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Urbane Start-ups internationaler, aber weniger bestandsfest

In GründerThemen by @bb

Die aktuelle Ausgabe „Volkswirtschaft Kompakt“ von KfW Research vergleicht das Gründungsgeschehen in städtischen und ländlichen Räumen.

Der Rückgang der Gründungstätigkeit ist ein allgemeiner Trend, der sich deutschlandweit zeigt.
Betrachtet man nur städtische Räume (kurz: Stadt), dann ist der Gründerschwund allerdings etwas höher als in ländlichen Räumen (kurz: Land).
So nähern sich die Gründerquoten in Stadt und Land dementsprechend leicht an. Gleichwohl bleibt der Unterschied deutlich. In der Stadt liegt die durchschnittliche Gründerquote seit 2012 bei 1,7 %, auf dem Land bei nur rund 1,2 %.

Die Gründungsprojekte in Stadt und Land unterscheiden sich nur wenig.
So ist einerseits der Anteil von Voll- und Nebenerwerbsgründern sehr ähnlich. Auch die Beteiligung von Frauen am Gründungsgeschehen ist in der Stadt nur geringfügig höher als auf dem Land. Andererseits sind in der Stadt merklich häufiger Dienstleistungsgründer zu finden – insbesondere in freien Berufen.

Zwei Drittel der Existenzgründer in der Stadt sind Dienstleister, davon ist jeder Vierte in freien Berufen tätig.
Die Häufung von freiberuflichen Gründern ist mit dem höheren Anteil von Akademikern zu erklären: Akademische Ausbildungsstätten sind sehr viel häufiger in Städten angesiedelt.
Trotz des höheren Dienstleisteranteils (Dienstleister sind in der Regel stärker auf Kunden in ihrer Nähe ausgerichtet) sind Gründer in der Stadt klar überregionaler aufgestellt. Zum einen liegt der Anteil von Gründern mit deutschland- oder weltweiten Marktneuheiten um die Hälfte höher als bei Gründern auf dem Land. Zum anderen sind in der Stadt Gründer, die mindestens den EU-Binnenmarkt im Blick haben, mehr als doppelt so häufig.
Grund hierfür kann sein, dass in Städten sowohl die persönlichen Netzwerke der Menschen als auch die Infrastruktur internationaler ausgerichtet sind.

In der Stadt haben es Gründer aber nicht grundsätzlich leichter. Die schärfere Konkurrenz durch die höhere Dichte an bereits etablierten Unternehmen und anderen Gründern führt häufiger zu Problemen beim Kundenzugang.
Außerdem sind Gründer in der Stadt mit höheren Opportunitätskosten konfrontiert. Städtische Arbeitsmärkte bieten mehr Jobchancen. Entsprechend haben Gründer in der Stadt häufiger die Qual der Wahl zwischen Selbstständigkeit und abhängiger Beschäftigung. Dies kann von Vorteil für sie sein, muss es aber nicht. Die Sorge, Jobchancen zu verpassen, treibt Gründer in der Stadt häufiger um. Das kann sich negativ auf den Geschäftserfolg auswirken und ein Grund dafür sein, dass Gründer in der Stadt während der ersten drei Jahre ihre Projekte tendenziell häufiger abbrechen.
Ein weiterer Aspekt, der Erfolgschancen von Gründungen in der Stadt verringert, ist der höhere Anteil von Menschen ohne Berufsabschluss. In der Stadt gibt es gut doppelt so viele Gründer ohne Berufsabschluss wie auf dem Land. Entsprechend ist die Sorge, dass die eigene fachliche Qualifikation nicht ausreichend ist, unter den dortigen Gründern weiter verbreitet.

Quelle und mehr: KfW Research, Volkswirtschaft Kompakt, Nr. 153

2017-12-22

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