Ralph Schipke

Nettolohnoptimierung durch Dienstfahrrad per Gehaltsumwandlung

Dienstfahrräder für die Belegschaft zu leasen hat nicht nur mit verbessertem Umweltschutz oder einem guten Image des Unternehmens zu tun, es kann auch finanzielle Vorteile für beide Seiten haben.

Überlassen Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern ein normales Fahrrad oder ein E-Bike, das verkehrsrechtlich als Fahrrad einzuordnen ist, führt dieser Vorgang zu steuerfreiem Arbeitslohn, wenn die Überlassung zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erfolgt.

Der geldwerte Vorteil des Dienstfahrrads ist bei der Überlassung – analog zum Dienstwagen – nach der Ein-Prozent-Regelung abzurechnen

Erfolgt die Überlassung hingegen im Rahmen einer Gehaltsumwandlung, führt dies zwar zu steuerpflichtigem Arbeitslohn, gleichwohl kommt es aber zur Nettolohnoptimierung, die Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer bietet.

Grund hierfür ist, dass auf den umgewandelten Teil des Entgelts keine Sozialabgaben anfallen und der geldwerte Vorteil für die private Nutzung des E-Bikes sich nur auf 1 % eines auf volle 100,00 € abgerundeten Viertels der unverbindlichen Preisempfehlung beläuft. Je nach Einkommen und Steuerklasse liegt die monatliche Nettobelastung zwischen 30 und 45 % unter dem umgewandelten Betrag. Viele Dienstradanbieter bieten kostenlose Berechnungstools auf ihren Internetseiten an.

Beispielrechnung:
Verzichtet beispielsweise ein lediger kinderloser konfessionsloser Arbeitnehmer, der ein Monatsgehalt von 4.000,00 € brutto hat, auf 70 € seines Monatsgehalts, um ein Fahrrad im Wert von 3.549,00 € zu leasen, so wird der geldwerte Vorteil nur in Höhe von 8,75 € versteuert (ein Viertel des auf volle 100,00 € gerundeten 1 % des Listenpreises).
Gleichzeitig sinkt aber die Lohnsteuerbelastung von 632,91 € auf 616,00 € und die Sozialversicherungsabgaben (KV, PV, RV, RV) von 811,00 € auf 798,59 €, so dass sich hier die Belastung um rund 30,00 € reduziert.

Zu beachten ist aber:
Leasingpartner für den “Dienstfahrradverleiher” müssen der Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin bleiben, die hier einen Rahmenvertrag abschließen. Zusätzlich müssen sie mit ihren Arbeitnehmern für die entsprechende Dauer einen Überlassungsvertrag oder einen Zusatz zum Arbeitsvertrag abschließen, der auch eine private Nutzung des Fahrrads erlaubt.
Beachtet werden zudem müssen tarifvertragliche und arbeitsrechtliche Fragen. Insbesondere die Umwandlung von Tariflohn ist ohne eine entsprechende Regelung, ggf. durch einen firmenbezogenen Verbandstarifvertrag, nicht gestattet.

Für Arbeitgeber ist die Regelung insgesamt positiv, denn sie müssen weniger für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung ihrer Mitarbeiters aufwenden.
Arbeitnehmer zahlen andererseits zwar weniger Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge. Das bedeutet andererseits aber auch, dass sie weniger in die Rentenkasse einzahlen, was sich wiederum langfristig negativ auf die Rentenpunkte auswirken kann.

Dienstrad-Leasing für Selbstständige

Dienstrad-Leasing für Selbstständige bietet viele Vorteile: laufende Kosten für beispielsweise die monatliche Nutzungsrate, Instandhaltung und Versicherung gelten als Betriebsausgaben und mindern somit den zu versteuernden Gewinn. Gerade deshalb kann sich die Anschaffung eines hochwertigen Leasingfahrrades besonders lohnen. Vorsteuerabzugsberechtigten wird die Umsatzsteuer aus der Nutzungsrate und den Servicepaketen vom Finanzamt erstattet. Die private Nutzung eines Dienstrades für Selbstständige ist steuerfrei.

Genauere Informationen erhält man z. B. bei den verschiedenen Dienstrad-Leasing-Anbietern. Wie immer ist es sinnvoll, sich mehrere Angebote einzuholen und sich auch an seine Steuerberatungsfirma zu wenden, um Vor- und Nachteile des Leasing für das eigene Unternehmen aufzuzeigen, wobei – siehe oben – die Vorteile für Arbeitgeber überwiegen dürften.

2022-08-09

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