Unternehmen sucht Nachfolge

Neue Koordinierungsstelle vernetzt bestehende Angebote und schafft persönlichen Kontakt

Von den rund 26.000 Unternehmen, in denen altersbedingt eine Unternehmensübergabe in Frage kommt, stehen in Mecklenburg-Vorpommern in den kommenden Jahren etwa 12.000 Unternehmen tatsächlich auch zur Nachfolge an. Diese Zahlen gab Anfang Juni das Wirtschaftsministerium in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Bürgschaftsbank M-V und den Industrie- und Handelskammern sowie der Handwerkskammer bekannt.

Knut Jahnke und Manja Jonas vom Projekt „Unternehmensnachfolge in MV“  Foto: Michaela Skott

Knut Jahnke und Manja Jonas vom Projekt „Unternehmensnachfolge in MV“
Foto: Michaela Skott

Dass vielen die Brisanz dieses Themas gar nicht bewusst ist, machten Knut Jahnke und Manja Jonas von dem Projekt „Unternehmensnachfolge in MV“ deutlich. Sie hatten eine repräsentative Befragung im Land durchgeführt und stellten die Ergebnisse der Studie vor. Die neu gegründete Koordinierungsstelle ist bei der Bürgschaftsbank M-V angesiedelt und soll künftig die bereits bestehenden Angebote zur Unternehmensnachfolge vernetzen und in der Öffentlichkeit sichtbar machen. „Eines der drängendsten Probleme ist die Zeit, die es benötigt, um eine Übergabe erfolgreich zu gestalten, aber auch die fehlende Nachfrage aufgrund der positiven Martklage“, sagte Knut Jahnke. Anders als noch vor einigen Jahren kann man sich heute oftmals zwischen einer Festanstellung und einer Selbstständigkeit entscheiden.
„Dabei kann die Übernahme eines Unternehmens auch für Existenzgründer durchaus eine gute Alternative sein. Zumal viele ‘Alt-Unternehmer’ bereit seien, dem Übernehmer vorübergehend und beratend zur Seite zu stehen“, ergänzt Manja Jonas. Beide wollen künftig ein Netzwerk aus Beratern im Land aufbauen, das bei den jeweiligen Kammern vor Ort angesiedelt ist. Fachleute, wie Juristen, Steuer- und Unternehmensberater stehen dann speziell zu Fragen der Unternehmensübergabe und -übernahme bereit.

Die Vertreter der kammern, des Wirtschaftsministeriums und der Bürgschaftsbank haben das Ziel möglichst vielen Unternehmen im Land bei der Suche nach einem Nachfolger zu helfen.  Foto: Michaela Skott

Die Vertreter der Kammern, des Wirtschaftsministeriums und der Bürgschaftsbank haben das Ziel, möglichst vielen Unternehmen im Land bei der Suche nach einem Nachfolger zu helfen.
Foto: Michaela Skott

Edgar Hummelsheim, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin, unterstrich die Bedeutung der persönlichen Beratung: „Nachfolge ist vor allem eine Vertrauensfrage“, bestätigt er.
Zwischen 270.000 und 1,7 Mio Euro liegt das durchschnittliche Investitionsvolumen für eine Unternehmensübernahme in MV. „Für gesunde Unternehmen ist es unserer Erfahrung nach zurzeit durchaus möglich hierfür solide Finanzierungen zu bekommen“, bestätigt Torsten Haasch, Hauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg. Gleichwohl denkt man auch bei der Bürgschaftsbank über besondere Angebote für diese Aufgaben nach. Dort begleitet man derzeit 30 bis 50 Übernahmen jährlich mit überwiegend positivem Ausgang. Auch bei der IHK zu Schwerin wird die neue Koordinierungsstelle begrüßt. Hauptgeschäftsführer Siegbert Eisenach: „In der aktuellen Marktlage sehen wir hier gute Ausgangspositionen für Existenzgründer und freuen uns, dass die Kammern als ihre erste Anlaufstelle mit diesem neuen Projekt gestärkt werden“.
Die Mittel für die Koordinierungsstelle kommen aus dem Europäischen Sozialfonds und werden über das Wirtschaftsministerium ausgereicht.

Michaela Skott

Tipp: Wenn Sie darüber nachdenken ein Unternehmen zu übernehmen, informieren Sie sich in unserer neuen Rubrik “Nachfolger gesucht”. In Zusammenarbeit mit der Koordinierungsstelle und den Kammern im Land werden wir hier regelmäßig über Unternehmen informieren, die einen Nachfolger für den Chefsessel suchen.

9.6.2016

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