Kreativmacherin bereitet 2. Festival “Scientia mortuorum” vor

Friedhofsgeflüster mit Fachkunde und Augenzwinkern

Anzutreffen ist die Schwarze Witwe alias Dr. Anja Kretschmer mittlerweile auf Friedhöfen zwischen Lübeck und Leipzig, zwischen Kiel und Eisenach. Mit großer Fachkunde und sehr oft und bei passender Situation mit einem Augenzwinkern, berichtet die Kunsthistorikerin in ihrer Rolle als Kunstfigur, von Totenkronen oder Vorzeichen, mit denen Gevatter Tod sich bei uns ankündigt. Dabei erzählt die Dame von Wiedergängern oder der Angst vor dem Scheintod, der Begräbniskultur unserer Vorfahren und von deren Ritualen. Ungewöhnlich an diesen Orten zwischen Gräbern und Grüften: Bei ihr darf – ja soll  – gelacht werden. Eine ordentliche Prise Grusel gibt es auch für ihre interessierten Gästen.

Ihr diesjährige Wissensfestival unter dem Motto “Den Tod entdecken – Das Leben feiern!” findet diesmal in Anklam statt. Und zwar am 17. August 2019 von 10 bis 22 Uhr im Ehem. Wehrmachtsgefängnis Anklam, Friedländer Landstraße 3a. In diesem Sommer ist die Gründerin eine dazu eine Kooperation mit der Stiftung „Zentrum für Friedensarbeit” – Otto Lilienthal Hansestadt Anklam eingegangen.

Hier das Programm:

Bei den “normalen” Führungen der “Schwarzen Witwe” zwischen Grabkreuzen und Mausoleen stehen die Sitten und Bräuche sowie der Aberglaube unserer Vorfahren im Mittelpunkt. Wie sind unsere Vorfahren mit den Themen Sterben, Tod und Trauer umgegangen? Welche Rituale gab es? Viele dieser Fragen werden beantwortet und mit regionalen Anekdoten gewürzt und abgerundet.

Friedhofsgeflüster
Dr. Anja Kretschmer bietet regelmäßig Friedhofsführungen in der Dämmerung an. Foto: Ralph Schipke

Als Kreativmacherin MV ausgezeichnet

Anfänglich wurde die Kunsthistorikerin und Trauerrednerin Anja Kretschmer bei ihrer Gründung von den Kreativmachern Mecklenburg-Vorpommern unterstützt, bekam von diesem Projekt produktiven Input und lehrreiche Austauschmöglichkeiten. Kreativmacher Mecklenburg-Vorpommern ist ein Projekt des u-institut und wird gefördert aus Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft, Bau und Tourismus Mecklenburg-Vorpommern.

Das Land suchte bereits  zwei Mal nach Kreativmachern mit Unternehmer- und Gründergeist. Ausgezeichnet wurden bis zu zwölf Kreativschaffende, also Akteure aus der Kultur- und Kreativwirtschaft, die die Jury mit ihrer Geschäftsidee, Tätigkeit oder besonderen Unternehmerpersönlichkeit überzeugen.

Die Gewinner erhalten eine Auszeichnung als “Kreativmacher Mecklenburg-Vorpommern” und nehmen an einem Förderprogramm teil, bei dem sie von erfahrenen Mentoren begleitet und in mehreren Workshops vom gegenseitigen Erfahrungsaustausch in der Gruppe profitieren. In diesen Gruppen treffen Designer, Filmemacherinnen, Musiker, Autorinnen, Schauspieler und Illustratorinnen – oder auch eine Kunsthistorikerin  – aufeinander, um voneinander zu lernen, sich gegenseitig neue Impulse zu geben und mit Kreativen aus verschiedensten Branchen ein Netzwerk aufzubauen. Dr. Anja Kretschmer gehörte im Jahr 2015 zu den “Kreativmacher Mecklenburg-Vorpommern”.

Die nächsten Termine für Führungen der Friedhofsflüsterin finden sich hier.

© Ralph Schipke | GRUENDER-MV.DE

Vier Experten des Todes, darunter die Schwarze Witwe alias Dr. Anja Kretschmer und Dr. Mark Benecke, unterhielten vor einem Jahr auf der Domjüch in Neustrelitz die Lebenden. Das 1. von ihr organisierte Wissensfestival startete am 11. August 2018

„Friedhofsflüsterin“ Anja Kretschmer und der Verein zum Erhalt der Domjüch hatten im Sommer 2018 gemeinsam eingeladen. Und Leichenwagenkutscher, Gothic-Fans oder einfach Neugierige und Interessierte reisten an, auf das morbid-idyllisches Areal im Südosten von Neustrelitz.

Auch wenn sich eigentlich alles um Tod und Sterben drehte, nahm das durchaus lebhafte Völkchen Besitz von den schaurig-schönen Gebäuden und der Wiese am Seeufer.

Im „Frauen 2“-Vortagsraum lauschten so viele interessierte Gäste den ganz unterschiedlichen Vorträgen, dass zeitweise das Geschehen auf der Bühne in einen zweiten Raum im Nachbargebäude „gebeamt“ werden musste.

Zur Eröffnung hielt der Thanatologie Jörg Vieweg ein Referat darüber, wie er und seine Kollegen bei der Herrichtung von Verstorbenen eine „lebendige Abschiedskultur“ unterstützen können. Der Bestatter und Todesforscher Joerg Vieweg wird nicht müde, zum Abschied am offenen Sarg zu ermutigen. Er und seine etwa 120 Thanatopraktiker-Kollegen in Deutschland hätten das Wissen und Handwerk, eine solche Aufbahrung vorzubereiten.

Rurik von Hagens, Sohn des Erfinders der Leichen-Plastinaton Gunther von Hagens, berichtet von der Arbeit für die Wissenschaft über die Körperspende (die nicht im Konflikt zur Organspende stehen muss). Er plauderte unterhaltsam vom weg des Garagen-Startups seines Vaters bis zur Gubener Plastinate GmbH, von wo aus heute über 70 Mitarbeiter die langlebigen Präparate an Universitäten, Forschungseinrichtungen und medizinische Ausbildungsstätten in aller Welt versenden.

Geschichten aus dem Alltag eines Bestatters, las Peter Wilhelm mit dem rauen Ruhrpott-Charme und eine deftigen Priese Humor gewürzt.

In der Zeit zwischen den Vorträgen gab es Gelegenheit, sich fachkundig von den Vereinsmitgliedern über das Gelände der ehemaligen Landesirrenanstalt führen zu lassen. Auch eine augenzwinkernde Portion Grusel gab es im „Irrsinnigen Keller“.

Höhepunkte des Abends waren schließlich das Corso der Leichenwagen, das unter dem Motto „der letzte Wagen ist immer ein Kombi“ und für das gut 25 stolze Besitzer solch fahrbarer Untersätze aus ganz Europa angereist waren.

Eine lange Schlange wartete schließlich auf Einlass zur „Multimedia-Maden-Show“ von Deutschlands bekanntestem Kriminalbiologen Dr. Mark Benecke. Der in Funk und Medien präsente Forensiker und Gerichtsgutachter unterhielt die mehr als 200 Zuhörer mit Fällen aus seiner Praxis – unter anderem überraschenden Untersuchungsergebnissen an sizilianischen Mumien. Bei der Zeremonienmeisterin und Moderatorin Anja Kretschmer liefen alle Fäden der Organisation zusammen. Mit dieser Festival-Premiere hat sie sicher dazu beitragen können, den Lost Place am Domjüchsee sowie das Thema Sterben und Tod auf so unterhaltsame wie informative Weise ins Bewusstsein zu rücken.

Und hier: Audiofish interviewt Friedhofsflüsterin:

Kontakt:

Dr. Anja Kretschmer,
freiberufliche Kunsthistorikerin

Internet: http://www.anja-kretschmer.de
Facebook: https://www.facebook.com/friedhofsgefluester

Autor: Ralph Schipke | aktualisiert: 05/22/2018 | 08/08/2018 | 09.08.2019

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