Wie sieht die Erwerbsbevölkerung die Fachkräftezuwanderung?

In GründerNews by @bb

Durch den anhaltenden Arbeitsmarktboom treten derzeit vermehrt Fachkräfteengpässe auf. Mittelfristig wird die demografische Entwicklung ohnehin für einen problematischen Erwerbspersonenschwund sorgen. Vor diesem Hintergrund hat das Bundeskabinett kürzlich das „Fachkräfteeinwanderungsgesetz“ beschlossen.

Drei Viertel der Bevölkerung zwischen 18 und 67 Jahren stehen der Zuwanderung von Fachkräften grundsätzlich positiv gegenüber.
Dies zeigt eine repräsentative Befragung von KfW Research: 44 % der Erwerbsbevölkerung sind der Meinung, dass Deutschland sich stärker als bisher um ausländische Fachkräfte bemühen sollte, 30 % sind für gleich bleibende Bemühungen, 21 % für geringere.

Akademiker, Gutverdiener und Selbstständige sind überdurchschnittlich häufig für mehr Fachkräftezuwanderung – Arbeitslose hingegen seltener. Auch im ländlichen Raum und in Ostdeutschland sehen weniger Menschen Bedarf an ausländischen Fachkräften.

Die Haltung zur Zuwanderung unterscheidet sich deutlich nach dem beruflichen Bildungsniveau, dem Arbeitsmarktstatus und dem Einkommen. Akademiker, Gutverdiener und Selbstständige sind mit sehr deutlicher Mehrheit für mehr Fachkräftezuwanderung.
Bei niedrigeren Berufsabschlüssen und geringeren Einkommen verschiebt sich das Stimmungsbild – ohne jedoch zu kippen. Die Befürworter verstärkter Fachkräftezuwanderung bleiben zwar in der relativen Mehrheit, doch die Vorbehalte werden merklich häufiger.
Unter Arbeitslosen sind beispielsweise 37 % für mehr Fachkräftezuwanderung, während 30 % die Gegenposition vertreten. Hier dürften auch Befürchtungen um Arbeitsmarktkonkurrenz eine Rolle spielen.

Auch die subjektive Bewertung, wie gut das Haushaltseinkommen zur Deckung der Lebenshaltungskosten ausreicht, korreliert stark mit der zuwanderungspolitischen Haltung. Personen, deren Einkommen nach eigener Einschätzung völlig ausreichend ist, sind zu 51 % für mehr Fachkräftezuwanderung, zu 18 % für das Gegenteil. Von denjenigen, die nur mit Schwierigkeiten finanziell über die Runden kommen, wird hingegen fast ebenso häufig verringerte Fachkräftezuwanderung gefordert wie erhöhte (33 ggü. 36 %).

Je höher der berufliche Bildungsabschluss, desto häufiger wird verstärkte Fachkräftezuwanderung befürwortet. Uniabsolventen sprechen sich zu 58 % für mehr Fachkräftezuwanderung aus, nur 11 % von ihnen sind für geringere Bemühungen um ausländische Fachkräfte.
Der Anteil der Befürworter ist unter Absolventen von Fachhochschulen schon deutlich niedriger (49 %), sinkt bei Meistern/Fachwirten weiter (44 %) und ist schließlich bei Personen mit Ausbildungsabschluss (40 %) unterdurchschnittlich. Personen ohne Berufsabschluss liegen hingegen im Gesamtdurchschnitt (44 %) – allerdings sind hier die Studierenden enthalten, die überwiegend eine positive Meinung zur Fachkräftezuwanderung haben.

Die zuwanderungspolitische Haltung unterscheidet sich auch regional: Im ländlichen Raum sehen die Menschen seltener Bedarf an verstärkter Fachkräftezuwanderung (40 %), ebenso in Ostdeutschland (39 %). Der laut Befragung geringere Kontakt mit Zuwanderern vor Ort könnte ein Teil der Erklärung sein

Anteil der Erwerbsbevölkerung, der für verstärkte Bemühungen um Fachkräftezuwanderung ist (in Prozent) , Grafik: Kfw Research

Auch zwischen den Bundesländern unterscheiden sich die zuwanderungspolitischen Positionen (wenngleich in allen Landesteilen die Befürworter stärkerer Fachkräftezuwanderung überwiegen). Norddeutschland sieht überdurchschnittlichen Bedarf, vor allem Hamburg und Schleswig-Holstein. Dort sind jeweils 59 % der Erwerbsbevölkerung für eine verstärkte Fachkräftezuwanderung, aber nur 13 % (SH) bzw. 16 % (HH) dagegen. Auch in Berlin und im Südwesten (Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz) wird überdurchschnittlicher Bedarf gesehen.
Das Gegenteil gilt für die ostdeutschen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Dort befürworten nur 33 bis 38 % eine verstärkte Fachkräftezuwanderung, während mit 23 bis 29 % überdurchschnittlich viele die Gegenposition vertreten.

Quelle und mehr: KfW Research Fokus Volkswirtschaft

2019-03-20

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