Telemedizin

Telemedizin verbessert psychiatrische Versorgung in Vorpommern

In GründerNews, Hochschulen by Ralph Schipke

MSD Gesundheitspreis 2017 für Greifswalder Wissenschaftler

Bereits zum sechsten Mal hat das forschende Pharmaunternehmen MSD Anfang September den MSD Gesundheitspreis verliehen und sechs innovative und wegweisende Versorgungsprojekte mit einem Preisgeld in Höhe von 110.000 Euro geehrt. Insgesamt hatten sich in diesem Jahr 46 Initiativen für den MSD Gesundheitspreis beworben.

Neben dem ersten, zweiten und dritten Rang verlieh die Jury erstmals drei Sonderpreise in den Kategorien E-Health/Digitalisierung, Community Medicine/Arztnetze und Stärkung der Patientenbeteiligung/Adhärenz. Der Sonderpreis Community Medicine/Arztnetze ging an die Universitätsmedizin Greifswald und ihr Projekt zur Telemedizin. Das Institut für Community Medicine und die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie wurden für das Projekt „Regionale telemedizinische Versorgung in der Psychiatrie“ geehrt.

Der MSD-Gesundheitspreis zeichnet Projekte aus, die vorbildhaft neue Wege in der Versorgung gehen und so als Modell für weitere Vorhaben dienen können. „Die Preisträger des MSD Gesundheitspreises 2017 zeigen eindrücklich, dass es in Deutschland nicht an innovativen Ideen und engagierten Menschen mangelt“, sagte Dr. Susanne Fiedler, Managing Director von MSD Deutschland. „Nicht immer ist es für die Initiatoren aber leicht, ihre Ideen auch umzusetzen. Daher setzt sich MSD auch für mehr Miteinander im deutschen Gesundheitswesen ein. MSD ist ein internationales Gesundheitsunternehmen mit Hauptsitz in den USA, das seit mehr als 125 Jahren neue Lösungen für Gesundheitsprobleme weltweit erforscht und weiterentwickelt. Das Unternehmen ist mit rund 68.000 Mitarbeitern in mehr als 140 Ländern vertreten. In Deutschland hat die Unternehmensgruppe ihren Hauptsitz in Haar bei München (http://www.msd.de).

Modell konnte sich im Praxisalltag durchsetzen

Telemedizin

Projektleiterin PD Dr. Neeltje van den Berg nahm den Preis für das erfolgreiche Telemedizinprojekt entgegen, der mit 15.000 Euro dotiert ist. Foto: MSD

Das Institut für Community Medicine und die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Greifwald konnten mit ihrem Projekt aufzeigen, wie die Telemedizin zu einer Verbesserung der regionalen psychiatrischen Versorgung beitragen kann. In der Region Vorpommern ist die psychiatrische Versorgung durch große Entfernungen zu den Therapeuten und lange Wartelisten gekennzeichnet, die eine Behandlungskontinuität beispielsweise nach einen stationären oder teilstationären Aufenthalt gefährden.
„Um die Versorgungssituation zu verbessern, bedarf es regionale, innovative Versorgungskonzepte. Telemedizinische Modelle sind hier eine vielversprechende Option, die regionale psychiatrische Versorgung zu ergänzen“, erläuterte Projektleiterin PD Dr. Neeltje van den Berg.

Im Rahmen eines vom Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales Mecklenburg-Vorpommern geförderten Projektes wurde in einer Kooperation zwischen dem Institut für Community Medicine, der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und dem Helios Hanseklinikum Stralsund zwischen 2009 und 2012 eine telemedizinische Intervention für Patienten mit Depression, Angst-, Anpassungs- und somatoformen Störungen nach einer teilstationären Behandlung entwickelt, umgesetzt und ausgewertet. „Das Versorgungskonzept besteht aus regelmäßigen telefonischen Kontakten und SMS-Nachrichten. Die Ergebnisse zeigten in einer wissenschaftlichen Studie deutliche Verbesserungen der Symptome für Angst und Depression.“

Auf der Basis der guten Ergebnisse wurde das Versorgungsmodell in die Regelversorgung überführt. Die telemedizinischen Leistungen erfolgen im Integrierten Funktionsbereich Telemedizin, der am Institut für Community Medicine angegliedert ist, für sechs regionale Psychiatrische Institutsambulanzen und Tageskliniken. Pro Quartal werden inzwischen 60 bis 70 Patienten betreut. Die Inhalte der telemedizinischen Betreuung, die Frequenz der Kontakte und die Behandlungsdauer werden individuell und gemeinsam zwischen Behandler und Patienten festgelegt.

„Der Mehrwert für die Patienten besteht aus dem Zugang zu einer kontinuierlichen, lückenlosen psychiatrischen Betreuung ohne Wartezeiten“, unterstrich van den Berg. „Außerdem erhalten nun auch Frauen und Männer, die ansonsten durch große Entfernungen zu den Praxen einen erschwerten Zugang hätten, die Möglichkeit einer psychiatrischen Behandlung.“
Darauf aufbauend wird seit 2014 eine Studie zur poststationären telemedizinischen Behandlung von Patienten mit bipolaren (manisch-depressiven) und schizophrenen Störungen durchgeführt, die durch die DAMP-Stiftung gefördert wird (Tecla Studie). Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Universitätsmedizin Greifswald, dem Helios Hanseklinikum Stralsund und der Odebrecht Stiftung Greifswald und läuft bis Dezember 2017.

Psychiatrische Erkrankungen sind weit verbreitet in der Allgemeinbevölkerung. In Deutschland leiden im Laufe ihres Lebens 43 Prozent der Menschen an einer psychiatrischen Störung. Die höchsten Gefahren bestehen für eine Depression (18,6 %) und somatoforme Störungen (16,2 %), die sich nicht auf eine organische Erkrankung zurückführen lassen.

http://www.medizin.uni-greifswald.de
http://www.facebook.com/UnimedizinGreifswald

Quelle: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
09/21/2017

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