Ländlicher Raum

Backhaus: Dörfer sollen junge Menschen anziehen

In Gründer aus MV, GründerNews by Ralph Schipke

Hinter den fünf Seen, inmitten  in der Seenplatte, zwischen Müritz und Elde, fand GRUENDER-MV.DE einen jungen Gärtner namens Aaron, der für ausreichend gesundes Gemüse sorgen möchte
und die Region seit diesem Frühjahr mit Jungpflanzen, Blumen und verschiedensten Früchten versorgt. Wie Aaron durch den Sommer kommt und warum er es nicht bereut, ein paar alte Gewächshäuser wiederbelebt zu haben, erzählt er uns in Satow Kogel am Eulenberg.

Ziel der Landesregierung sei die Schaffung gleichwertiger Lebensbedingungen in den ländlichen Regionen unter Berücksichtigung des demografischen Wandels. Sichergestellt werden müsse die Grundversorgung mit medizinischen Einrichtungen, Mobiltät, Einkaufs-, Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten. 

In vielen Regionen bestehe das Problem nicht mehr im Wegzug, sondern in der Binnenwanderung der Menschen in die benachbarten Mittel- und Oberzentren. „Deshalb ist es wichtig, die zentralen Orte wiederzubeleben und als zukunftsfähige ,Ankerdörfer‘ fit zu machen“, so Backhaus.

Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus hat auch seine Forderung an den Bund nach einem Dürrehilfe-Programm für die Landwirtschaft erneut bekräftigt.

„Nach meiner eigenen vorläufigen Einschätzung könnte bis zu einem Drittel der Landwirtschaftsbetriebe in MV aufgrund der Dürre Einnahmeverluste in Höhe von 30 Prozent und mehr zu verkraften haben. Auf leichten Böden sind zum Teil Totalverluste entstanden. Hinzu kommen derzeit schwer kalkulierbare Mehraufwendungen in der Tierproduktion für Futterzukäufe“, sagte der Minister auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung zur „Zukunft der Landwirtschaft und der ländlichen Räume in Mecklenburg-Vorpommern“.

Derzeit lasse er prüfen, ob finanzielle Unterstützung für den Futterkauf der Tierhalter als Teil des Dürrehilfeprogramms vorgezogen angeboten werden könne. Zugleich mahnte er ein Umdenken der Landwirte an. „Nach dieser dritten klimatisch bedingten Missernte muss zwingend der Weg in eine dem Klimawandel angepasste Landbewirtschaftung eingeschlagen werden. Dazu gehört die Züchtung neuer Sorten ebenso wie eine andere Art der Bewirtschaftung. Stichworte dafür sind Vielfalt im Anbau und Honorierung ökologischer Leistungen“, so Backhaus.

Die derzeit kritische Situation vieler Landwirtschaftsbetriebe zeige, dass die bislang lediglich auf die Einkommenswirkung ausgerichteten EU-Direktzahlungen umweltpolitisch in eine Sackgasse führten. „Der Marktorientierung muss zwingend eine Umweltorientierung entgegensetzt werden“, erklärte Backhaus. „Angesichts andauernder Witterungsextreme ist erfordert das Umdenken in der landwirtschaftlichen Produktion auch ein Umdenken bei der Agrarförderung aus der GAP“, sagte der Minister weiter.

Er verwies auf den Ende 2017 auch in Brüssel vorgestellten Vorschlag aus MV „Veränderungen anschieben“ zur Gemeinsamen europäischen Agrarpolitik (GAP) nach 2020. „Wenn die Politik es den Landwirten ermöglicht, mit Umweltleistungen Geld zu verdienen, sind sie betriebswirtschaftlich auch deutlich unabhängiger von Extremwetterlagen“, unterstrich Backhaus. Allerdings seien die aktuellen Vorschläge der EU-Kommission zur Neuausrichtung der GAP von dem Modell aus MV „noch immer Lichtjahre entfernt“.

Der Minister umriss zudem die strategischen Ansätze der Landesregierung für die ländliche Entwicklung.

Förderung sozialer Infrastruktur sei ein Weg

Seit der Wende flossen rund 13 Milliarden Euro aus EU, Bund und Land in die ländlichen Räume, etwa für den Bau von Kindertagesstätten, Straßen und Wegen, in den Hochwasser- und Küstenschutz. Von 2007 bis heute sind allein 205 Kindertagesstätten und 94 Schulen mit fast 96 Millionen Euro gefördert worden. 1,37 Milliarden Euro stehen in der aktuellen Förderperiode für die ländlichen Räume zur Verfügung. „Wir wollen die ländlichen Räume für junge Menschen so attraktiv machen, dass sie bleiben. Schon heute ist erkennbar, dass unsere Investitionen private Ansiedelungen und Investitionen von Klein- und Mittelständlern nach sich ziehen. Viele Dörfer haben einen erfreulichen Aufschwung genommen“, so Backhaus.

Die Idee, dass Migration das demografische oder gar das Fachkräfteproblem auf dem Lande löse, sei ad absurdum geführt. Auch die Zuwanderer ziehe es meist in die Städte, berichtete der Minister.

„Ländliche Räume haben immer dann eine Zukunft, wenn Kommunen, Unternehmen, Vereine und Akteure vor Ort eigene Ideen für eine tragfähige Entwicklung in ihrer Region entwickeln“, sagte er abschließend.

Quelle: Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt/www.gruender-mv.de

13.08.2018

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