SensID erhält Venture Capital

In der Medizin sind Würfel wenig verlässlich

In Gründer aus MV by Ralph Schipke

Die Diagnose Krebs ist für sich genommen eine Tragödie und Bedrohung für Betroffene. Doch wenn bei einer genauen Bestimmung der Art des Tumors durch behandelnde Mediziner und bei der Auswahl der besten Therapie noch zusätzliche Ungewissheit, ja Verwirrung, durch unplausible Laborwerte auftritt, kommt das einer persönlichen Katastrophe nah.

Laboren für medizinische Diagnostik das Leben leichter machen, dafür sind sie angetreten: Die Gründer Björn Nowack, Andreas Bollmann und Sven Rüger aus Rostock wollen den Nebel, etwa bei der Krebsdiagnose oder beim Erkennen anderer schwerer Erkrankungen auf der Basis von DNA-Referenzmaterial lichten.

Fachjournal: Bislang sind „Tests von unterschiedlicher Qualität“

Eine Reihe von lebensbedrohenden Krankheiten sind selbst mit hochmodernen Verfahren der Diagnostik nicht so einfach zu erkennen. Das „Labor-Journal – Service-Magazin für Medizin- und Biowissenschaften“ beschreibt in einer aktuellen Ausgabe den Fall einer jungen Frau mit einer Autoimmunerkrankung, die nach unterschiedlichen Labortests eher verwirrt und verunsichert wurde, als für sich selbst und ihre behandelnden Ärzte ein klares Bild ihrer Erkrankung zu bekommen. Das Fachjournal kommt nicht nur in diesem Fall zu dem ernüchternden Schluss: Dieser Zustand läge nicht nur an einer variablen Symptomatik seltener Erkrankungen, sondern auch daran, „dass die im Handel befindlichen … Tests wie auch die Labore, die sie anwenden, von sehr unterschiedlicher Qualität sind.“

Gründer wollen Referenzmaterial für sichere Diagnosen herstellen

Björn Nowack vom Biotechnologie Startup SensID beschreibt solche wichtigen Untersuchungen als „wichtigstes Instrument bei der Therapieentscheidung genbedingter Erkrankungen. Kein Patient möchte mit einer ungewissen Diagnose leben“. Auch die Labor-Journal-Fachjournalisten hauen in die gleiche Kerbe und titeln „Ist Diagnostik Glückssache?“ und „Diagnostika außer Kontrolle“. „Als Patient nimmt man wohl an, dass die von den Laboren verwendeten Tests hinreichend gut sind, dass der Arzt aus den Resultaten eine Diagnose ableiten kann; insbesondere dann, wenn es um eine lebensbedrohliche Erkrankung handelt. Das scheint ein Irrtum zu sein“, lautet ihr ernüchterndes Urteil. Der Biochemiker Nowack machte bei eigenen medizinischen Forschungen, im Rahmen seiner wissenschaftlichen Arbeit in Greifswald ähnliche Erfahrungen. Und beschloss das zu ändern und eine Firma zu Gründen.

„Zahlreiche Ergebnisse von Genanalysen sind heutzutage immer noch fehlerhaft“, erklärt Björn Nowack, Geschäftsführender Gesellschafter der 2016 entstanden SensID GmbH. Er, seine Mitgründer Andreas Bollmann und Sven Rüger und inzwischen zehn Mitarbeiter wollen in absehbarer Zeit zertifiziertes, homogenes Referenzmaterial als unabhängige Qualitätskontrolle für Genanalysen, insbesondere für die DNA-Diagnostik, herstellen und vertreiben.

SensID erhält Venture Capital

Björn Nowack, Geschäftsführender Gesellschafter der 2016 entstanden SensID GmbH und Mitgründer Andreas Bollmann. Foto: Ralph Schipke

„Das kommt den Patienten zugute und für die behandelnden Ärzte werden Ergebnisse genauer und robuster“, erklärt Gründer Björn Nowack seinen Schritt zur Firmengründung. Das Team der SensID GmbH aus Rostock möchte bestehende Untersuchungsmethoden und neue hochsensitive Nachweismethoden durch den Einsatz von Referenzmaterial sicherer bei der Ergebnisermittlung machen und so auch die teilweise zu Unrecht in Verruf gekommenen Diagnostiklabore unterstützen. Mittelfristig plant das Medizin-Startup aus Mecklenburg-Vorpommern, als zertifizierter Referenzmaterialhersteller für die Qualität ihrer Produkte zu garantieren und somit ihren Kunden dabei zu helfen, die stetig wachsenden Anforderungen an die Qualitätssicherung der Genlabore zu erfüllen. „Mit unserem Produkt lassen sich Mutationen in der Patienten-DNA bereits sehr früh und sicher nachweisen. Dabei gibt es für viele der in letzter Zeit neuentdeckten therapierelevanten Mutationen noch kein Referenzmaterial, was eine verlässliche Aussage eines Ergebnisses derzeit stark erschwert. Diesen Mangel wollen wir beseitigen“, erklärt das SensID-Gründer-Trio selbstbewusst ihr Ziel.

Vorteile für die Patienten liegen auf der Hand

Im Rahmen der Therapieplanung und -begleitung (Companion Diagnostik) seien DNA-Tests zunehmend die Voraussetzung, um optimale Behandlungserfolge für jeden einzelnen Patienten erzielen und effektiv falsche Therapieentscheidungen, unnötige Nebenwirkungen und Langzeitfolgen vermeiden zu können. So ließe sich die Wirkung der Geschäftsidee der Rostocker Gründer praxisnah beschreiben.
Das Sicherheits-Labor, das die SensID gerade einrichtet und aufbaut, soll bereits in den kommenden drei bis sechs Monaten erstes humanes männliches und weibliches Untersuchungs-Material mit unterschiedlichsten genetischen Veränderungen in verschiedenen Produktkategorien verlassen.

Businessplan schreiben und Geld beschaffen

SensID erhält Venture Capital

Als dritten Mann haben die Gründer den Kaufmann und Buchhalter Sven Rüger als eine Art persönlichen Business-Angel ins Boot ihrer SensID geholt. Foto: Ralph Schipke

Eine innovative Idee und gründliche wissenschaftliche Vorarbeit und Recherche sind die eine Seite. Eine eigene Firma von diesem Ausmaß zu gründen, sei aber noch eine ganz andere Sache, sind sich die Ideengeber Nowack und der Biotechnologe Andreas Bollmann einig. Darum haben sie ihren dritten Mann, den Kaufmann und Buchhalter Sven Rüger als eine Art persönlichen Business-Angel ins Boot geholt. Der erfahrene Betriebswirtschaftler und mehrfache Firmengründer will, „mit den Beiden etwas draus machen“ und hat der jungen Firma einen stringenten Businessplan „diktiert“. „Zuerst mussten wir genau wissen, was wir verkaufen wollen“; erinnert er sich an schier endlose Gespräche über die wissenschaftliche Grundidee seiner Gründer-Partner. Glück für SensID: Alle wollen das Produkt, das noch nicht da ist, freut sich der Mann, der bereits seit 20 Jahren Firmen auf die Welt hilft.

SensID erhält Venture Capital aus Schwerin und Rostock

Mit einer präzisen Beschreibung von Produkt und Geschäftsidee kann sich ein Startup dann auch nach weiteren Partnern und insbesondere nach solventen Kapitalgebern umschauen. Beim ausdiskutieren und aufschreiben, beim immer genauer erklären, sei ihnen allen drei auch viel klarer geworden: Was für Maschinen müssen her? Welchen speziellen Anforderungen muss unser Labor eigentlich genügen?

SensID erhält Venture Capital

Uwe Bräuer, Geschäftsführer der GENIUS Venture Capital GmbH. Foto: Ralph Schipke

Die Rostocker Biotechnologen fanden als Geldgeber den Venture Capital Fonds MV (VCFMV), ein von GENIUS gemanagter Risikokapitalfonds. Der beteiligt sich gemeinsam mit dem Hamburger Investor THoR Beteiligungen GmbH an der SensID GmbH in der Hansestadt. „Das Gründerteam von SensID verfolgt einen zukunftsweisenden Technologieansatz, um Referenzmaterial für die molekulare Gendiagnostik in einer Güte herzustellen, die wir in dieser Form bislang nicht am Markt sehen“, kommentiert Uwe Bräuer, Geschäftsführer der GENIUS Venture Capital GmbH das finanzielle Engagement aus der Landeshauptstadt Schwerin. „Wir investieren in eines der spannendsten Entwicklungsfelder des 21. Jahrhunderts und unterstützen das Team mit Kapital, Netzwerk und Know-how.“ GENIUS managt im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern den VCFMV und finanziert als regionaler Risikokapitalgeber Technologieunternehmen in der Gründungs- und frühen Wachstumsphase.
Als Forschungs- und Kooperationspartner des Unternehmens wurde außerdem die Arbeitsgruppe „Molekulare Humangenetik“ unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Andreas W. Kuß am Institut funktionelle Genomforschung von der Universitätsmedizin Greifswald gewonnen.

Gründertipp: Teambildung nicht vernachlässigen

Das Gründerteam um Björn Nowack konnte inzwischen Laborräume im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock beziehen und sie mit hochwertiger Technik ausstatten. So wird eine streng zertifizierte und engmaschig überwachte Produktion vorbereitet. Die Mittel aus der ersten Finanzierungsrunde sind genau dafür sowie für die Methodenentwicklung, den Aufbau des Unternehmens und erste Aktivitäten am Markt vorgesehen.

Mindestens gleichwertig wie Money und Material sei aber in der Gründungsphase gewesen, wie sich das Team zusammensetzt. „Passen wir als Menschen überhaupt zusammen“, stellt Biotechnologe Andreas Bollmann die Frage, die sich jedes Gründerteam ehrlich und offen stellen sollte, rät er anderen Gründerinnen und Gründern, die vorhaben, ein innovatives, technologie- und wissensbasiertes Startup zu erschaffen. Diesen Rat sollten aber auch alle anderen Team-Gründungen beherzigen.

SensID erhält Venture Capital

Laobor des Rostocker Biotch-Startups. Foto: Ralph Schipke

Kontakt:
SensID GmbH
Schillingallee 68, 18057 Rostock
Tel: +49 (0) 381 377 182 01
E-Mail: info@sens-id.com
Internet: www.sens-id.com

Über die Venture Capital Fonds MV GmbH

Die Venture Capital Fonds MV GmbH ist ein vom Land Mecklenburg-Vorpommern mit EFRE-Mitteln der Europäischen Union ausgestatteter, regional agierender Risikokapitalfonds. Der Fonds investiert Risikokapital in innovative, wachstumsorientierte Technologieunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern. Finanziert werden Unternehmen in der Seed-, Startup- und ersten Expansionsphase. Gemanagt wird der Fonds von der GENIUS Venture Capital GmbH.
SensID erhält Venture Capital

Im Rahmen der Therapieplanung und -begleitung (Companion Diagnostik) sind DNA-Tests zunehmend die Voraussetzung, um optimale Behandlungserfolge für jeden einzelnen Patienten erzielen und effektiv falsche Therapieentscheidungen, unnötige Nebenwirkungen und Langzeitfolgen vermeiden zu können. So ließe sich die Wirkung der Geschäftsidee der Rostocker Gründer Nowack und Bollmann praxisnah beschreiben. Dazu richten sie gerade ihr Labor im Biomedizinischen Forschungszentrum der Hansestadt ein in dessen Foyer ein überlebensgroßes DND-Modell schwebt. Foto: Ralph Schipke

Autor und Fotos: Ralph Schipke

04/27/2018

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