlich ist ein Übersetzer kein Elektriker, er kann nicht wissen, dass der Fachbegriff anders lauten kann.
Diese Fehler hatte ich aber einkalkuliert und reiste unter anderem in die Städte Vilnius und Wroclaw. Dort suchte ich Baustellen und Fachgeschäfte auf. Mit Wodka und Katalogen im Gepäck fand ich Zugang zu den Arbeitern, die die Übersetzungen überprüften. Als alles fertig übersetzt war, ließ ich die Wörter auch noch ein drittes Mal prüfen und fuhr wieder von Baustelle zu Baustelle.
Mittlerweile kann ich auch meine Webseite selbst bearbeiten und Bildbearbeitungsprogramme bedienen. Auch das waren anfangs Hürden, die ich nehmen wollte.

Wie werden die Kunden auf Raboz aufmerksam?

Die Kunden erfahren von der RABOZ ® -App durch Mundpropaganda oder Facebook-Werbung. Ich bin in 74 litauischen Facebook-Gruppen Mitglied und poste regelmäßig etwas über die App. Zugegeben, es ist etwa müßig, aber kostenlos. Werbung in Fachzeitschriften oder gar Plakatwerbung an Flughäfen oder grenznahen Tankstellen sind für mich unbezahlbar. Kredite will ich dafür nicht aufnehmen.
Es gibt Ideen für kleine lustige Youtube-Videos und eine einprägsame RABOZ-Melodie. Vielleicht findet  sich durch dieses Interview eine Möglichkeit, Partner zu finden, die sich mit Marketing auskennen.

Wie erfolgreich sind Sie jetzt nach einem Jahr am Markt?

Da ich nebenbei auch noch in anderen Bereichen arbeite, ist der Verkauf der  RABOZ ® -App ein stetiges Zubrot. Und weil  ich ohne Kredite arbeite und wenig  Nebenkosten schreibe ich von Anfang an schwarze Zahlen. Ich bin glücklich.

Welche Rechtsform haben Sie für Ihr Unternehmen gewählt?

Ich bin Einzelunternehmer.

Haben Sie Fördermittel beantragt?

Nein, darum habe ich mich nicht gekümmert.

Wo sehen Sie in der nächsten Zeit ihre größten Herausforderungen?

Die derzeit größte Herrausforderung besteht für mich derzeit darin, die RABOZ ® -App den vielen Bauarbeitern weltweit nahe zu bringen. In der Zukunft ist spanisch als nächste Sprache geplant. Das wird  beim Updaten der App dann automatisch angezeigt.

Gibt es etwas, das noch fehlt? Ein Mitarbeiter, Geld oder eine Maschine?
Es gibt mehrere Millionen Montagearbeiter und Auswanderer in der Welt. Mir fehlen die finanziellen Mittel, um diese potentiellen Kunden zu erreichen. Ich suche Sponsoren, die die Werbung finanzieren und biete eine Beteiligung am App-Verkauf.

Nutzen Sie Social Media Kanäle um sich und Ihr Unternehmen bekannt zu machen?

Es gibt eine Facebook-Seite mit dem Bauarbeiterlogo als Erkennungsbild. Somit nutze ich ein Minimum an Social Media Kanälen. Für mehr fehlt die Zeit.
Ob Social Media immer Sinn macht, das sei mal dahingestellt.

Ergänzen Sie bitte die folgenden Stichpunkte zu einem Satz:

Selbstständig sein bedeutet für mich, …freie Arbeitszeiteinteilung.

Würde ich noch mal neu starten, dann… würde ich mir wahrscheinlich gleich zu Beginn einen Partner  für die  Werbung suchen.

Angehenden Gründerinnen und Gründern rate ich,… Kredite zu meiden und den neuen Firmenwagen erst zu kaufen, wenn sie ihn auch bezahlen können.

Ihre Kontaktdaten lauten?

raboz®
Wörterbuch für Handwerker
Dirk Becker
Hartwigsdorfer Weg 14
17217 Penzlin (OT Zahren)
Telefon: 0176 – 725 211 84

E-Mail: mail@raboz.com
www: www.raboz.com
Facebook und Co: www.facebook.com/rabozobar

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