Bürgerforschung

Freiwillige Wissenschaft unterstützen

In GründerNews, GründerNews_Bild, Hochschulen by Ralph Schipke

Hörgeräte im Labor entwickeln, Lebensstile auf dem Land und in der Stadt erforschen oder zum Schutz der Bienen das Leben der Tiere mit Sensoren verfolgen – das und noch viel mehr können Bürgerinnen und Bürger nun gemeinsam mit Wissenschaftlern tun. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) wird 13 Projekte fördern, in denen Freiwillige bei der Wissenschaft mitmachen.

„Wir stärken mit unserer Förderung die Zusammenarbeit von Bürgern und Wissenschaftlern“ sagt Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. „Die Projekte sollen Bürgerforschung verbessern und methodisch voranbringen – und Antworten auf gesellschaftlich wichtige Fragestellungen entwickeln.“ Das BMBF fördert die bis zu drei Jahre dauernden Projekte mit rund fünf Millionen Euro „Erstmalig fördern wir gezielt Projekte in der Bürgerforschung“, betont Wanka. Die Resonanz auf die Förderrichtlinie war riesig: Mehr als 300 Projekte wurden vorgeschlagen – das zeigt nach den Worten der Ministerin das zunehmende Interesse an den Bürgerwissenschaften. „Wir wollen die Bürgerforschung deshalb in Zukunft noch weiter stärken.“

Partizipation

„Sehr erfreulich ist das große Themenspektrum bei den nun anlaufenden Projekten“, sagt Wilhelm Krull, Generalsekretär der Volkswagen-Stiftung und Sprecher des Fachforums „Partizipation und Transparenz“ des Hightech Forums. Foto: Ralph Schipke

Eine neunköpfige Expertenjury hat dem BMBF die ausgewählten Projekte empfohlen, das Ministerium wird jetzt die Förderung starten. „Sehr erfreulich ist das große Themenspektrum bei den nun anlaufenden Projekten“, sagt Wilhelm Krull, Generalsekretär der Volkswagen-Stiftung und Sprecher des Fachforums „Partizipation und Transparenz“ des Hightech Forums. So sind Vorhaben aus den Sozialwissenschaften, dem Natur- und Umweltschutz sowie dem Gesundheitsbereich vertreten. Auch Projekte aus der Do-it-Yourself-Bewegung werden gefördert. „Bei der Auswahl war es uns wichtig, eine Vielzahl unterschiedlicher Fragestellungen und Beteiligungsmöglichkeiten zu berücksichtigen.“ Die forschenden Laien können zum Beispiel den Gesang der Nachtigall in der Großstadt aufnehmen, den städtischen Anbau von Nahrungsmitteln untersuchen oder gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ihre eigenen Forschungsfragen erarbeiten.

Weiterführende Informationen zu den Projekten finden Sie unter:

https://www.bmbf.de/de/citizen-science-wissenschaft-erreicht-die-mitte-der-gesellschaft-225.html und außerdem in Kürze auf der Internetseite http://www.buergerschaffenwissen.de/

 

Die ausgewählten Projekte sind:

Verbundprojekt | Artenvielfalt erleben – Wie Naturforschung vor der eigenen Haustür von interaktiven Webkarten profitiert, Leibniz Institut für Länderkunde (Verbundkoordination)

Bürgerforschung

Naturbegeisterte Bürger sammeln Tag für Tag wertvolle Informationen über unsere heimischen Tier- und Pflanzenbestände. Forscherinnen und Forscher arbeiten an einer neuen Generation interaktiver Online-Karten für das Webportal ornitho.de. Foto: Ralph Schipke

Naturbegeisterte Bürger sammeln Tag für Tag wertvolle Informationen über unsere heimischen Tier- und Pflanzenbestände. Damit sie ihre Beobachtungen künftig hürdenfrei der Wissenschaft zur Verfügung stellen können, arbeiten Forscherinnen und Forscher des Leibniz-Instituts für Länderkunde und des Leibniz-Instituts für Wissensmedien gemeinsam mit dem Dachverband Deutscher Avifaunisten an einer neuen Generation interaktiver Online-Karten für das Webportal ornitho.de. Ziel ist, noch mehr Menschen für die Erfassung der Artenvielfalt zu begeistern. Die neuen Webkarten sollen die Eingabe von Daten erleichtern und ihre Darstellung und Weiterverarbeitung verbessern. Zudem wird es möglich sein, die von Laienwissenschaftlern eingespeisten Beobachtungen regional auszuwerten.

Bee Observer – BOB: Risiken und Gefahren für Honigbienen erkennen und reduzieren, Universität Bremen

Bürgerforschung

Bienen sterben weltweit in bisher nie dagewesenem Ausmaß. Dabei sind die Insekten für den Erhalt des Ökosystems von zentraler Bedeutung. Das Projekt Bee Observer – BOB will Risiken und Gefahren für Honigbienen erkennen und reduzieren. Foto: Ralph Schipke

Bienen sterben weltweit in bisher nie dagewesenem Ausmaß. Dabei sind die Insekten für den Erhalt des Ökosystems von zentraler Bedeutung. Von einer abnehmenden Bestäubung von Nutzpflanzen durch Honigbienen wäre zudem die Nahrungsmittelproduktion betroffen. Das Projekt Bee Observer der Universität Bremen wird gemeinsam mit der Berliner Maker-Gruppe Hiveeyes sowie Imkerinnen und Imkern deutschlandweit Bienenstöcke mit Sensortechnik ausstatten, um Daten über den Zustand von Bienenvölkern aufzuzeichnen. Mit Hilfe der Daten sollen Strategien für die Rettung der Bienen entwickelt werden.

Verbundprojekt | CitizenSensor – Umweltanalytik für Jedermann, Fraunhofer EMFT (Verbundkoordination)

Die Wasser- und Luftqualität vor der eigenen Haustür und die Bodenqualität in heimischen Gärten lassen sich bislang nur mit einigem technischen Aufwand messen. Um dies zu ändern, sollen im Forschungsprojekt der Fraunhofer-Einrichtung für Mikrosysteme und Festkörper-Technologien (EMFT) zusammen mit Bürgerwissenschaftlerinnen aus der Maker-Szene Messmöglichkeiten mit einer digitalen Schnittstelle entwickelt, getestet und evaluiert werden. Mit der Technik sollen sich Umweltparameter schnell und einfach erfassen lassen.

Landinventur: Ein sozialwissenschaftliches Citizen Science Projekt zur kollektiven Raumbeobachtung, Thünen Institut für Regionalentwicklung

Auf der Suche nach einem guten Leben zieht es viele Menschen von der Stadt auf das Land. Die Wissenschaft hat noch längst nicht alle Aspekte des Landlebens untersucht. Deshalb wird das Thünen-Institut für Regionalentwicklung zusammen mit Bürgerwissenschaftlern eine Web-Plattform entwickeln, die Daten zum Landleben sammelt. Dadurch entsteht eine alternative Landkarte des gesellschaftlichen Lebens auf dem Land.

Citizen Lab für Mikroplastik, Universität Marburg

Mikroplastik

Die Belastung der Umwelt durch Mikroplastik ist ein globales Problem. Mit dem Citizen Lab für Mikroplastik an der Universität Marburg wird eine Infrastruktur geschaffen, die es Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht, Analysen zur Plastikbelastung von Sedimenten zu erstellen.. Foto: Ralph Schipke

Die Belastung der Umwelt durch Mikroplastik ist ein globales Problem. Mit dem Citizen Lab für Mikroplastik an der Universität Marburg wird eine Infrastruktur geschaffen, die es Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht, Analysen zur Plastikbelastung von Sedimenten zu erstellen. Von der Entnahme der Proben, der statistischen Erfassung, der Mikroskopie bis hin zur Organisation und Pflege einer öffentlich zugänglichen Datenbank sollen alle Arbeitsschritte gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern in Angriff genommen werden.

Clusterkopfschmerzen erforschen – Bürgerwissenschaftler schalten den Kopf ein und die Schmerzen aus!, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hof

Welche Trigger lösen anfallartige Kopfeschmerzen aus, so genannte Clusterkopfschmerzen? Und wie können diese akut behandelt werden? In diesem Forschungsprojekt der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hof werden Betroffene zu Erforschern ihrer eigenen Beschwerden. Gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern werden Forschungsfragen entwickelt und abgeleitet. Indem Betroffene kontinuierlich ihre Anfälle auf einer Web-Plattform melden und sich aktiv an der Auswertung der Daten beteiligen, soll ein ausführliches Bild über die bislang nur wenig erforschten Clusterkopfschmerzen entstehen.

Forschungsfall Nachtigall: Ein Citizen Science Projekt zur Natur- und Kulturwissenschaft einer Gesangslegende, Museum für Naturkunde Berlin

Der Gesang der Nachtigall begleitet uns in Land und Stadt – und ist bislang doch nicht ausreichend erforscht. Noch viele Fragen sind offen: Singen Nachtigallen in Dialekten, passen sie sich ihrer Umgebung an? Wo siedeln Nachtigallen und wo brüten sie? Welchen Einfluss haben Nachtigallen auf unsere Kulturgeschichte – und wie hat Gesang Musik und Literatur beeinflusst, welche Sehnsüchte weckt der Singvogel? Diesen und anderen Fragen wird das Museum für Naturkunde Berlin gemeinsam mit Berliner Bürgerinnen und Bürgern nachgehen und auf diese Weise mehr über die Nachtigallen in der Stadt herausfinden.

Hear how you like to hear – Selbstbestimmtes Hören für Menschen mit und ohne Hörbeinträchtigung, Fraunhofer IDMT

Obwohl mehr als die Hälfte der Bevölkerung über 65 Jahren von Hörbeeinträchtigungen betroffen ist, greifen nur ein Viertel der Menschen zu Hörgeräten. In interdisziplinären Teams aus Bürgerinnen und Bürgern, Wissenschaftlern, Künstlern und Makern soll in dem Forschungsprojekt des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT erforscht werden, wie Hörhilfen für selbstbestimmtes Hören aussehen, sich anhören und anfühlen sollten, damit sie in Alltagssituationen schwerhörigen Menschen optimal helfen.

Verbundprojekt | OpenLab.net – Make Science, science2public (Verbundkoordination)

Ein Verbund aus der Maker- und Lab-Bewegung in Halle (OpenLab.net), wird in vier Innovations-Laboren gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern Forschungsfragen aus den Bereichen Sensorik, virtuelle Realität und Nachhaltigkeitskommunikation nachgehen. Die Bürger bestimmen die Forschungsfrage mit, beteiligen sich am gesamten Forschungsprozess und können auch selbst eigene Projektanträge stellen. Kreative Methoden zur Bearbeitung von wissenschaftlichen Fragestellungen werden eingesetzt, um wissenschaftliche Kompetenzen aufzubauen.

Verbundprojekt | Patient Science zur Erforschung Seltener Erkrankungen – eine bürgerwissenschaftliche Studie am Beispiel der Mukoviszidose, Fraunhofer ISI (Verbundkoordination)

Mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer seltenen Erkrankung. Dazu zählt auch die Mukoviszidose. In Deutschland sind rund 8.000 Menschen von ihr betroffen, jedes Jahr kommen rund 200 Kinder mit der Krankheit auf die Welt. Im Rahmen der patientenwissenschaftlichen Studie wird das Fraunhofer Institut für System und Innovationsforschung gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Frankfurt an Lösungen zum Umgang mit der Krankheit im Alltag arbeiten. Patienten und ihre Angehörigen sind während des Forschungsprozesses aktiv einbezogen: Sie bestimmen das Forschungsdesign mit und spielen auch bei der Durchführung und Auswertung der Studie eine tragende Rolle.

Verbundprojekt | Repara(kul)tur – Alltagsweltliche Realisierung und gesellschaftliche Verbreitung von Praktiken des Reparierens und Selbermachens, Verbundkoordination: TU Berlin, Zentrum Technik und Gesellschaft (Verbundkoordination)

Repair-Bewegung

Das Zentrum Technik und Gesellschaft an der Technischen Universität Berlin will zusammen mit Akteuren aus der Repair- und Do-it-yourself Bewegung der Frage nachgehen, wie soziale Praktiken des Reparierens und Selbermachens erfolgreich angeeignet und im Alltag der Menschen integriert werden können. Foto: Ralph Schipke

Die Herstellung vieler Produkte sowie heutige Konsummuster sind mit hohen sozialen und ökologischen Kosten verbunden. Ressourcen könnten eingespart, Abfall vermieden werden. Das Zentrum Technik und Gesellschaft an der Technischen Universität Berlin will zusammen mit Akteuren aus der Repair- und Do-it-yourself Bewegung der Frage nachgehen, wie soziale Praktiken des Reparierens und Selbermachens erfolgreich angeeignet und im Alltag der Menschen integriert werden können. Ziel des Projektes ist, hierfür den Wissenstransfer zu stärken und Strategien zu entwickeln, die Kultur des Reparierens insgesamt zu stärken.

Verbundprojekt | Städtische Agrikultur: gemeinsam innovativ entwickeln – nachhaltige Integration und Vernetzung von Nahrungsmittelkleinproduktionen, Fraunhofer UMSICHT (Verbundkoordination)

Die Versorgung in Städten und Kommunen wird vielerorts bereits durch lokale Aktivitäten unterstützt: vom Balkongarten bis zur Stadtfarm, von mobilen Gärten bis zur Aquaponikanlage. Betrieben werden sie meist von engagierten Bürgern. Fraunhofer UMSICHT und der Wissenschaftsladen Bonn wollen gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern Technologien und Produktionsanlagen zugänglicher gestalten und Strategien für eine bessere Nahrungsmittelproduktion in der Stadt erarbeiten. Dazu werden in zwei Erntefolgen am Standort Oberhausen und Bonn Obst, Gemüse und andere Nahrungsmittel erzeugt und unter ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekten betrachtet.

Verbundprojekt | Transformationsstadt: Bürger forschen für ein Gutes Leben, Verbundkoordination: Universität Wuppertal (Verbundkoordination)

Wie sieht das gute Leben in der Stadt und im Quartier aus? Wie können Bürgerinnen und Bürger erfassen, was lokaler Wohlstand für sie bedeutet? Transformationsstadt, eine Initiative aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft in Wuppertal, möchte gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern ein benutzerfreundliches, offenes Datensystem entwickeln. Ziel ist es, die lokale Lebensqualität in Quartieren systematisch zu erfassen. Dadurch soll ein Bild entstehen, wie sich Quartiere entwickeln und welche Anforderungen bei der Stadtplanung zu berücksichtigen sind. Das Datenportal kann bundesweit von Städten und Quartieren genutzt werden und soll Bürgerinnen und Bürgern selbst ermöglichen, Stadtforschung zu betreiben.

Lebensqualität

Wie sieht das gute Leben in der Stadt und im Quartier aus? Wie können Bürgerinnen und Bürger erfassen, was lokaler Wohlstand für sie bedeutet? Transformationsstadt, eine Initiative aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft in Wuppertal, möchte gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern ein benutzerfreundliches, offenes Datensystem entwickeln. Foto: Ralph Schipke

Quelle: BMBF

07/15/2017

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