Foto: Christin Drühl

Handgemachte Unikate aus heimischem Holz

In Gründer aus MV by @rs

Im Sommer 2015 hat Johanna de Vos den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Die studierte Lehrerin und Kunsthistorikerin stellt Schönes aus Mecklenburger Wertholz her. Wie die Idee ankommt, welche Hürden die junge Frau schon nehmen musste und was sie anderen Gründern rät, erzählt Johanna de Vos in diesem Interview.

Sie stellen Schönes aus regionalem Holz her. Natürlich habe ich im Vorfeld auf Ihrer Website und in Ihrem Online-Shop geschmökert und dort einzigartige Servierbretter, Schlüsselhalter und sogar Eierbecher entdeckt. Wie ist die Idee entstanden, solche Produkte anzubieten? 

Foto: Christin Drühl

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Als ich vor anderthalb Jahren von Antwerpen in die Mecklenburgische Seenplatte zog, musste ich mich auf eine Art neu erfinden. Meinen Job als Kuratorin im Museum konnte ich in dieser Gegend eher nicht weiter ausüben.
Da ich immer schon eine Vorliebe für Holz hatte und mein Mann Jakob als Förster tätig ist, habe ich schon bald nach dem Umzug angefangen, Holz zu bearbeiten. Ich hatte das Glück, in einer Tischlerwerkstatt im Nachbardorf mein erstes Werkstück bauen zu können: ein Kinderbett für meine Tochter. Was mich dabei am meisten fasziniert hat, war der Schönheit des Materials. Ich fand es fast zu schade, dem Holz eine neue Form zu geben, die von der Schönheit des Materials ablenken würden. So bin ich zu der schlichtesten und einfachsten Form gekommen – nämlich dem Brett. Aus wunderschöner Esche und Rüster habe ich angefangen, Servier- und Schneidebretter zu machen. Mittlerweile sind weitere Produkte, wie die magnetischen Messerhalter und Eierbecher dazu gekommen und ich arbeite gerade an einem Weinflaschenhalter. Beim jedem neuen Design steht

Foto: Christin Drühl

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aber weiter die schlichte Form und die natürliche Beschaffenheit des Holzes im Vordergrund.

Von Ihrer Geschäftsidee haben Sie auch die Jury des Kreativmacher-Wettbewerbs überzeugt und gehörten im November zu den Siegern. Was „bringt“ die Auszeichnung?

Die Auszeichnung als Kreativmacher war für mich in erste Linie eine wichtige Bestätigung für meine Geschäftsidee. Schon der Anmeldeprozess für den Wettbewerb sorgte dafür, dass man seine Geschäftsidee reflektieren muss und sich noch mal die wichtigsten Fragen stellt: Was sind meine Ziele, was mache ich richtig und wobei brauche ich Unterstützung?
Die Story meiner Firma ist klar und weil ich so sehr dahinter stehe, war es eine schöne Erfahrung meine Geschichte ganz offen vor der Jury zu präsentieren. Inzwischen habe ich schon zwei Coachings und eine Impulsreise hinter mir und ich merke, dass mich der Erfahrungsaustausch mit den anderen Kreativmachern inspiriert und mir weiter geholfen hat. Ich bin nicht die Einzige die manchmal unsicher über die nächsten Schritte ist und für viele Probleme, die man hat, ist schon eine Lösung von anderen vorhanden.
Darüber hinaus hat die Auszeichnung auch öffentliche Aufmerksamkeit generiert. Ich kann nicht sagen, ob ich gerade deswegen mehr Bretter verkauft habe, aber ich glaube fest daran, dass die Auszeichnung meine Bekanntheit in MV erhöht hat. Darauf kann man dann Schritt für Schritt weiter aufbauen.

Wie werden Kunden auf speziell Ihr Angebot aufmerksam? 

Foto: Christin Drühl

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Gleich zur Anfang meiner Gründung im Sommer 2015 habe ich dafür gesorgt, dass ich eine eigene Webseite und eine Facebookseite hatte. Das war auch deswegen wichtig, weil zur gleichen Zeit der WDR vorbeikam und für das Reiseprogramm „Wunderschön“ Aufnahmen in meiner Werkstatt gemacht hat. Ich konnte den Arbeitsprozess zeigen und erzählen was eine Holländerin nach Mecklenburg-Vorpommern verschlagen hat. Es war die Liebe. Nach der Sendung fanden die Leute der Weg zu meiner Webseite, den Webshop und die Werkstatt. Das war ein schöner Start.
Ersten Kontakt mit meinen Kunden hatte ich im vergangen Jahr aber vor allem persönlich auf diversen Märkten wo ich meine Produkte angeboten habe. Ich bin immer noch dabei herauszufinden, auf welche Art von Markt meine Produkte am besten passen.. So stand ich schon auf Regional-, Weihnachts-, Design-, und Käsemärkten. Auf jedem Markt trifft man ein ganz anderes Publikum. Darüber hinaus merke ich, dass die Visitenkarten, die ich auf dem Markt an Interessierte verteile, immer direkt eine Auswirkung auf die Besucheranzahl meiner Webseite haben.

Foto: Christin Drühl

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Wie ist überhaupt die Idee entstanden, sich selbstständig zu machen?

Die Idee, mich selbständig zu machen, ist langsam gewachsen. Sozusagen mit meinen Produkten, die ich immer weiter entwickelt habe. Und mir wurde immer mehr klar, dass ich etwas Besonderes produziere.
Die endgültige Bestätigung kam dann aus meinem Umfeld, als Freunde und Bekannte begonnen haben, meine Bretter für sich selbst oder als Geschenk zu kaufen. Danach habe ich mich getraut, mich das erste Mal auf einen Markt zu stellen. Nachdem das ein Erfolg war habe ich angefangen, über einen Name und ein Logo für meine Firma nachzudenken.
Als Unternehmerin wurden Sie sicher nicht geboren. Wie, wo und mit wem haben Sie sich fit gemacht für die Selbstständigkeit?
Ich glaube doch, dass man zum Teil als Unternehmerin geboren wird. Bei mir jedenfalls gibt es viele Selbstständige in der Familie und vielleicht habe ich den holländischen Handelsgeist von meinen Eltern geerbt. Diese haben einen Käsebauernhof und meine Mutter verkauft ihren Käse jede Woche auf dem Markt. Als ich gemerkt habe, dass der Verkauf von Brettern ein Business werden könnte, habe ich nicht lange nachgedacht und die Firma gegründet. Das habe ich auch gemacht, weil es mehr als ein Hobby werden sollte. Sobald man sich selbstständig gemacht hat, muss man dran bleiben und ich glaube, dass gerade für Unternehmer eine externe Motivation nicht schadet. Natürlich ist es noch wichtiger, dass einem die Arbeit Spaß macht und man hinter seinen Produkten steht.

Wie erfolgreich sind Sie bereits?

Der Verkauf meiner Produkte schwankt sehr. Die Herausforderung ist, an dem richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Man braucht schon ein wenig Zeit, um zu erkennen welche Märkte und Verkaufskanäle sich lohnen und man buchen sollte. Es ist manchmal schwierig, überzeugt zu bleiben von dem was man macht, wenn man mal weniger verkauft.
Ich habe aber mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass, wenn man selbst agiert und sich traut, Neues auszuprobieren oder Investition zu machen, man wieder in den richtigen „flow“ kommt und Erfolg hat.

Brauchten Sie Geld für Ihre Gründung? Haben Sie Fördermittel beantragt? 

Foto: Christin Drühl

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Das Geld, das ich gebraucht habe für meine Gründung, kam aus eigener Tasche. Ich habe keine Fördermittel beantragt. Die größten Ausgaben bisher waren für die Webseite, Materialien und Werkzeug. Vieles habe ich auch selbst gemacht, z. B. das Logo. Freunde, die mir geholfen haben, ließen sich mit Brettern bezahlen. Auch das war sehr hilfreich. Ohne großes Startkapital muss man halt kreativ sein.

Wo sehen Sie in der nächsten Zeit Ihre größten Herausforderungen?

Die größte Herausforderung in der nächsten Zeit wird sein, meine Familie und die Firma unter einen Hut zu bringen. Wir erwarten gerade unser zweites Kind und ich glaube, dass man akzeptieren muss, dass die Firma bestimmte Zeit wesentlich weniger Priorität hat und automatisch weniger wachsen wird. Ich überlege aber jetzt schon, wie ich alles organisieren werde. Eine Idee ist, einen Produktvorrat anzulegen und den Verkauf übers Internet zu auszubauen.
Neben der Familienerweiterung planen wir gerade auch den Bau einer eigenen Werkstatt, in der wir unter dem Namen INTO THE WOOD unsere Holz-Workshops anbieten können. Man kann dann bei uns am Waldrand ein eigenes Servierbrett herstellen, zusammen mit dem Förster einen Baum fällen oder einen eigenen Bogen bauen. Für den Bau dieser Werkstatt wollen wir eine Förderung beantragen und ich weiß, dass das eine Herausforderung sein kann. Erstmal muss man herausfinden, was die richtige Förderung für unseren Plan ist und zweitens braucht man für den Antrag sicher einen langen Atem. Auch hier glaube ich aber fest daran, dass man vieles hinbekommt, wenn man überzeugt ist von seinem Plan.

Ergänzen Sie bitte folgenden Stichpunkt zu einem Satz:

Selbstständig sein bedeutet für mich, … die Augen offen zu halten für neue Chancen und auch in Zeiten von Unsicherheit immer wieder einen Schritt weiter zu gehen.

Die Fragen stellte Grit Gehlen

Kontakt:

JAKOB&JOHANNA handmade design
Tel: 01590 2161170
E-Mail: info@jakobjohanna.com

Website: http://www.jakobjohanna.com
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16.5.2016

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