Generationenwechsel im Mittelstand

In GründerNews, Unternehmensnachfolge by @rs

Die Hälfte aller Inhaber schätzt Kaufpreis ihres Unternehmens auf maximal 175.000 EUR

KfW Research begleitet den Generationenwechsel im Mittelstand bereits länger. 7 Aktuelle Daten zu Nachfolgeplanungen zeigen, dass bis Ende 2020 rund 227.000 Inhaber anstreben, das Unternehmen in die Hände eines Nachfolgers zu legen (sechs Prozent aller KMU).

Etwa 80 Prozent dieser Nachfolgeplaner sind Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten oder sie lassen sich in der Branchensicht den Dienstleistungen zuordnen. 62 Prozent der Altinhaber hat bereits die notwendigen Verhandlungen mit einem Nachfolger finalisiert oder verhandelt aktuell konkret. Überhaupt nicht vorbereitet sind rund 36.000 KMU.

Bei den anvisierten Nachfolgevarianten liegen eine familieninterne Nachfolge und externe Käufer mit jeweils 45 Prozent aktuell gleich hoch im Kurs. Der zentrale Engpass für viele Nachfolgewünsche ist nach wie vor eine zu geringe Anzahl nachrückender Existenzgründer.

Rund 227.000 Inhaber im Mittelstand wollen bis Ende 2020 ihr Unternehmen in die Hände eines Nachfolgers legen. Ein zentraler Eckpfeiler erfolgreicher Nachfolgen ist die Übereinkunft beim Kaufpreis. Preis­verhandlungen finden weit gehend im Verborgenen statt, es fehlt an Orientierungspunkten.

Erstmals zeigt das KfW-Mittelstandspanel: Wird eine Nachfolge in den kommenden fünf Jahren angestrebt, müsste ein potenzieller Käufer im Durchschnitt 351.000 EUR für den Kauf eines mittelständischen Unternehmens einplanen.

Die Spannbreite ist aber hoch. Ein Drittel der Inhaber bewertet den Kaufpreis mit maximal 100.000 EUR. Dabei entspricht die Werteinschätzung der aktuellen Inhaber ungefähr dem einfachen Jahresumsatz bzw. liegt im Mittel leicht darunter. Die Analyse gibt keine Anhaltspunkte für eine eventuell systematische Überschätzung durch die Alteigentümer.

Aktuell ist für 16 Prozent aller Inhaber eine Stilllegung der einzig denkbare Weg nach dem Rückzug aus dem Unternehmen. Besonders Inhaber von Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Mitarbeitern ziehen diese Variante häufig in Betracht (41 %), für große Mittelständler ist eine Stilllegung nahezu keine Option (2 %).

Der anstehende Generationswechsel in Hunderttausenden Unternehmen ist und bleibt also ein präsentes Thema im deutschen Mittelstand. Eine der schwierigsten Hürden für das Gelingen einer Unternehmensnachfolge ist dabei das Finden eines für Verkäufer und Käufer gleichermaßen akzeptablen Kaufpreises.

KfW Research hat nun erstmalig repräsentativ auf Basis des KfW-Mittelstandspanels ermittelt, wie die Preiserwartungen von Unternehmern, die ihre Firma binnen fünf Jahren in die Hände eines Nachfolgers geben wollen, aussehen.

Der durchschnittliche geschätzte Kaufpreis eines Unternehmens liegt im Jahr 2018 bei 351.000 EUR, wenn die Unternehmensnachfolge innerhalb der kommenden fünf Jahre vollzogen werden soll. Die überwiegende Anzahl der Firmen im deutschen Mittelstand ist allerdings sehr klein, 8 von 10 Mittelständlern sind Kleinstunternehmen mit weniger als 5 Beschäftigten. Demzufolge erwartet die Hälfte aller Mittelständler einen Kaufpreis von maximal 175.000 EUR. Jeder fünfte Inhaber beurteilt den Wert des Unternehmens sogar mit maximal 50.000 EUR. Die geschätzten Kaufpreise sind im Jahresvergleich weitgehend stabil. Die Durchschnittsbewertung der Kaufpreise ist von 2017 auf 2018 um lediglich 2% gestiegen.

Im Durchschnitt über alle Nachfolgeplaner zeigt sich: Die Werteinschätzung der Inhaber entspricht knapp dem einfachen Jahresumsatz des zur Übergabe anstehenden Unternehmens. Die Nachfolgeplaner setzen im Durchschnitt etwa 90% des Umsatzes als Kaufpreis an. „Die deutschen Mittelständler schätzen den Wert ihrer Unternehmen realistisch ein, es gibt kaum Anzeichen für eine systematische Überbewertung“, sagt Dr. Michael Schwartz, Mittelstandsexperte bei KfW Research. „Häufig wird vermutet, dass Alteigentümer Emotionen und die Anstrengungen des Unternehmensaufbaus mit einpreisen. Diese sogenannte ‘Herzblutrendite‘ lässt sich in der Breite aber nicht nachweisen.“

Ein Blick über diese aggregierten Angaben hinweg zeigt eine große Spannbreite der angesetzten Kaufpreise, je nach Unternehmensgröße und Branche. Kleinstunternehmen weisen unterdurchschnittliche Kaufpreise auf. 43% der Inhaber in diesem Segment beziffern den derzeitigen Kaufpreis mit maximal 100.000 EUR. Ein deutlich anderes Bild ergibt sich für Mittelständler der größten Größenklasse (50 und mehr Beschäftigte). 81% von ihnen setzen den Kaufpreis aktuell mit mindestens 1 Mio. EUR an.

Das ist nachvollziehbar, da in der Regel mit der Unternehmensgröße die Vermögenswerte eines Unternehmens ansteigen (Immobilien, Grundstücke, Maschinen, Fuhrpark, immaterielle Vermögenswerte, etc.).
In der Branchensicht sticht das FuE-intensive Verarbeitende Gewerbe hervor. Auch dort sind die Kaufpreise deutlich in Richtung der höheren Klassen verschoben, ein Drittel der Unternehmer erwartet sich Kaufpreise von 1 Mio. EUR oder mehr.

Dagegen sind die Preise für Unternehmen des Baugewerbes im Durchschnitt am niedrigsten angesetzt, fast die Hälfte der Inhaber dieser Firmen bewertet den Kaufpreis mit maximal 100.000 EUR. Dies liegt vor allem an der im Vergleich geringen Unternehmensgröße und damit niedrigeren Vermögenswerten.

Meisterpremie
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Hinweis:

Die aktuelle Studie von KfW Research mit dem Titel „Kaufpreise bei Nachfolge im Mittelstand“ ist abrufbar unter www.kfw.de/fokus

Zum Download: Kaufpreise bei Nachfolge | PDF | 338 KB

Quelle: KfW | 03.05.2019 |

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