Mompreneurs

Zwischen Windeln und Karriere – Vernetzt euch Mütter!

In Aktuell, Gründer aus MV, GründerThemen by Ralph Schipke

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Vielleicht braucht eine Neugründerin rechtlichen Beistand von einer selbstständigen Rechtsanwältin oder sie benötigt eine Webdesignerin für ihre Homepage. Foto: Caro Hoene 

„Mütter können mehr als Kuchen backen und Windeln wechseln.“ Das steht für Sandra Kloss-Selim fest. Die 45-Jährige wollte sich nach der Geburt ihrer Tochter nicht zwischen Kind und Karriere entscheiden. Schließlich war die Mutter einer 4-jährigen Tochter auch vor der Geburt ihres Kindes beruflich erfolgreich. Warum also sollte es nicht auch mit Kind funktionieren? Doch schnell stieß sie an Grenzen. „Als Zugezogene hatte ich in Rostock und Umgebung kein organisch gewachsenes Netzwerk, das ich aber für mein Business als Coach und Berater brauche. Netzwerken ist ja bekanntlich das A und O.“ Kurzerhand stieg sie ins deutschlandweit agierende Netzwerk Mompreuneure ein und gründete im Mai 2018 die Rostock-Community.

Mompreneure führen mehr als das besagte „kleine Familienunternehmen“

Etwa 500.000 selbständige Mütter gibt es in Deutschland. Davon hat etwa die Hälfte kleine Kinder. Der Umsatz der sogenannten Mompreneure lag nach einer von Ebay beauftragten Untersuchung des Research- und Analyse-Dienstleisters Statista 2016 bei 42,4 Mrd. Euro. Zahlen, die zeigen, dass immer mehr Mütter den Weg in die Selbstständigkeit wagen. Nicht als Notlösung, sondern als echte Alternative. Für diese selbstständigen Mütter hat die Wahlberlinerin Esther Eisenhardt vor etwa vier Jahren das Netzwerk Mompreneure gegründet. Mompreneure steht für Mom und Entrepreneure und ist eine Plattform, auf der sich selbstständige Mütter treffen können – on- und offline -, um sich gegenseitig in ihrer Selbstständigkeit zu unterstützen, voneinander zu lernen und Fehler beim Aufbau eines Start-ups zu vermeiden. Dabei ist es völlig egal, ob es sich um Microunternehmen handelt oder eine Firma mit 50 und mehr Angestellten. „Ich wollte ein Netzwerk für Frauen, die etwas Eigenes aufbauen – ohne dass es gleich das nächste Facebook werden muss“, beschreibt Esther Eisenhardt ihre Philosophie. Mittlerweile hat Mompreneure etwa 10.000 Mitglieder.

Doch wie funktioniert das Netzwerk? Da gibt es zum einen das Mompreneure-Business-Verzeichnis auf der Homepage. „Hier werden exklusiv nur Mompreneurs gelistet, um gezielt selbstständige Mütter zu unterstützen, sichtbar und ausfindig zu machen. Das Verzeichnis ist Teil der Community und eine einfache und schnelle Möglichkeit, das Business der Mutter zu zeigen, potenzielle Kunden zu gewinnen und sich gezielt mit anderen Mompreneurs zu vernetzen“, erzählt Kloss-Selim. „Durch meine Präsenz wird auch mein Business sichtbar, ich kann aufzeigen, was ich mache, dass es mich gibt. Es gehen plötzlich Türen auf und es kommen Geschäfte zustande“, berichtet Kloss-Selim von ihren eigenen Erfolgen. Und genau das ist der grundlegende Unterschied zu anderen Mütter-Netzwerken.

Es geht explizit nicht um Babypflege und Kochrezepte, sondern ums Business. Vielleicht braucht eine Neugründerin rechtlichen Beistand von einer selbstständigen Rechtsanwältin oder sie benötigt eine Webdesignerin für ihre Homepage. Das ist die Stärke des Netzwerkes, es vernetzt die unterschiedlichsten Branchen und Frauen. „Für mich besteht der Mehrwert aber auch in der Bereitschaft, sich gegenseitig zu unterstützen, zu motivieren und zu inspirieren. Wir teilen wertvolle Erfahrungen, praktisches Wissen, Learnings und gute Kontakte, sodass jede einzelne nicht alleine und bei Null anfangen muss“, erzählt Kloss-Selim von ihren persönlichen Gründen, bei Mompreneurs mitzumachen.

Themen der Mompreneurs: Entlohnung, Arbeitszeiten, Digitalisierung

Aber auch eine Mitgliedschaft in der überregionalen Mompreneurs-Facebook-Gruppe, die mittlerweile mehr als 6.000 Mitglieder hat, hilft den selbstständigen Müttern, ins Gespräch zu kommen „Wöchentliche Business Features nach Thema sortiert wie bspw. „Familienreisen“ oder „Virtuelle Assistentinnen“ sorgen für weiteren Traffic und Sichtbarkeit für mein Geschäft“, sagt Kloss-Selim. Aber es wird auch ganz praktisch diskutiert: über Entlohnung, Arbeitszeiten oder die Nutzung digitaler Feature.

Austausch gibt es aber auch offline: In mittlerweile achtzehn deutschen Städten sowie in Zürich und Wien finden mittlerweile Mompreneurs-Treffen statt. „Aus vielen Städten außerhalb Berlins haben sich mittlerweile Frauen bei mir gemeldet, die das Konzept in ihrer Stadt einführen wollen“, erzählt Eisenhardt begeistert.

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Mittlerweile gibt es etwa 60 Netzwerkerinnen in Rostock und Umgebung. Foto: Caro Hoene

In Rostock ist seit Mai 2018 Sandra Kloss-Selim unterwegs, um Frauen für das Netzwerk zu begeistern. Anfangs hat sie es online über ihre Social-Media-Kanäle versucht. Als sie über diesen Weg jedoch nicht weiterkam, hat sie Flyer verteilt, um mit den selbstständigen Müttern ins Gespräch zu kommen. Mittlerweile gibt es etwa 60 Netzwerkerinnen in Rostock und Umgebung. Jeden ersten Donnerstag im Monat organisiert sie Vorträge oder Workshops. Die letzte Veranstaltung hatte das Thema ‚Selbstwert, Marktwert, Geldwert‘. „Bei der Auswahl der Themen beziehe ich die Frauen mit ein. Schließlich sind es ihre Veranstaltungen“, so Kloss-Selim. Das Feedback ist gut. Die Frauen schätzen das persönliche Gespräch. „Schließlich ist es oft einfacher, mit Menschen ins Geschäft zu kommen, wenn man sich in die Augen geblickt hat – oder die Fotos der Kinder getauscht hat“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

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Es geht explizit nicht um Babypflege und Kochrezepte, sondern ums Business. Vielleicht braucht eine Neugründerin rechtlichen Beistand von einer selbstständigen Rechtsanwältin oder sie benötigt eine Webdesignerin für ihre Homepage. Foto: Caro Hoene

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Text: Silke Bohrenfeld

Fotos: Caro Hoene | Mompreneurs |Esther Eisenhart

07/25/2018

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