A. Kiehn Montage: GRUENDER-MV.DE

Generationswechsel wie aus dem Lehrbuch

Wo andere Betriebe aus Mangel an Nachfolgern schließen müssen, steht bei der Glaserei Peper bereits die vierte Generation in den Startlöchern. Warum funktioniert die Unternehmensübernahme bei ihnen so scheinbar reibungslos?

Bei Pepers stimmt die Bodenhaftung. Hier ist der Kunde noch König, sagt Horst Peper.
Fotos: Annika Kiehn

Wenn man ihn zu seiner Position im Unternehmen befragt, sagt Geschäftsführer Eyk Peper sagt über sich: „Ich bin kein Glaser“, und praktisch gesehen stimmt das. Alle paar Minuten klärt der 50-Jährige am Telefon Kundenwünsche oder bespricht sich mit seinen Mitarbeitern, die außerhalb die Baustellen betreuen. Die Glaserei Peper führt europaweit Aufträge aus, die Spanne reicht vom Schaufenstereinbau bis hin zur Reparatur eines alten Motoradspiegels.

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Senior Horst Peper hat dagegen schon eher Zeit, die Anekdoten des Familienbetriebs wiederzugeben. Obwohl der 82-Jährige offiziell in Rente ist, hilft er jeden Tag ein paar Stunden im Betrieb mit.

„Eigentlich wollte ich Fotograf werden“, sagt Horst Peper. Doch in den Nachkriegsjahren sei Berufswünsche wenig Platz gewesen und seit sein Vater Ernst Peper 1925 die Glaserei gegründet hatte, wurde dort jede helfende Hand gebraucht. „Also fing ich an, mich nützlich zu machen“, sagt Horst Peper. 1966 übernahm er die Leitung.

Dass er in seinem Sohn Eyk einen Nachfolger finden würde, habe er nicht geglaubt. „Die Wende war schuld“, sagt Eyk Peper. „Ich habe ursprünglich als Karosseriebauer gearbeitet und hätte das auch weitergemacht, wäre mein Betrieb nicht geschlossen worden. Also bin ich bei meinem Vater Horst eingestiegen und inzwischen Geschäftsführer.“

Horst Peper wollte Fotograf werden, 1966 übernahm er den Betrieb seines Vaters, dem Gründer Erwin Peper.

So „einfach“ kann eine Unternehmensübernahme sein. Für die meisten Betriebe ist sie wesentlich komplizierter. Bis 2025, so die Schätzungen der Nachfolgezentrale MV, werden rund 10 000 Unternehmensnachfolger gesucht.


Momentan ist Corona das uns alle beherrschende Thema, welches natürlich auch die UnternehmerInnen und GründerInnen in MV nachhaltig beeinflusst.

Die Ansprechpartner der NACHFOLGEZENTRALE MV, Frank Bartelsen und Anne-Cathrin Lüttke, beantworten gern alle Fragen zur aktuellen Situation mit Blick auf die Unternehmensnachfolge:

Angesichts der Corona-Krise scheint die Unternehmensnachfolge eher nachranging. Gibt es Gründe, warum die Nachfolgeplanung dennoch nicht vernachlässigt werden sollte?

Frank Bartelsen: „Auch diese Krise wird irgendwann überwunden sein. Strategische Ziele sollten ungeachtet aller Schwierigkeiten im Blick behalten werden. Die Suche nach einem geeigneten NachfolgerIn ist auch in Krisenzeiten mit unserer Unterstützung weiterhin möglich.

Fachkräftemangel, fehlende Motivation, unzureichende finanzielle Mittel seitens der Anwärter seien nur einige Gründe, warum gut laufende Betriebe trotz zufriedenstellender Auftragslage schließen müssten. Bei der Glaserei Peper hingegen läuft es scheinbar wie im Bilderbuch.

Christopher Peper führt die vierte Generation an. Der 26-Jährige hat Mitte 2018 erfolgreich seine Prüfung zum Glasermeister abgelegt. Er will die Firma irgendwann weiterführen. Obwohl er manchmal auch gern einen anderen Job hätte, wo er weniger Verantwortung trage, auch einfach „nur“ angestellt sein darf.

Können sich bei der Arbeit blind aufeinander verlassen. Horst Peper und Enkel Christopher in der Werkstatt.

Unentschlossenheit als Mittel der Formbarkeit: Horst Peper sieht darin eine nicht zu unterschätzende Chance, Mitarbeiter auf ihrem Weg sanft in die richtige Richtung zu schubsen und mit Begeisterung zu formen.

„Von seinem Vater hat er immer bisschen Druck bekommen. Aber das war auch gut so, denn nur durch ständige Motivation kann man Leute aufbauen und für die Zukunft formen.“ Sein Enkel Christopher Peper nickt zustimmend. Seinen Meister etwa habe er erst später machen wollen, aber sein Vater drängte ihn: “Christopher, wir ziehen das umgehend durch!“ Im Nachhinein sei er froh, gleich nach der Gesellenprüfung weitergemacht zu haben, sagt Christopher Peper.

In der Nachfolgeproblematik sieht Eyk Peper eine ganz essentielle Ursache: „Das Hauptproblem für die meisten ist, dass man im Handwerk arbeiten muss. Alle wollen gefühlt nur noch studieren und im Büro arbeiten. Handwerk bedeutet aber, anpacken zu müssen und mitunter unkalkulierbare Arbeitszeiten. Als Selbstständiger drei Mal mehr, als wenn Sie angestellt sind.“ Probearbeiter seien zwar oft von dem breiten Aufgabenspektrum angetan, würden aber dennoch schnell wieder das Handtuch werfen.

Auch Christopher Peper gibt zu, dass er ab und an gern einen anderen Job hätte. Wo er weniger Verantwortung trage, auch einfach „nur angestellt sein darf“ und eben nicht als Sohn vom Chef immer eine Schippe drauf legen müsse. Von nichts kommt nichts! – Ein Credo, das sich in privaten Betrieben seit Generationen weiterträgt. Eyk Peper sagt dazu. „Das ist eben Familie.“

Für die Weitergabe ihres Familienbetriebs halten sie es einfach: „Das was da ist, wird weitergegeben. Es hat theoretisch jeder die Möglichkeit, einzusteigen. Wer das nicht möchte, sollte auch keine Ansprüche stellen dürfen und einfach seinen eigenen Weg gehen“.

Als Einzelkind hatte er das Privileg, sich mit keinem Geschwisterkind gut stellen zu müssen. Seinem Vater Horst, der jeden Tag noch ein paar Stunden mitanpackt, ist er sehr dankbar.

Dieser hat mit den Jahren das energische Temperament des Sohnes schätzen gelernt. „Er weiß eben, was er will. Und er hat ein unglaubliches Detailgedächtnis und Fachwissen, von dem unsere Mitarbeiter profitieren.“
Dass eine Unternehmensübernahme am Geld scheitert, hält Eyk Peper für unsinnig. „Es kommt selten vor, dass jemand, der übernehmen möchte, die volle Summe mitbringt, um den Altunternehmer auszuzahlen“, sagt Eyk Peper. „Es gibt Wege, auch wenn sie komplizierter sein mögen und es geht auch ohne Kredit“, sagt er und zählt auf: Möglich sei etwa, eine Einmalsumme zu zahlen und die verbleibende Summe als Rente abzustottern. Oder der Unternehmer macht seinen potenziellen Nachfolger schon vorab zum Teilhaber.

Manches lässt sich dennoch nicht weitergeben, wie etwa der Wert alter Gepflogenheiten. Senior Horst Peper erfüllt im Unternehmen nämlich eine ganz besondere Aufgabe: Kundenkontakt. Sei es eine individuelle Bilderrahmung oder eine kaputte Fensterscheibe, die repariert und verkittet werden muss. Arbeiten, die einen eher in den Bankrott führen, als dass sie Aufschwung bedeuten. Für Horst Peper gilt die alte Regel: „Der Kunde ist bei uns König, nach wie vor.“

Zwei Stunden mit einer Kundin einen Bilderrahmen aussuchen? Heutzutage undenkbar. Für Horst Peper gehört es zum Erfolgsrezept, sich Zeit zu nehmen und blickig zu sein.

Dass der Betrieb noch immer in Familienhand geführt wird, scheint auf dem Prinzip der umgekehrten Psychologie zu basieren, nach dem Motto: Bloß keinen Druck machen, dann wird das schon. Keiner der drei Männer wollte im ersten Anlauf Glaser sein. Ob Christopher Peper die Firma bis in die nächste Generation tragen kann, sei ungewiss. Den Druck, das Familienunternehmen weiterführen zu müssen, habe er nicht. „Ich habe ihm gesagt, wenn er etwas anderes machen möchte, ist das ok. Dann unterstütze ich ihn dabei“, sagt Eyk Peper. Vielleicht klappt es so am besten.

Firmenseite des Familienbetriebes Glaserei Peper: glaserei-peper.de.

Foto: Privat


Fotos und Autorin: Annika Kiehn
© GRUENDER-MV.DE
26.05.2020

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