Gründen mit Kindern: Mompreneurs bringen Familie und Beruf unter einen Hut

In GründerThemen, Unternehmensnachfolge by @bb

Wie sich die Gründungsprojekte von Frauen und Männern unterscheiden, wurde mittlerweile oft untersucht.
Dass es auch unterschiedliche Typen von Gründerinnen gibt, blieb allerdings weitgehend unbeachtet.

Mompreneurs: Kinder machen den Unterschied

Wie sich herausgestellt hat, ist ein Merkmal für die Typisierung besonders wichtig: Kinder.
So genannte „Mompreneurs“, also Gründerinnen mit minderjährigen Kindern im Haushalt, unterscheiden sich von Gründerinnen ohne Kinder zum Teil deutlich.
Im Durchschnitt der letzten 5 Jahre waren gut vier von zehn Gründerinnen Mompreneurs, dies entspricht rund jeder fünften Existenzgründung insgesamt. Zuletzt erfolgte jede sechste Gründung durch Mompreneurs, ihre Anzahl belief sich 2016 somit auf 105.000.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Mompreneurs von besonderer Bedeutung

Mompreneurs gründen seltener zur Umsetzung einer Geschäftsidee (41 %) als Gründerinnen ohne Kinder (50 %). Notgründungen sind bei beiden dennoch gleich häufig (jeweils etwa 30 %).

Es sind „andere Motive“, die Mompreneurs vermehrt antreiben. Zu nennen sind hier beispielsweise die Motive „Selbstverwirklichung“ oder „Hinzuverdienst“.

Unabhängig vom Motiv ihrer Gründung spielt ein Aspekt bei Mompreneurs eine herausragende Rolle: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
So trifft die Aussage „Ich habe mich beruflich selbstständig gemacht, um Beruf und Familie besser zu vereinen“ für knapp die Hälfte der Mompreneurs (48 %) „voll und ganz“ und für ein weiteres Viertel (24 %) „eher zu“.
Gründerinnen ohne Kinder bewerten dies geradezu gegenteilig. Für 51 % trifft die Aussage „gar nicht“ und für 25 % „eher nicht“ zu.

Etwa ein Drittel der Mompreneurs startet im Vollerwerb. Sie unterscheiden sich dahingehend kaum von Gründerinnen ohne Kinder. Allerdings treten Mompreneurs bei der Wochenarbeitszeit kürzer, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Bei Vollerwerbsgründungen liegt die mittlere Arbeitszeit von Mompreneurs mit 36 Stunden klar unter dem Schnitt anderer Gründerinnen und Gründer von rund 50 Wochenstunden

Mompreneurs stark bei (persönlichen) Dienstleistungen

Der Schwerpunkt der Gründungstätigkeit von Mompreneurs liegt im Bereich der persönlichen MompreneursDienstleistungen (45 %). Ein weiteres Viertel der Mompreneurs bietet wirtschaftliche Dienstleistungen an, welche eher auf gewerbliche Kunden ausgerichtet sind.

Die häufigste Einzelnennung in den Tätigkeitsbeschreibungen von Mompreneurs ist „Tagesmutter“. Bei diesen lassen sich Familie und Beruf auf sehr naheliegende Art und Weise vereinbaren.

Regionaler Fokus durch persönliche Dienstleistungen

Persönliche Dienstleistungen sind meist personenbezogen, erfolgen also am oder mit dem Kunden (wie bei Tagesmüttern oder Pflegediensten). Für den Dienstleister ist es hier von Vorteil, einen Standort in räumlicher Nähe zur Kundschaft beziehungsweise einen regionalen Zielmarkt zu haben. Mompreneurs sehen ihren relevanten Markt entsprechend am häufigsten in der Region (67 %).
Was die internationale Ausrichtung auf den EU-Binnenmarkt oder Weltmarkt angeht, zeigen sich Mompreneurs gleich aufgestellt wie andere Gründerinnen: Jede zehnte sieht ihren Markt außerhalb des deutschsprachigen Raums.

Mompreneurs wenig technisch orientiert

Der Anteil digitaler Gründungen ist bei Mompreneurs mit nur 13 % auffällig gering. Tätigkeiten wie Software- und App-Entwicklung, Webdesign oder IT-Consulting, auf die ein großer Teil digitaler Gründungen entfällt, werden von Mompreneurs seltener angeboten. Dies hängt stark mit der Ausbildung zusammen. So haben beispielsweise Personen mit technischem Hintergrund einen stärkeren Hang zu digitalen Gründungen. Von den Mompreneurs mit akademischer Ausbildung haben aber nur 7 % einen MINT-Abschluss. Dagegen ist bei akademischen Gründerinnen ohne Kinder die MINT-Quote mehr als doppelt so hoch.
Zudem findet man auch die technischen Berufsabschlüsse bei den Mompreneurs eher selten.

Mompreneurs starten eher größer und mit Wachstumsambitionen als andere Gründerinnen

Zweck vieler Existenzgründungen ist es, den Lebensunterhalt beziehungsweise zusätzliches Einkommen zu verdienen oder auch sein eigener Chef zu sein und sich selbst zu verwirklichen. Entsprechend reicht es vielen Gründerinnen und Gründern, klein anzufangen.
Auch Mompreneurs starten größtenteils als Sologründungen (71 %). Sie gründen allerdings etwas häufiger im Team oder mit Mitarbeitern als Gründerinnen ohne Kinder.

Acht von zehn Gründerinnen und Gründern starten mit der Selbstbeschränkung, nur so groß werden zu wollen, dass sie ihre Gründung allein oder mit wenigen leitenden Angestellten managen können.
Mompreneurs liegen hier nur knapp unter dem Durchschnitt: 14 % hegen einen Wachstumswunsch. Sie sind damit allerdings deutlich wachstumsorientierter als Gründerinnen ohne Kinder (9 %).

Wenige Unterschiede bei Gründungsressourcen

Aufgrund der vielen kleinen Gründungsprojekte sowie eingeschränkter Wachstumsambitionen reicht vielen Gründerinnen und Gründern privates Sachkapital wie der eigene Computer oder das eigene Auto aus, um ihre Existenzgründung zu verwirklichen. Bei fast 30 % der Existenzgründungen der Jahre 2014 bis 2016 war privates Sachkapital für den Start ausreichend.
Dennoch ist Finanzkapital bei der Mehrheit der Existenzgründungen essenziell. So werden bei rund zwei Drittel der Gründungen eigene Finanzmittel eingesetzt oder auf externe Kapitalgeber zurückgegriffen.

Mompreneurs unterscheiden sich kaum von anderen Gründerinnen: Sechs von zehn setzen Finanzmittel ein, jede fünfte Gründerin nutzt externes Kapital.

Was die Höhe der externen Finanzmittel angeht, so zeigen sich Unterschiede hauptsächlich zwischen Gründerinnen und Gründern – ob Kinder da sind ist weit gehend irrelevant. Bei Männern übersteigt die Gründungsfinanzierung mehr als doppelt so oft die 25.000-Euro-Marke (17 %) als bei Frauen (8 %).

Klare Präferenzen bei Finanzierungsquellen

Um die Gründungsfinanzierung auf die Beine zu stellen, sind Freunde und Familie die häufigste Anlaufstelle von Gründerinnen und Gründern. Aber auch Banken und Sparkassen sind gefragt, weil sie Darlehen vergeben, Fördermittel durchleiten oder Überziehungskredite einräumen. Zudem werden Zuschüsse der Arbeitsagentur als Quelle für die Gründungsfinanzierung verwendet – diese sogar häufiger als Überziehungskredite. Was diese Reihenfolge der Nutzungshäufigkeit verschiedener Finanzierungsquellen angeht zeigen, sich keine wesentlichen Unterschiede zwischen Gründerinnen und Gründern.

In Bezug auf Unterschiede in der Nutzungshäufigkeit der verschiedenen Finanzierungsquellen zwischen Gründerinnen und Gründern fallen besonders zwei Quellen auf:

  1. Bankdarlehen werden von Gründerinnen seltener (27 %) genutzt als von Gründern (37 %). Dies ist allein auf die im Mittel kleineren Projekte von Gründerinnen mit entsprechend geringerem Kapitaleinsatz zurückzuführen.
  2. BA-Zuschüsse werden von Gründerinnen häufiger (19 %) genutzt als von Gründern (11 %). Dieser Unterschied kommt maßgeblich durch Gründungen mit Mitarbeitern zustande. So nutzen 17 % der Gründerinnen mit Finanzierungsbedarf und Mitarbeitern BA-Zuschüsse, dagegen nur 5 % der entsprechenden Gründer. Dies ist ein Indiz dafür, dass Gründerinnen stärker auf Mitarbeiter bauen, deren Vermittlung in den Arbeitsmarkt mit Eingliederungszuschüssen gefördert wird.
    Bei Existenzgründungen mit Finanzierungsbedarf, die keine Mitarbeiter haben, gibt es keine Unterschiede. Hier liegt die Nutzung von BA-Mitteln – vermutlich des Gründungszuschusses – jeweils bei 20 %.

 

Mompreneurs wissen Förderkredite und BA-Zuschüsse besser zu nutzen

Mompreneurs nutzen BA-Zuschüssen noch sehr viel häufiger als Gründerinnen ohne Kinder. Sie scheinen also im Vergleich zu anderen Gründerinnen noch stärker Gebrauch von Eingliederungszuschüssen zu machen. Darüber hinaus ragt die Nutzung von Förderdarlehen heraus. Im Vergleich zu anderen Gründerinnen und Gründern greifen sie maßgeblich für größere Projekte, bei denen sie über 25.000 € an externem Kapital benötigen, auf Förderdarlehen zurück.

Mompreneurs sorgen sich wegen familiärer Belastung

Eine Existenzgründung ist eine Chance, bleibt aber gleichzeitig ein Wagnis – Ängste und Sorgen inbegriffen. Am häufigsten nahmen die Gründerinnen und Gründer der Jahre 2014 bis 2016 Probleme mit bürokratischem Aufwand und Verzögerungen (35 %) wahr, hatten Sorgen wegen einer zu hohen Belastung für Familie und Partnerschaft (28 %) sowie Probleme bei der Kundenakquise (26 %).

Mit Kindern wächst die Sorge vor einer zu hohen Belastung für die Familie deutlich: Bei Mompreneurs ist sie Sorge Nummer eins (38 %). Auch Gründer mit Kindern bedrückt eine zu hohe Belastung deutlich häufiger (35 %).

Bei Gründungsplanabbrüchen der Jahre 2014 bis 2016 sind die Angst vor dem finanziellen Risiko (62 %), Finanzierungsprobleme (50 %), die Sorge vor verpassten Jobchancen (44 %), die Angst vor einem sozialen Abstieg (42 %) sowie bürokratischer Aufwand und Verzögerungen (40 %) die fünf meistgenannten Nöte.

Es zeigt sich, dass Gründerinnen und Gründer ihre Gründungspläne tatsächlich deshalb am häufigsten wieder in die Schublade legen, weil sie Angst vor dem finanziellen Risiko haben, Probleme bei der Gründungsfinanzierung sehen oder befürchten, Jobchancen zu verpassen. Die Barrierewirkung dieser Aspekte ist somit am höchsten.

Ängste vor einem möglichen sozialen Abstieg im Fall des Scheiterns sind für angehende Gründerinnen und Gründer im Mittel die vierthöchste Hürde auf dem Weg zur Selbstständigkeit. Diese Barriere ist für potenzielle Mompreneurs besonders hoch. Auch die Sorgen über eine zu hohe Belastung der Familie lassen Mütter deutlich öfter vor der Gründung zurückschrecken als andere Gründungsplaner.
Bedenken wegen einer möglicherweise unausgereiften Geschäftsidee, sind für potenzielle Mompreneurs hingegen deutlich seltenerer Grund zum Abbruch von Gründungsplänen.

Fazit:

Im Vergleich zu anderen Gründern und Gründerinnen nehmen bei Mompreneurs die Familien eine bedeutendere Stellung ein: Mompreneurs sind gezwungen, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Quelle und mehr: KfW ResearchReihe Fokus Volkswirtschaft, Nr. 184

2017-11-04

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