Stechlin Seelabor

Einmal auf dem schwankenden Seelabor stehen

In Gegründet in MV | Archiv by @red

Gut einen Monat bevor das diesjährige Experiment am Seelabor des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) startet, sind Besucher auf der im brandenburgischen Stechlinsee schwimmenden Forschungsplattform herzlich willkommen. Am 30. Juni 2018 öffnet das IGB Stechlin seine Türen und lädt unter anderem zu Bootstouren auf das Seelabor ein.

Wie sich ein verändertes Lichtregime auf Seen auswirkt, steht auch in diesem Jahr wieder im Fokus des Sommerexperiments am Seelabor des IGB. Denn Licht ist als Energie- und Taktgeber von grundlegender Bedeutung für Pflanzen und Tiere und damit auch für Fische und mikroskopisch kleine Organismen in Seen. Was aber passiert, wenn ein See durch künstliche Beleuchtung nachts erhellt wird, oder wenn tagsüber nicht genügend Licht in das Wasser eindringt? Das wollen die IGB-Forschenden im diesjährigen Versuch am Seelabor herausfinden.

Stechlin Seelabor

Das IGB-Seelabor aus der Vogelperspektive. Foto: Volker Crone

Bereits 2016 lief dort ein Großversuch zum Thema Lichtverschmutzung. Damals war ein spezielles Lichtsystem für die Versuchszylinder entwickelt worden, mit dem das diffuse Licht des künstlichen Himmelsleuchtens (engl. skyglow) simuliert werden kann. Dieses Phänomen tritt bei Bewölkung über Gebieten mit künstlicher Beleuchtung (z.B. Städte, Gewächshäuser) auf. Das in den Nachthimmel abgestrahlte Licht wird von den Wolken auf die Erdoberfläche zurückgestreut, so dass die Wolken wie ein glühendes Gewölbe am Himmel erscheinen. Zwar ist die Intensität des Himmelsleuchtens im Vergleich zu direktem Licht gering, aber anders als bei punktuellen Lichtquellen wie z.B. Straßenlaternen erstreckt sich das Himmelsleuchten über große Entfernungen. Es kann sich deshalb auch auf Organismen mitten in Seen auswirken.

In ihrem Seelabor-Versuch im Jahr 2015 hatten die IGB-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dagegen den gegensätzlichen Lichteffekt, nämlich die Verdunklung durch Wasserinhaltsstoffe untersucht. Dafür waren den Versuchszylindern geringe Mengen von Huminstoffen beigemengt worden, die bei ausgiebigen Niederschlägen aus dem Einzugsgebiet in Seen gewaschen werden und das Wasser wie bei Tee braun färben. Im Zuge des Klimawandels werden vermehrt starke Regenereignisse prognostiziert. Auch Brandenburg ist von diesem Phänomen betroffen: So hatte sich die Konzentration von Huminstoffen vor einigen Jahren am uckermärkischen Gollinsee nach einer Periode intensiver Niederschläge innerhalb kurzer Zeit vervielfacht. Im Seelabor führte das veränderte Lichtklima nach Zugabe der Huminstoffe im Versuch 2015 zum Zusammenbruch der Algenpopulation und als Folge davon zu weiteren Änderungen des Ökosystems. Weil Seeökosysteme oft durch mehrere Umweltveränderungen gleichzeitig beeinträchtigt werden, planen die Forschenden in diesem Jahr – basierend auf den Experimenten von 2015 und 2016 – erstmals einen Versuch, bei dem sowohl das Himmelsleuchten als auch die Braunfärbung durch Huminstoffe simuliert werden sollen. „Wir erhoffen uns dadurch Erkenntnisse, ob sich die beiden Stressfaktoren addieren, aufheben oder synergistisch wirken, also sich gegenseitig verstärken“, sagt Prof. Mark Gessner, Leiter des IGB Stechlin. Um das Institut kennenzulernen und das Seelabor einmal persönlich zu erleben, laden er und seine Kolleginnen und Kollegen am IGB Stechlin alle Interessierten herzlich zum Tag der offenen Tür am 30. Juni 2018 ein.

Gewässerforschung erleben!

Samstag, 30. Juni 2018, 10–17 Uhr: Tag der offenen Tür am IGB Stechlin (Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei), Alte Fischerhütte 2 in 16775 Stechlin OT Neuglobsow

Mehr über die Forschung am IGB Stechlin und die Versuche am Seelabor erfahren Sie beim diesjährigen Tag der offenen Tür. Die Forscherinnen und Forscher des IGB haben ein buntes Programm für die ganze Familie zum Staunen und Mitforschen zusammengestellt. Danach lädt das Gartencafé am Ufer des Sees zur Stärkung ein. Und vielleicht ziehen die Kinder im Riesenangelspiel noch einen Fisch an Land? An einer Station werden auf Wunsch T-Shirts mit aquatischen Motiven bedruckt – als Erinnerung an einen abwechslungsreichen Tag am IGB Stechlin.

Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Das IGB ist das bundesweit größte Forschungszentrum für Binnengewässer. Es verbindet Grundlagen- und Vorsorgeforschung, bildet den wissenschaftlichen Nachwuchs aus und berät Politik und Gesellschaft in Fragen des nachhaltigen Gewässermanagements. Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten angesichts sich rasch ändernder Umweltbedingungen, die Renaturierung von Ökosystemen, die Biodiversität aquatischer Lebensräume sowie Technologien für eine ressourcenschonende Aquakultur. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region Berlin-Brandenburg und weltweit. Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.
www.igb-berlin.de

Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Seelabor Stechlin

Besucherführung am IGB-Seelabor. Foto: Marc Kupetz, IGB

06/27/2018

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