Rostocker Startup fragt für Firmen: „Are you okay?“

In Aktuell, Digitalisierung, Gründer aus MV by @rs

Mitarbeiterbindung durch gelebte Wertschätzung

Jeder Arbeitnehmer sollte sich anerkannt, respektiert und fair behandelt fühlen. Diesem Leitsatz hat sich das Rostocker Start-up Ayokie verschrieben.

„Ayokie“ ist dem Englischen „Are you okay?“ entlehnt, und am liebsten wäre es Firmengründer Benjamin Reif, wenn sämtliche Mitarbeiter eines Unternehmens diese Frage mit „ja“, „yes“, „si“ oder „tak“ beantworten würden. Schon abseits jeder unternehmerischen Überlegung ist das eine Frage der Lebensqualität, die Aufmerksamkeit verdient. Für Unternehmen jedoch geht es dabei um bares Geld.

Ein zufriedener Mitarbeiter, der sich seinem Arbeitgeber verbunden fühlt, ist motivierter, produktiver und loyaler. Doch wie es um die Zufriedenheit ihrer Teams steht, müssen Unternehmer vor allen in größeren Firmen, in denen ihr persönliches Verhältnis zu den Angestellten naturgegeben oft distanzierter ist, erst in mühevoller Kleinarbeit herausfinden. Hier kommt nun Ayokie ins Spiel. Firmengründer Benjamin Reif und seine Mitstreiter haben eine digitale Interaktionsform für mobile Geräte entwickelt, die es Mitarbeitern und Führungspersonal ermöglicht, ihr Arbeitsumfeld und ihre Leistungen gegenseitig zu bewerten: schnell, regelmäßig, engmaschig, kostengünstig, transparent – und spielerisch.

Und das geht so: Über eine App beantworten die Angestellten Fragen zu ihrer Zufriedenheit am Arbeitsplatz, im Unternehmen und zu ihren Vorgesetzten – natürlich anonym – die anschließend ausgewertet und gemittelt werden. Um die Bewertung von Softskills zu objektivieren, wird das Arbeitsteam des zu Bewerteten herangezogen, das meist besser als der Vorgesetzte die Stärken und Schwächen der einzelnen Teammitglieder kennt. Vorteil: Mit Ayokie funktioniert das quantitativ und sehr schnell. Dadurch können Befragungen in kurzen Abständen wiederholt und Entwicklungen verfolgt werden.

Ayokie soll so anders als halbjährliche Fragebögen nicht nur eine Momentaufnahme liefern, sondern dauerhaft die Kommunikation verbessern. Beide Parteien erfahren regelmäßig, wie und nach welchen Kriterien Kollegen und Vorgesetzte sie einschätzen und Vorgesetzte sind bezüglich der Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter im Bilde. Von beiden Seiten kann regelmäßig und zeitnah an den so erkannten Defiziten gearbeitet werden, vor allem aber sollen auch positive Ergebnisse hervorgehoben und gewürdigt werden. Die gewonnenen Erkenntnisse liefern wiederum bessere Grundlagen für Mitarbeitergespräche.

„Mit dieser Interaktionsform lösen wir Kommunikationsprobleme und können einen Beitrag zu positiv bestärkender Unternehmenskultur leisten. Die Mitarbeiter sollen sich im Job wohler fühlen“, begründet Benjamin Reif die Sinnhaftigkeit des Zufriedenheitstools. Im Hinblick auf den fortschreitenden Fachkräftemangel ist das ein nicht zu vernachlässigender Wettbewerbsvorteil.

Wie geschaffen für Mecklenburg-Vorpommern

Zurzeit fokussiert sich Ayokie auf den Gastronomiebereich in Mecklenburg-Vorpommern; durch den starken Tourismus eine weitverbreitete Branche in dem Urlaubsland. In diesem Niedriglohnsektor ist der Fachkräftemangel längst angekommen, qualifiziertes Personal ist schwer zu finden und zu halten. Außerdem ist es in diesem wettbewerbsintensiven Sektor für Restaurants oder Cafés wichtig zu erfahren, was der Gast über den angebotenen Service oder das Sortiment denkt, um Angebote zu optimieren. Auch hierfür bietet Ayokie Werkzeuge an. Für die Classic Conditorei & Café Röntgen GmbH Gründe genug, um gemeinsam mit dem Rostocker Start-up die Befragungssoftware an die spezifischen Besonderheiten ihrer Standorte anzupassen. Im März 2019 soll die Testphase bereits beendet sein und das Tool in den Dauerbetrieb gehen. In einem zweiten Schritt soll diese standardisierte Form der Software dann auf die systemtypischen Herausforderungen und personellen Problematiken weiterer Branchen, wie zum Beispiel der Hotellerie, angepasst und damit skaliert werden.

Über eine App beantworten die Angestellten Fragen zu ihrer Zufriedenheit am Arbeitsplatz, im Unternehmen und zu ihren Vorgesetzten – natürlich anonym – die anschließend ausgewertet und gemittelt werden. So funktioniert die Gründeridee des Startup Ayokie. Foto: Privat

Ayokie ist für Unternehmen flexibel buchbar und kommt ohne Installationen oder die Anschaffung von Geräten aus. Das Pricing erfolgt über die Mitarbeiterzahl des Unternehmens. Über das Gastgewerbe hinaus ist mittlerweile auch ein größeres IT-Unternehmen an einer Zusammenarbeit mit Ayokie interessiert. Nach Rostock steht Hamburg als nächste große Stadt auf dem Zettel des Start-ups. Bekanntheit und Verbreitung der Software sind wichtig. Denn je mehr Unternehmen mit dem Tool arbeiten, desto mehr Daten können generiert werden, die in weiteren Schritten Vorhersagen ermöglichen, um so personelle Fluktuation zu minimieren.

Die Ursprungsidee für die App stammt noch aus der Studienzeit der Gründer. Im Studium, wo man viel ausprobiert, immer wieder mit neuen Umfeldern zu tun bekommt und mit vielen verschiedenen Leuten zusammenarbeitet, stellt sich entsprechend oft die Frage, wie man bei Freunden, Kollegen und Bekannten ankommt und wie deckungsgleich Fremd- und Selbstwahrnehmung eigentlich sind. Die erste daraus entwickelte spielerische App kam bei Kommilitonen gut an.
Das ist mittlerweile zwei Jahre her und führte schließlich zur Entwicklung eines professionellen Befragungstools für den Einsatz in Unternehmen. Seit Juli 2018 gibt es Ayokie als GmbH. Im Juni hat das Start-up den Rostocker Ideenwettbewerb „Inspired“ gewonnen. Gute Voraussetzungen, um nun ordentlich durchzustarten.

Autorin: Silke Bohrenfeld | 18.10.2018 |

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