Steuerstrafrechtliche Selbstanzeige, Gewinnermittlungsart, Einnahmen-Überschussrechnung, Vorsteuerabzug, unternehmerische Tätigkeit

Möglichkeit der Ist-Versteuerung nutzen

In GründerTipp by Barbara Behr

Unternehmer müssen normalerweise die in Rechnungen ausgewiesene Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen, wenn sie die betreffende Leistung erbracht haben.

Doch diese sogenannte Soll-Versteuerung kann gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen manchmal zu finanziellen Problemen führen, weil die Umsatzsteuer sozusagen „vorfinanziert“ werden muss.
Schwierigkeiten gibt es vor allem dann, wenn ein Kunde seine (eventuell hohen) Rechnungen nicht termingerecht bezahlt und vielleicht sogar erst auf mehrmaliges Mahnen reagiert.

Ist-Versteuerung

Doch es gibt unter bestimmten Umständen eine Alternative: die Ist-Versteuerung.
Bei dieser Form der Versteuerung wird die Umsatzsteuer erst dann fällig, wenn die Rechnung auch tatsächlich bezahlt wurde (auf den Vorsteuerabzug hat die Ist-Versteuerung keine Auswirkung).

Nach § 20 Umsatzsteuergesetz kann eine Ist-Versteuerung beim Finanzamt beantragt werden, wenn:

  • der Gesamtumsatz eines Unternehmens im vorangegangenen Kalenderjahr nicht mehr als 500.000 € betragen hat
  • der Unternehmer von der Verpflichtung, Bücher zu führen und auf Grund jährlicher Bestandsaufnahmen regelmäßig Abschlüsse zu machen, nach § 148 der Abgabenordnung befreit ist, oder
  • soweit die Umsätze aus einer Tätigkeit als Angehöriger eines freien Berufs im Sinne des § 18 Abs. 1 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes entstehen.

Der Antrag auf Ist-Versteuerung kann formlos beim Finanzamt eingereicht werden und muss von diesem rechtsverbindlich bestätigt werden.
Wird die Ist-Besteuerung ohne vorherige Zustimmung genutzt, regt die Finanzverwaltung einen nachträglichen Antrag an, in den auch das Vorjahr einbezogen werden kann. Das geht aber nur, wenn die Festsetzungen noch nicht bestandskräftig sind.
Wird die Ist-Besteuerung nicht nachträglich bzw. rückwirkend anerkannt, werden Versäumniszuschläge durch das Finanzamt erhoben.

In Ergänzung dazu noch folgende Information:

Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs (Bundesfinanzhof: Urteil vom 18.08.2015 –V R 47/14) ist ein ausdrücklicher Antrag auf umsatzsteuerliche Ist-Besteuerung nicht erforderlich, wenn das Finanzamt aus den vorliegenden Unterlagen (insbesondere der Einnahmen-Überschussrechnung) deutlich erkennen kann, dass in der Umsatzsteuer-Jahreserklärung die Ist-Umsätze erklärt worden sind. Die antragsgemäße Festsetzung kann dann die Genehmigung darstellen.
(siehe dazu auch GründerNews vom 09.01.2016)

Sonderfall Existenzgründer:

Existenzgründer, die sich zum ersten Mal beim Finanzamt über den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung registrieren lassen, haben bereits hier die Möglichkeit, sich entweder aufgrund der Kleinunternehmerreglung nach § 19 UStG (Gesamtumsatz im ersten Jahr unter 17.500 Euro, Punkt 7.3 im Fragebogen) ganz von der Umsatzsteuer befreien zu lassen (gilt für mindesten 5 Jahre, ein Wechsel ist in dieser Zeit nicht möglich) oder die Ist Besteuerung (Punkt 7.7 im Fragebogen) zu wählen.

Zur Kleinunternehmerregelung siehe auch GründerNews vom 15.11.2016

2019-05-10

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