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Deutscher Mittelstand uneins über mögliche Auswirkungen eines harten Brexits

Am 31. Oktober 2019 soll das Vereinigte Königreich aus der EU austreten. Bisher konnte jedoch keine Einigung über ein Abkommen erreicht werden.
Ein Austritt ohne Abkommen?

Die Möglichkeit eines harten Brexits Ende Oktober oder nach einer erneuten Verschiebung des Austrittstermins steht somit weiter im Raum. Nicht alle deutschen Mittelständler wären davon betroffen – und einige könnten sogar profitieren:

  • Rund 25 % der deutschen Mittelständler befürchten bei einem harten Brexit eher negative, 2 % sogar sehr negative Auswirkungen auf ihr Unternehmen.
  • Eher positive Effekte erwarten nur 4 %, sehr positive fast keines der kleinen und mittleren Unternehmen.
  • Rund 60 % würden nach eigener Einschätzung keine größeren Auswirkungen spüren.

Dies zeigt eine im September von KfW Research durchgeführte repräsentative Befragung deutscher Mittelständler.

Verstärkte Sorge um die Konjunktur

Bei vielen Mittelständlern dürfte es eher die Sorge um die Konjunktur sein, die ihre Erwartungen trübt: Von den rund 17 % der Mittelständler, die einen ungeregelten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU als eines der größten deutschen Konjunkturrisiken sehen, erwarten mehr als die Hälfte negative Auswirkungen auf ihr Unternehmen.
Darüber hinaus dürften einige Mittelständler auch direkt betroffen sein – beispielsweise, weil sie in das Vereinigte Königreich exportieren. Entsprechend rechnen vier von zehn Mittelständlern, deren Auslandsumsatz mehr als 10 % ihres Gesamtumsatzes ausmacht, mit Nachteilen für ihr Unternehmen im Falle eines harten Brexits. Besonders stark betroffen wären exportstarke Mittelständler aus dem Verarbeitenden Gewerbe, für die ein wichtiger Absatzmarkt wegbrechen könnte. Mehr als 60 % von ihnen erwarten bei einem ungeregelten Austritt negative Auswirkungen auf ihr Geschäft.

Einige Dienstleister könnten von einem harten Brexit sogar profitieren Unter den exportstarken Dienstleistern, zu denen unter anderem Rechts-, Steuer- und Wirtschaftsberatungen zählen, gibt es einen relativ hohen Anteil von 15 %, der bei einem harten Brexit eher positive Effekte auf das eigene Unternehmen erwartet. Der sinkende Wettbewerbsdruck durch Konkurrenten aus dem Vereinigten Königreich dürfte hier eine Rolle spielen, aber auch der erhöhte Beratungsbedarf von Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen in das Vereinigte Königreich

Nur wenige Mittelständler haben umfassende Vorbereitungen getroffen

Vier von fünf Mittelständlern haben keine Vorkehrungen für einen harten Brexit getroffen, da sie sich nicht unmittelbar betroffen sehen. Jeder Zwanzigste sieht sich betroffen, fühlt sich jedoch gut gerüstet.
Einem ungeregelten Austritt mit etwas mehr Sorge entgegensehen dürften dagegen die rund 13 % der Mittelständler, die nach eigener Einschätzung davon betroffen wären, aber noch nicht oder nur unzureichend darauf vorbereitet sind. Bleiben die konjunkturellen Folgen eines harten Brexits überschaubar, könnten sie mit einem blauen Auge davonkommen.

Quelle und mehr: KfW Research, Volkswirtschaft Kompakt Nr. 185

2019-10-12

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