Im Salzreich gibt es längst mehr als wellnes. Hier präsientieren Axel und Karin Günther Salzmischungen und Kerzen.

Geschäftsidee aus dem Urlaub mitgebracht

In Gründer aus MV by @rs

In Trinwillershagen, im Hinterland der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst haben Axel und Karin Günther ein Salzparadies erschaffen, das immer mehr Touristen anlockt. Neben Wellnessangeboten gibt es mittlerweile auch kulinarische Köstlichkeiten, Baustoffe, Einrichtungsgegenstände und eine Minianlage zur Salzgewinnung für das heimische Wohnzimmer.

Wie der Rechtsanwalt und die Frisörin auf die Geschäftsidee gekommen sind und welche Hürden sie schon nehmen mussten, erzählt Axel Günther in diesem Interview.

Im Salzreich gibt es längst mehr als wellnes. Hier präsientieren  Axel und Karin Günther Salzmischungen und Kerzen.

Salzmischungen, Salzschokolade, Salzkerzen, Salzsteine und vieles mehr verkaufen Axel und Karin Günther mittlerweile in ihrem Salzreich.

Herr Günther, sind Sie noch als Rechtsanwalt tätig?

Ja. Ich habe meine Kanzlei nach wie vor in Ribnitz und Rostock und kürzlich noch ein Büro in Düsseldorf eröffnet. Meine Frau hat ihr Gewerbe als Frisörin inzwischen allerdings abgemeldet. Sie ist diejenige, die sich hauptsächlich ums Tagesgeschäft hier vor Ort kümmert. Das war anders einfach nicht mehr zu schaffen. Die ehemalige Salonfläche wurde zum Verkaufsraum.

Wie ist die Idee, ein Salzreich zu bauen, entstanden?

Als wir 2010 in Sachsen im Urlaub waren wurde im Keller unseres Hotels gerade eine Salzgrotte eröffnet. Da ich Asthma habe und weiß, dass salzige Luft die Symptome lindern kann, sind wir eine Woche lang jeden Tag 45 Minuten in die Salzgrotte gegangen. Nach zehn Tagen brauchte ich meine Medikamente nicht mehr. Mir ging es richtig gut. Das war ein unglaubliches Glücksgefühl.
Auf der Heimfahrt im Auto haben meine Frau und ich dann beschlossen, unser Gästezimmer hier im Haus in eine Mini-Salzgrotte umzufunktionieren. Und je näher wir unserem Zuhause kamen, desto größer wurde die Idee.
Wir haben uns gefragt: Warum eigentlich ein Salzzimmer nur für uns? Würde es nicht Sinn machen, es auch der breiten Öffentlichkeit anzubieten? Dann müssten wir zwar ein Unternehmen gründen, könnten aber zugleich mit der Idee Geld verdienen….
Das waren so die ersten Überlegungen.

Nun sind es Salztürme geworden und das private Gästezimmer ist nach wie vor ein Gästezimmer? 

Das sind die Türme hinter denen 32.000 Kilogramm Salzsteine aus einer Salzmine in Pakistan stecken.

Das sind die Türme, hinter denen 32.000 Kilogramm Salzsteine aus einer Salzmine in Pakistan stecken.

Ja, das ist es.
Glücklicherweise ist mein Vater Architekt. Schnell war klar, dass wir hier im Haus im Obergeschoss nicht einfach 5000 bis 6000 Kilogramm Salzsteine zusätzlich verbauen können. Mein Vater hatte dann die Idee, die Salztürme zu bauen. In den 16-eckigen Türmen aus Holz und Lehm stecken 32.000 Kilogramm Salzsteine aus einer Salzmine in Pakistan. Verbaut als Fliesen und Wandverkleidung.
Es gibt drei Etagen auf denen man bei Naturklängen und beruhigender Lichttherapie tief durchatmen, sich entspannen und erholen kann. Unsere Salztürme sind anders als übliche Salzgrotten. Wir haben ein echtes Gradierwerk eingebaut, das über zwei Etagen reicht.

Ein Gradierwerk, das ist doch  eine Salzgewinnungsanlage? 

Durch das Gradierwerk rieseln wiederkehrend 250 Liter Salzwasser.

Durch das Gradierwerk rieseln wiederkehrend 250 Liter Salzwasser.

Genau. Wir sind durch halb Deutschland gereist und haben uns verschiedene Salzgrotten und Salzbäder angeschaut. Dabei sind wir auf die Gradierwerke aufmerksam geworden. Unser sechs Meter hohes Gradierwerk besteht aus einem Holzgestellt, das mit Schlehenzweigen verfüllt ist.  Durch die Zweige rieseln laufend 250 Liter Salzwasser  in ein Auffangbecken.  Aus diesem wird das Wasser wieder nach oben gepumpt. Durch diesen ständig wiederkehrenden Prozess wird der Salzgehalt in der Luft vervierfacht.

Wie haben Sie Ihre Idee finanziert?

Die Finanzierung war eine echte Herausforderung. Als mein Vater nach den Planungen für die drei Salztürme mit seiner Kalkulation um die Ecke kam, ist mir echt die Kinnlade runter geklappt. 680.000 Euro sollte alles kosten. Verständlich, dass meine Hausbank sehr skeptisch war und einen Kredit ablehnte.
Ich hatte allerdings Feuer gefangen und habe tagelang im Internet nach Fördermitteln gesucht und bin fündig geworden. Es gibt ein EU-Förderprogramm zur Entwicklung der ländlichen Räume. Da unsere Salztürme ein touristischer Anziehungspunkt werden sollten und wir auch Arbeitsplätze schaffen wollten, sah ich alle Vorgaben erfüllt und habe einen Antrag eingereicht. Ich muss gestehen, der hatte es in sich. Wenn ich kein Rechtsanwalt wäre, der mit ähnlichen Anträgen täglich zu tun hat, dann hätte ich mich da nicht allein ran gewagt. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Wir haben 86.000 Euro bekommen. Mit dem Fördermittelbescheid in der Hand wagte ich mich zu einem zweiten Bankgespräch. Die Bank hat daraufhin 100.000 Euro Kredit bewilligt. Ich selbst hatte 50.000 Euro gespart. Doch die Gesamtsumme reichte noch immer hinten und vorne nicht.
Zusammen mit meinem Vater haben wir dann viele Bauarbeiten, wie zum Beispiel Erde ausheben und Fundamente gießen, selbst gemacht.  Wir haben nur Lüftung, Heizung und Elektroarbeiten durch Fachfirmen machen lassen. Die Salzsteine, mit denen die Türme ausgekleidet sind, sollten beim Großhandel 70.000 Euro kosten. Ich habe dann recherchiert woher die Salzsteine kommen und  einen pakistanischen Händler per Mail angeschrieben. Wir haben hin und her gehandelt ohne Ende und uns letztendlich auf weniger als 20.000 Euro geeinigt. Das Prozedere war etwas abenteuerlich, muss ich heute gestehen. Ich musste mutig in Vorkasse gehen und wusste im Grunde nicht, ob im Schiffscontainer aus Pakistan auch wirklich meine bestellten Salzsteine ankommen oder ob dieser nur mit Luft gefüllt ist. Der Pakistaner hatte hier in Deutschland aber schon häufiger Geschäfte gemacht und einen guten Leumund. Das erfuhr ich von der Hafenbehörde, bei der ich in meiner Not angerufen hatte.
Die anfangs veranschlagte Bausumme von rund 680.000 Euro konnte durch diese Maßnahmen mehr als halbiert werden. Nach 15 Monaten Bauzeit standen die drei Salztürme. Im Oktober 2012 haben wir die Eröffnung gefeiert.

Trinwillershagen ist nicht unbedingt ein Anziehungspunkt für Urlauber. Trotzdem kommen auch in der Nebensaison viele Touristen zu Ihnen. Wie werden die auf Sie aufmerksam?

Um unser Marketing kümmert sich ein echter Experte. Er wurde mir von einer Mandantin in meiner Rechtsanwaltskanzlei empfohlen. Er hat uns verdeutlicht, dass unser Name „Salzreich“ eine Marke werden muss und für dieses Ziel ein entsprechendes Konzept entwickelt.
Wir nehmen für unsere Werbung derzeit viel Geld in die Hand. Im vergangenen Jahr gingen allein für Anzeigen, Druck und unsere eigene Salzzeitung 12.000 Euro drauf. Das treibt das Ergebnis zwar ins Rote, bringt aber zugleich viel Kundschaft ins Haus. Ich denke, dass wir in zwei Jahren schwarze Zahlen schreiben. Bis dahin leben wir von den Einnahmen meiner Kanzlei.

Neben einem Marketingkonzept empfehle ich auch, ein Netzwerk aufzubauen. Ich gehöre zu den Gründern des Tourismusvereines hier in der Region und arbeite im Vorstand mit. Durch die Vereinsarbeit haben sich Scheunentore an Möglichkeiten und Kontakten für uns geöffnet.
Außerdem hole ich Hotel- und Pensionsbesitzer aus der Umgebung zu uns in die Salztürme, mache persönliche Führungen und lade zu Verkostungen ein. Davon zehren wir. In einigen Hotels werden nun sogar unsere Eintrittskarten verkauft, in anderen werden wir empfohlen, wenn die Urlauber nach Ausflugsmöglichkeiten fragen.

Richtig Schwung haben uns auch drei Fernsehbeiträge im NDR beschert. Es kamen danach allerdings nicht nur viele Urlauber, sondern auch Mitarbeiter vom Zoll vorbei. In einem der Fernsehbeiträge habe ich der Reporterin nämlich erzählt, dass wir jetzt auch Salzlikör selbst machen und mit ihr angestoßen.
Naja, der Zoll wollte nun unsere Brennerei sehen und dafür Steuern eintreiben. Das konnte ich aber schnell aufklären. Wir kaufen den Alkohol nur ein und verfeinern ihn mit Salz.

Axel und Karin Günther  vor dem Gradierwerk für das heimische Wohnzimmer.

Axel und Karin Günther vor dem Gradierwerk für das heimische Wohnzimmer.

Sie haben nicht nur Salzlikör, sondern auch Salzlampen, verschiedene Salzmischungen, Salzschokolade, Salzbonbons und vieles mehr im Angebot. Sie wollten doch anfangs nur Ihren Salzturm eröffnen?

Richtig. Unser Ladengeschäft ist zusätzlich entstanden.

Karin Günther im Gespräch mit Kunden.

Karin Günther im Gespräch mit Kunden.

 Das Angebot wurde mit der Zeit immer breiter. „Schuld“ sind die Kunden und unser gutes Gehör. Irgendwann fragte mal eine Kundin, ob wir die Salzlampen, die in unseren Ruheräumen stehen, auch verkaufen. Eine andere wollte wissen, ob es das Salz, aus dem unsere Türme gebaut sind, auch als Salzmischung zu kaufen gibt. Wieder ein anderer Kunde hat gefragt, ob wir auch Kochabende anbieten, damit man weiß wie und wofür man welches Salz anwenden könne. Naja, so kam immer eins zum anderen. Sobald jemand ein Produkt nachfragte haben wir gehandelt. Unsere Salzmischungen stellen wir übrigens selbst her. Wir haben dafür eine kleine Produktionshalle eingerichtet. Das „Erdapfelsalz“, gemischt mit heimischen Kräutern, kommt besonders gut an. Kinder probieren sehr gern das Salzeis.

Ach, da fällt mir noch ein: Wir bauen jetzt auch Gradierwerke für das heimische Wohnzimmer. Auf diese bahnbrechende Idee hat uns auch eine Kundin gebracht, die mit ihrem asthmakranken Sohn mehrmals hier war und immer eine weite Strecke fahren musste. Irgendwann hat sie beiläufig gesagt, dass sie so ein Gradierwerk für das Kinderzimmer bräuchte und bedauert, dass es solche kleinen Bauten bestimmt nicht gibt. Sie können sich denken, dass ich mir ganz schnell einen Tischler gesucht und mit ihm so ein Mini-Gradierwerk geplant und gebaut habe. Aus der Idee ist nun wieder eine eigene Firma geworden.

Sie haben schon so einige Hürden genommen. Wo liegt aus Ihrer Sicht die nächste?

Es ist viel schwerer als gedacht, gute Mitarbeiter zu finden.
Wir haben schnell gemerkt, dass wir nicht mehr alles alleine schaffen. Wir brauchten Mitarbeiter, die unsere Idee toll finden und genauso begeistert sind wie wir. Die Suche über das Arbeitsamt war leider ein Misserfolg.
Die, die zu uns passen, haben wir letztendlich über persönliche Empfehlungen gefunden. Darüber zu sprechen, dass man Mitarbeiter für bestimmte Positionen braucht, hat sich gelohnt. Insgesamt sind jetzt schon drei Leute bei uns beschäftigt, darunter eine Auszubildende. Es sollen weitere Arbeitsplätze entstehen.

Sie haben eine Website und sind auch auf Facebook aktiv. Lohnt sich der Aufwand?

Es ist Wahnsinn was im Internet geht. Die Website und Facebook sind für uns sehr wichtig, um uns, unseren Online-Shop und unsere Angebote in den Salztürmen bekannt zu machen. Unsere Inhalte leben. Die Fangemeinde wächst. Das ist Klasse!

Was raten Sie angehenden Gründern?

Ich rate, immer das Ohr am Kunden zu haben. So lassen sich Wünsche und Bedürfnisse am besten ermitteln und die Geschäftsidee kann wachsen. Dabei darf man sich natürlich nicht verzetteln und muss seine Grundidee fest im Blick haben.
Wichtig ist auch, Aufgaben abzugeben. Das fällt nicht immer leicht ist aber notwendig, um sich auf die wesentlichen Dinge im Unternehmen konzentrieren zu können.  Wenn man keinen Mitarbeiter einstellen möchte, kann man ja zum Beispiel einen Büroservice buchen oder eine Firma mit der Reinigung der Geschäftsräume beauftragen.
Und, jeder Gründer sollte ein vernünftiges Budget für Marketingmaßnahmen einplanen. Wer beim Marketing spart, spart an der falschen Stelle. Man muss schnell bekannt werden, damit sich auch schnell erste Erfolge und Wachstum einstellen.

Die Fragen stellte Grit Gehlen

Kontakt:

Salzreich
Inhaber: Karin & Axel Günther
Feldstrasse 10
18320 Trinwillershagen

Telefon: 0 38225 – 51789
E-Mail: info@salzreich.de

Internet: www.salzreich.de

Facebook: www.facebook.com/salzreich?fref=photo

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