Öko-Bilanz

Forscher berechnen Ökobilanz: „Noch ist die Sharing Economy allemal blassgrün“

In GründerThemen, Hochschulen by Ralph Schipke

Nachhaltigkeitsforscher: Damit Sharing relevant zu einer grünen Ökonomie beiträgt, müssen die Angebote einen nachhaltigeren „substitutiven“ Konsumstil fördern

Bereits über 110 Onlineplattformen ermöglichen es Privatpersonen, über das Internet Dinge miteinander zu teilen – von Autos über Wohnungen und Gebrauchsgegenständen bis hin zu Kleidung. „Teilen statt besitzen“ ist nicht nur praktisch, sondern beruhigt auch das Öko-Gewissen. Aber wie nachhaltig ist dieses sogenannte Peer-to-Peer Sharing wirklich? Erstmals gibt hierzu nun eine Ökobilanz Aufschluss. Sie zeigt, dass solche Konsumpraktiken zwar einen positiven Umwelteffekt haben, dieser allerdings gering ist.

Die Forscherinnen und Forscher von dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), dem Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT), sowie dem Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) empfehlen daher, dass die Sharingangebote auf einen nachhaltigeren „substitutiven“ Konsumstil ausgerichtet sein sollten, um zu einer grünen Ökonomie beizutragen. Die Studie wurde am 30. November 2017 auf der Tagung „Mit Sharing nachhaltiger wirtschaften?“ des vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekts PeerSharing in Berlin vorgestellt und mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft diskutiert.

Sharing: Nicht automatisch ökologisch – aber großes Potenzial

Die Forscher haben untersucht, welche Umwelteffekte die Nutzung von Peer-to-Peer Sharingangeboten im Vergleich zu einer Situation ohne solche Angebote haben kann. Sie berechneten die Ökobilanzen in den Bereichen Bekleidung, Alltagsmobilität und Reiseunterkunft. „Zwar geben sich manche Anbieter einen grünen Anstrich, doch zeigen unsere Berechnungsergebnisse, dass Sharing keinesfalls automatisch ökologisch sinnvoll ist“, so Studienautorin Sabrina Ludmann vom IFEU. „Wenn Sharing den Konsum insgesamt erhöht oder ihn hin zu nachteiligem Konsum wie etwa Flugreisen verschiebt, bleiben die Nachhaltigkeitspotenziale auf der Strecke.“

Dennoch gibt es ein großes Potenzial, dass Sharing die Umwelt schonen kann. Und zwar in allen untersuchten Bereichen. Dieses kommt dann zum Tragen, wenn Sharing dazu führt, dass sich die Konsumkultur wandelt – etwa, wenn insgesamt weniger Kleidung neu gekauft oder durch die neuen Möglichkeiten mobil zu sein, eigene Autos abgeschafft oder weniger neue angeschafft werden. Beim Apartment-Sharing gibt es einen Umweltnutzen nur, wenn alltäglich genutzter Wohnraum vermietet und so intensiver genutzt wird und nicht, wenn dafür eigens Ferienwohnungen eingerichtet werden.

Konsumkultur auf Nachhaltigkeit ausrichten

Zukunftsforscher Siegfried Behrendt vom IZT stellte vor, wie sich die Sharing Economy in der Zukunft entwickeln könnte und unter welchen Bedingungen die Potenziale für nachhaltiges Wirtschaften erschlossen werden können. Während ein Trendszenario im Sinne eines Weiter-wie-bisher kaum zu einem nachhaltigen Wirtschaften beitragen würde, wäre in einem „Transformationsszenario“ eine nachhaltige Ökonomie des Teilens vorstellbar. Hierfür bräuchte es einen angemessenen Regulationsrahmen, der fördert, dass Plattformanbieter Nachhaltigkeitsanforderungen in ihre Geschäftsmodelle integrieren. Wenn dies passiert, könnte die Sharing Economy dazu beitragen, die Konsumkultur insgesamt stärker in Richtung Nachhaltigkeit auszurichten.

Dass Sharing in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird, ist sehr wahrscheinlich, prophezeit Behrendt. Doch er weist auch darauf hin, dass alles ganz anders kommen könnte: „Vielleicht sorgen etwa die Blockchain-Technologie oder die Möglichkeit des autonomen Fahrens dafür, dass die großen Sharinganbieter, die heute en vogue sind, so schnell wieder verschwinden werden, wie sie einst aufgestiegen sind.“

Quelle: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)
12/07/2017

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