Ralph Schipke

Kaltplasma wirkt bei chronischen Wunden

Nachweis erbracht: Ärzte und Wissenschaftler aus Bad Oeynhausen, Karlsburg und Greifswald belegen erstmalig Wirksamkeit von Kaltplasma in prospektiver, randomisierter und placebokontrollierter Studie.

Zu den großen Herausforderungen in der Behandlung von Patienten mit Diabetes zählt das Management von chronischen Wunden, deren dauerhafte Abheilung deutlich verzögert ist. Die Kombination aus fehlendem Impuls zur Wundheilung und Infektionsgeschehen verhindert dabei Wundverschluss und Geweberegeneration – ein Problem, das durch den Diabetes deutlich verschärft wird. Die Behandlung ist teuer und langwierig. Die Therapie gestaltet sich für Ärzte und Patienten gleichermaßen mühsam, weshalb neue Konzepte dringend erforderlich sind.

Ein solch innovatives Konzept könnte die Behandlung mit Kaltplasma sein, dessen Wirksamkeit jetzt erstmalig wissenschaftlich bestätigt wurde. Dies ist Ärzten und Forschern im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, im Klinikum Karlsburg und im Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) Greifswald (Foto oben) jetzt gelungen.

Sie untersuchten 62 Wunden in einer prospektiven, randomisierten, Placebo-kontrollierten und Patienten-verblindeten Studie, die ergänzend zur Standardwundtherapie entweder Kaltplasma oder Placebo erhielten.

Kaltplasma-Therapie: Wirksam bei der Behandlung chronischer Wunden.
Foto: © neoplas tools GmbH

„Der Heilungsprozess unter Therapie mit Kaltplasma war signifikant beschleunigt, was zu schnellerem Wundverschluss führte“, konstatiert der Leiter der klinischen Prüfung, Prof. Dr. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe, Direktor des Diabeteszentrums am HDZ NRW.

„Ein Vorteil des Verfahrens ist die gute Patientenverträglichkeit. Wir haben keine mit der Therapie verbundenen Nebenwirkungen festgestellt“, ergänzt Wundexpertin Dr. Tania-Cristina Costea, Oberärztin der Klinik. Die Annahme, dass Kaltplasma antimikrobiell und infektmodulierend wirkt, konnte nicht belegt werden.

Dies könne vermutlich auf die effektive, begleitende Standardtherapie zurückgeführt werden und zeige, dass biologische Effekte des Plasmas in der Wundheilung relevant seien, führt PD Dr. Bernd Stratmann, Erstautor der Publikation und Forschungsleiter im Diabeteszentrum, weiter aus.

Plasma auf der Haut?

Als Plasma wird ein angeregter Gaszustand bezeichnet, der oft als vierter Aggregatzustand (neben fest, flüssig und gasförmig) beschrieben wird. Die Kombination der verschiedenen Wirkprinzipien des Plasmas hat eine stark antibakterielle und wundheilungsfördernde Wirkung. Durch die physikalische Gewebestimulation kann der Wundheilungsvorgang wieder aktiviert werden, die Infektion soll durch die desinfizierende Wirkung zurückgedrängt werden.

Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen mit 35.000 Patienten pro Jahr, davon 14.600 in stationärer Behandlung, zu den größten und modernsten Zentren seiner Art in Europa.

Im Diabeteszentrum des HDZ NRW unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe werden jährlich rund 2.000 Menschen mit allen Typen des Diabetes mellitus und seinen Folgeerkrankungen behandelt. Zum Leistungsspektrum gehört auch die Diagnostik und Therapie endokrinologischer und gastroenterologischer Erkrankungen. Ein besonderer Schwerpunkt ist die kardiovaskuläre Risikoabschätzung und Behandlung von Herz- und Gefäßerkrankungen im integrierten Versorgungskonzept.

Zudem ist das Diabeteszentrum auf die Behandlung von Nervenschäden und Durchblutungsstörungen spezialisiert, dazu gehört auch die Wundheilung bei Diabetischem Fußsyndrom.

Quelle: Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum – Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen


Greifswalder Startup nutzt auch „kaltes Plasma“ für eine bessere Wundheilung

Nadine Bauerfeind
Coldplasmatech aus Greifswald ist zwar nicht Gegenstand der oben zitierten Studie. Das innovative Startup aus der Universitätsstadt hat aber gerade in diesen Tagen ein Medizinprodukt zur Zulassung gebracht, dass auf vergleichbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Entwickelt wurde diese Technologie in Greifswald durch ein Forscherteam um Geschäftsführer Carsten Mahrenholz, das sich vor einigen Jahren aus dem Leibnizinstitut für Plasmaforschung ausgegründet und das Start-up „Coldplasmatech“ gegründet hat. Vor wenigen Wochen gab es die Zulassung für die weltweit einzigartige Technologie. Sie verfügt auch über eine Krankenkassenzulassung. Damit kann die Plasmabehandlung nun auch von Ärzten für Patienten verschrieben werden.
Foto: Nadine Bauerfeind

Ein anderes Konzepte zur Nutzung der am Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) Greifswald gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse über „kaltes Plasma“ und dessen antibakterielle und wundheilungsfördernde Wirkung hat das Greifswalder Startup Coldplasmatech entwickelt.

Aus Vorpommern gibt es eine gerade zugelassene medizinische Innovation, die ebenfalls vielen Patienten vor allem mit chronischen Wunden helfen könnte. Das sogenannte Cold-Plasma-Patch ist eine Art Pflaster, durch das kaltes Plasma auf und in Wunden geleitet wird. Es soll Wunden bei der Heilung aktiv unterstützen.

StartHILFE-Podcast mit Carsten Mahrenholz von Coldplasmatech aus Greifswald

Hier geht es zum NDR-Beitrag über das Startup Coldplasmatech:

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/Neue-Plasmatherapie-hilft-bei-Wundheilung,nordmagazin75568.html


Quelle: GRUENDER-MV.DE | Coldplasmatech |NDR

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