„Eigentlich ging mir ja Saubermachen auf den Keks“

Wenn jemand gründet und dann 20 Jahre durchhält, dürfte sein mutiger Schritt in die Selbstständigkeit als erfolgreich zu bewerten sein. Es könnte unterdessen aber die Zeit herangekommen sein, sich nach einer passenden Nachfolge für die eigene Geschäftsidee umzuschauen. Warum nicht in der aktuellen Gründerszene des Landes, sagte sich eine Rostocker Unternehmerin und schrieb eine Mail an das Internetportal GRUENDER-MV.DE: „Ich könnte mir gut vorstellen, dass es Interessenten gibt, die sich mit meiner Hilfe eine Existenz aufbauen wollen.“
Wir wurden neugierig und wollten die ganze Gründergeschichte von Karin Magdanz-Thümecke hören.

Vor zwanzig Jahren war Karin Magdanz-Thümecke selbst Gründerin. Die erfahrene Geschäftsfrau aus Rostock kann sich noch gut erinnern, was sie damals alles unternommen hat, um mit ihrem ersten eigenen Unternehmen nicht gleich wieder „baden zu gehen“. „Die Bedingungen für uns Gründerinnen und Gründer waren damals sehr viel anders als heutzutage“, schaut die gestandene Geschäftsführerin eines Hauswirtschaftsservices und Chefin weiterer Unternehmen zurück.

Von der „Notgründung“ zur erfolgreichen Dienstleisterin

Sie selbst wurde in den 1990er Jahren noch zu den sogenannten „Notgründungen“ gezählt. Keine schöne Taxierung. Aber es entsprach so den Tatsachen und dem wirtschaftlichen Umfeld – damals in Mecklenburg-Vorpommern und den meisten ostdeutschen Bundesländern. Viele Frauen und Männer in den sogenannten besten Berufs-Jahren standen vor der Wahl: Arbeitslos oder Selbstständigkeit? Auch Karin Magdanz-Thümecke stellte sich mit einem damals offenbar am Arbeitsmarkt wertlosen Landwirtschaftsdiplom, aber einiger Berufserfahrung dieser Entscheidung. Und sie wollte auf keinen Fall passiv zuschauen, was Arbeitsleben und Arbeitsamt mit ihr vorhatten. Eine Selbstständigkeit versprach selbstbestimmte Arbeit plus Lebensunterhalt.

Also begann sie als erstes eine kaufmännische Ausbildung, die sie als Außenhandelskauffrau mit IHK-Abschluss beenden konnte. Außerdem besuchte sie als nächstes ein Gründerseminar. Mit einer guten Freundin stellte sie sich bald die Frage: Was fangen wir mit dem neuen Wissen an? Ideen waren keine Mangelware: „Eine Teestube aufmachen oder ein Textilgeschäft“, spukte den Frauen durch die Köpfe. Auf Reisen hatten sie Beispiele gesehen, die gefielen. Aber würde sich das in Rostock tragen?

Gründen – aber was?

„Wir wussten, dass wir gründen wollten – aber nicht was“, erinnert sich Karin Magdanz-Thümecke an ihren Start in die Selbstständigkeit. 20 Jahre später leitet sie ein gut etabliertes Geschäftskonstrukt in Roggentin bei Rostock mit Verantwortung für 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
„Eigentlich ging es mir auf den Keks, bei mir daheim sauber zu machen“, lächelt sie heute über ihre erste handfeste Gründungsidee: Putzen in privaten Haushalten. Was sie selbst nervte, könnte doch andere dazu bringen, für eine fachlich-gediegene und gründlich-saubere Dienstleistung regelmäßig Geld auszugeben. Schnell bekam sie die ersten Aufträge von Privatleuten, denen die Hausarbeit ebenso wenig Freude machte wie ihr selbst. Später kamen auch kleine Praxen und Gewerberäume hinzu. Privatkunden waren und bleiben aber eine sichere Bank. Vor allem die waren bereit, sich Freizeit als „Luxus“ zu „erkaufen“. Die Geschäftsidee ging auf.

Anfangs erledigte sie selbst gemeinsam mit einer Kollegin diese Aufträge. „Selbst“ und „ständig“ – aus diesen beiden Wörtern ist bis heute die Ur-Formel jeder Gründung zusammengesetzt. Das lernt eigentlich jedes Startup und jeder Einzelkämpfer bereits ganz am Anfang – egal ob im Handwerk, als Kreative, als Innovative oder im Dienstleistungsgewerbe.
Zeit ging ins Land. Irgendwann gab es einen Anruf eines großen Einkaufszentrums im Speckgürtel von Rostock. Ob sie sich vorstellen könnte, in der Mall eine Reinigung zu eröffnen? „Für einen Reinigungsdienst oder Waschsalon fehlte mir ehrlich gesagt das Know-how“, erzählt sie aus der Wachstumsphase ihrer kleinen Firma. „Aber eine Annahmestelle plus Schneiderei dazu, dass schien mir möglich.“ Später ergänzte noch eine Postfiliale den ursprünglichen „Hauwirtschaftsservice Magdanz“. Seit mehr als 18 Jahren treue und in der Überzahl zufriedene Kunden bedienen Karin Magdanz-Thümecke und ihre Crew bis heute an zwei Tresen in der Einkaufsstraße des Globus-Marktes von Roggentin. „Leute, die bewusst – auch Dienstleistungen – einkaufen und stets auf Qualität achten vor allem.“ Und die so auch bereit sind, Dienstleistungen angemessen und ohne Geiz-ist-Geil-Mentalität zu bezahlen.

Geordneter Rückzug gehört dazu

Für die ehemalige Gründerin wäre es nun jedoch die richtige Zeit, langsam und geordnet abzugeben: Verantwortung und Erfahrung. „Erstmal nur die Annahme und die Post. Ich würde gern selbst arbeitsmäßig etwas kürzertreten und dabei einen Geschäftszweig von zweien richtig fortführen“, begründet sie ihre Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin. Für diesen Firmenteil sucht die erfahrene Geschäftsfrau seit geraumer Zeit jemand Passenden, an den sie mit ruhigem Gewissen weitergeben könnte, was sie selbst vor über 20 Jahren begründete. „Außer NexxtChance (der bundesweiten Nachfolgebörse der Kammern und ihrer Partner) und der Nachfolgezentrale MV finde ich aber keine Plattform, die gezielt Gründer und Verkäufer zusammenbringt,“ bedauert sie und wandte sich daher ans Gründerportal des Landes.

Über NexxtChance gingen bei Karin Magdanz-Thümecke bislang drei Übernahmeangebot ein, die ihrer Auffassung nach aber noch nicht 100-prozentig passten. Mal war der Kaufinteressierte aus einem weit entfernten Bundesland, mal nicht wirklich von Fach. „Es muss gar keine Schneidermeisterin und auch kein gelernter Postler sein.“

Dienstleister-Gen ist wichtiger als jung und hip zu sein

Wobei eine fachliche Ausbildung oder Erfahrung überhaupt nicht ihr Ausschlusskriterium wäre. „Auch ein Quereinsteiger oder jemand mit einem artverwandten Beruf könnte durchaus mit dem bei mir vakanten Geschäftsteil eine Existenz absichern“, ist sie überzeugt. „Mich interessiert, dass es weiter läuft und meine Angestellten eine Zukunft bekommen.“ Das könne auch jemand mit 40+ leisten. „Gründer müssen ja nicht zwangsweise jung und hip sein?“, stellt sie zur Diskussion. Und sie stünde ja auch noch zur Verfügung, um Tipps und Erfahrungen weiterzureichen. Nützlich sei in jedem Fall „kaufmännische Grundkenntnis“, wünscht sich die Nachfolgersuchende.

Wichtig sei neben dem Grundverständnis für Zahlen, „dass mein Wunschkandidat oder eine potenzielle Nachfolgerin es gut versteht, mit alten und neuen Kunden umzugehen.“ Die derzeitige Chefin sowohl vom Hauswirtschaftsservice Magdanz, als auch der Roggentiner Postagentur verweist nicht ohne Stolz darauf, unter den zehn größten Postfilialen im Lande zu sein. „Bei uns steht keiner lange an!“, schiebt sie vom Dienstleistungsgedanken beseelt hinterher. Der eingeführte Postschalter ließe sich sicher auch als Shop in Shop-Lösung mit einer ganz neuen Geschäftsidee verknüpfen, unterbreitet die Geschäftsfrau auf Nachfolgesuche allen Gründungsinteressierten in und um Rostock und aus dem ganzen Land ein spannendes Angebot.

| 17.07.2019 |

Autor: Ralph Schipke © GRUENDER-MV.DE

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