Ferienbeschäftigung von Schülern und Studenten: Was gilt?

In den Schul- und Semesterferien werden Schüler und Studenten gern zur Aushilfe für in Urlaub befindliche Mitarbeiter bzw. für einen zusätzlichen saisonalen Bedarf eingestellt. Dabei gibt es einiges zu beachten.

In der jetzigen Zeit der Corona-Pandemie gelten zwar weiterhin alle gesetzlichen Grundlagen für die Beschäftigung von Schülern und Studenten, allerdings gibt es einige wenige Anpassungen (z. B. Kurzfristigkeit einer Beschäftigung, gelegentliches Überschreiten der Entgeltgrenzen), auf die wir im Folgenden ebenfalls hinweisen.

Schüler

Ob Schüler arbeiten dürfen, hängt davon ab, wie alt sie sind:
13-bis 15-Jährige gelten rechtlich zwar noch als Kind, dürfen aber unter Einhaltung strenger Regelungen arbeiten. Voraussetzung ist, dass die Eltern zustimmen. Lassen Sie sich das am besten schriftlich geben. Die tägliche Arbeitszeit darf nicht mehr als zwei Stunden betragen.
Wichtig: Teenager dürfen nur kindgerechte und leichte Tätigkeiten ausüben. Dazu zählen beispielsweise Babysitten, Nachhilfe geben oder Zeitungen austragen. Eine Tätigkeit nach 18 Uhr und vor acht Uhr sowie am Wochenende ist laut Jugendarbeitsschutzgesetz verboten.
Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren dürfen bis zu 40 Wochenstunden bei einer Woche mit fünf Werktagen arbeiten. Auch hier gibt es gesetzliche Bestimmungen: Beispielsweise muss die Arbeitszeit zwischen sechs und 20 Uhr liegen.
Volljährige Schüler unterliegen nicht mehr dem Jugendarbeitsschutzgesetz. Sie dürfen daher nicht nur in den Ferien arbeiten, sondern auch neben der Schule.
Schüler, die nur während der Ferien einen Job ausüben, sind sog. kurzfristig Beschäftigte, wenn die Tätigkeit im Voraus vertraglich oder zeitlich auf nicht mehr als drei Monate (bei fünf Arbeitstagen pro Woche) oder insgesamt 70 Arbeitstage innerhalb eines Kalenderjahres angelegt ist. Diese kurzfristigen Beschäftigungsverhältnisse sind sozialversicherungsfrei
(beachte dazu: Änderungen in Zeiten der Corona-Pandemie)

Schulabgänger

Schulabgänger werden sozialversicherungsrechtlich nicht mehr als Schüler, sondern wie „normale“ Arbeitnehmer beurteilt. Eine kurzfristige Beschäftigung bis zu drei Monaten oder 70 Arbeitstagen ist versicherungsfrei, wenn sie nicht berufsmäßig ausgeübt wird und das Arbeitsentgelt unter 450 Euro monatlich liegt.
(beachte dazu: Änderungen in Zeiten der Corona-Pandemie)

Studenten

In den Semesterferien sind Studenten als Beschäftigte
von der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung komplett befreit, und zwar unabhängig von der wöchentlichen Arbeitszeit oder der Höhe des Entgelts. Von der Rentenversicherungspflicht  sind sie dagegen nur dann befreit, wenn es sich um eine „kurzfristige Beschäftigung“ oder einen  „Minijob“ handelt. Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn die Tätigkeit im Voraus vertraglich oder nach ihrer Eigenart zeitlich auf nicht mehr als drei Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage innerhalb eines Kalenderjahres angelegt ist. Diese kurzfristigen Beschäftigungsverhältnisse sind sozialversicherungsfrei.

Mehrere kurzfristige Aushilfsbeschäftigungen im Kalenderjahr

Bei mehreren kurzfristigen Aushilfsbeschäftigungen von Schülern und Studenten im Kalenderjahr gilt:
Die Zeiten mehrerer aufeinander folgender kurzfristiger Beschäftigungen sind im aktuellen Kalenderjahr zusammenzurechnen. Dies erfolgt unabhängig davon, ob sie geringfügig entlohnt oder mehr als geringfügig entlohnt sind. Keine Rolle spielt dabei, ob die Beschäftigungen beim selben oder bei verschiedenen Arbeitgebern ausgeübt werden. Wird die Zeitgrenze von 90 Kalendertagen bzw. 70 Arbeitstagen durch die Addition der einzelnen Ferienjobs überschritten, besteht von Beginn des aktuell zu beurteilenden Ferienjobs an Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung.
(beachte dazu: Änderungen in Zeiten der Corona-Pandemie)

Änderungen in Zeiten der Corona-Pandemie
  • Kurzfristige Aushilfsbeschäftigungen
    Durch das Gesetz für den erleichterten Zugang zu sozialer Sicherung und zum Einsatz und zur Absicherung sozialer Dienstleister aufgrund des Coronavirus SARS-CoV-2 (Sozialschutz-Paket) vom 27. März 2020 wurden die Zeitgrenzen für eine kurzfristige Beschäftigung übergangsweise für den Zeitraum vom 1. März 2020 bis 31. Oktober 2020 auf fünf Monate bzw. 115 Arbeitstage erhöht (§ 115 SGB IV).
  • Gelegentliches und nicht vorhersehbares Überschreiten der Entgeltgrenze
    Für die Kalendermonate März bis Oktober 2020 wird ein noch „gelegentliches Überschreiten“ angenommen, wenn innerhalb des für den jeweiligen Entgeltabrechnungszeitraum zu bildenden Zeitjahres maximal in fünf Kalendermonaten ein nicht vorhersehbares Überschreiten vorliegt. Eine in die Zeit der diesjährigen Sommerferien fallende Mehrarbeit ist somit unschädlich für die Annahme einer weiterhin vorliegenden geringfügigen Beschäftigung, wenn diese Mehrarbeit darüber hinaus auch unvorhersehbar war (z. B. weil andere Arbeitnehmer aufgrund von Krankheit oder „Corona-Quarantäne“oder sonstiger Freistellung, etwa zur Kinderbetreuung) ausfallen oder Arbeitsaufwände höher sind als üblicherweise (z. B. bei Pflege oder Reinigung-/Desinfektionsarbeiten).
  • Mehrere kurzfristige Aushilfsbeschäftigungen im Kalenderjahr
    Für die Kalendermonate März bis Oktober 2020 wird die Zeitgrenze auf 150 Kalendertage bzw. 115 Arbeitstage angehoben.
    Beim Auslaufen der Übergangsregelung ab dem 1. November 2020 ist eine neue Beurteilung aufgrund der geänderten Rechtslage (dann gelten wieder die alten Größen von 90 Kalendertagen bzw. 70 Arbeitstagen) unter Berücksichtigung eventueller Vorbeschäftigungszeiten vorzunehmen.
Tipp:

Im Internet findet man diverse Ratgeber, die die wichtigsten Informationen für Ferienarbeit von Schülern und Studenten zusammenfassen, wie z. B.:

Auskünfte erteilen natürlich auch die jeweiligen Handwerkskammern oder IHKn in der Region.

Muster-Vorlagen für Arbeitsverträge, z. B. für Aushilfsarbeitsverträge oder für geringfügige Beschäftigung findet man z. B. im Downloadbereich von Gründer-MV.de.

2020-05-22

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