Tipps für Arbeitgeber zur Beschäftigung von Flüchtlingen

Immer mehr Arbeitgeber wollen Flüchtlingen bei der Integration helfen, indem sie ihnen eine Beschäftigung anbieten. Doch es gilt einiges zu beachten. Was genau, erläutert Frank Skowronek, Bereichsleiter in der Schweriner Arbeitsagentur. Agentur für Arbeit 1 Urheber Grit Gehlen

Herr Skowronek, wie sollen Unternehmer, die Flüchtlinge beschäftigen wollen, vorgehen? Worauf müssen sie achten?
Zunächst einmal ist es wichtig, wesentliche und auf den Arbeitsmarkt wirkende Unterschiede bei geflüchteten Menschen zu kennen. In Deutschland unterscheiden wir Asylsuchende mit einer Aufenthaltsgestattung, anerkannte Flüchtlinge mit einer Aufenthaltserlaubnis und geduldete Menschen. Bei anerkannten Flüchtlingen mit einer Aufenthaltserlaubnis besteht ein so genannter freier Zugang zum Arbeitsmarkt. Diese Personen dürfen jede Beschäftigung aufnehmen – Unternehmen brauchen keine Besonderheiten beachten.
Bei Personen mit einer Aufenthaltsgestattung oder Duldung wird eine von der Ausländerbehörde erteilte Arbeitserlaubnis benötigt, die im Regelfall erst nach einem drei-monatigen Voraufenthalt und einer Vorrangprüfung erteilt werden kann. Diese Personen benötigen also eine Erlaubnis, um arbeiten zu dürfen.

Unterliegt jeder Flüchtling einer Vorrangprüfung?
Nein. Wie schon erläutert, können anerkannte Flüchtlinge mit einer Aufenthaltserlaubnis uneingeschränkt und ohne Wartezeit bzw. Vorrangprüfung eine Beschäftigung aufnehmen.
Darüber hinaus gilt, dass bei bestimmten Beschäftigungen die Ausländerbehörden keine Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit benötigten. Keine Vorrangprüfung ist unter anderem für Berufsausbildungen sowie für Beschäftigungen für Zuwanderer mit der Blauen Karte EU erforderlich. Im Übrigen entfällt das Zustimmungserfordernis der Bundesagentur für Arbeit nach einem Aufenthalt von vier Jahren.
Mein Tipp: Ein Migrations-Check gibt Unternehmen eine erste Orientierung, ob ihr neuer ausländischer Mitarbeiter für die Arbeit in Deutschland eine Arbeitserlaubnis benötigt und ob diese erteilt werden kann. Er ist auf unserer Internetseite zu finden: LINK

Zu welchen Bedingungen dürfen Arbeitgeber Flüchtlingen ein Praktikum anbieten?
Praktikanten sind Personen, die ihre erworbenen oder noch zu erwerbenden Kenntnisse in praktischer Anwendung in einem Unternehmen zur Vorbereitung auf eine künftige berufliche Tätigkeit oder Ausbildung vertiefen möchten. Mit einem Praktikumsverhältnis ist grundsätzlich ein Mindestmaß an Eingliederung in den Betriebsablauf verbunden. Insofern handelt es sich bei Praktikumsverhältnissen grundsätzlich um Beschäftigungsverhältnisse. Für ein Praktikum muss deshalb immer vor Antritt die Erlaubnis der Ausländerbehörde beantragt werden. Bestimmte Praktika sind vom Zustimmungserfordernis der Bundesagentur für Arbeit ausgenommen. Dazu zählen Pflichtpraktika, Praktika von bis zu drei Monaten zur Berufsorientierung und ausbildungsbegleitende Praktika bis zu einer Dauer von drei Monaten. Sollten Praktika zur Berufsorientierung oder ausbildungsbegleitende Praktika länger als drei Monate dauern, wird die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit benötigt.
Hinweis: Praktika unterliegen nicht dem gesetzlichen Mindestlohn.

Wie und wo sucht man als Unternehmen nach geeigneten Arbeitskräften unter den Flüchtlingen? Bewerbung Foto Grit Gehlen
Bei Fragen zu allen aufenthaltsrechtlichen Angelegenheiten, einschließlich der Erlaubnis zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit sind die Ausländerbehörden als Ansprechpartner zuständig.
Die Bundesagentur für Arbeit erteilt Auskünfte zu betrieblichen Tätigkeiten und Praktika bei Asylbewerbern und Geduldeten unter der zentralen Rufnummer +49 (0) 228 713 2000.
Wenn Arbeitgeber ganz konkrete Beschäftigungsvorstellungen haben, wenden sie sich am besten an ihren persönlichen Ansprechpartner im gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Arbeitsagenturen und Jobcenter.

Was muss bei Arbeitsverträgen mit Flüchtlingen beachtet werden?
Nähere Informationen zum Arbeitsrecht erhalten Interessierte beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales, bei Kammern und Verbänden sowie im Gespräch mit einem Fachanwalt.

Die Fragen stellte Grit Gehlen

7.9.2015

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