Liquidität des Unternehmens: Ein entscheidender Faktor für den Erfolg!

Ein Unternehmen muss jederzeit in der Lage sein, Verbindlichkeiten an Lieferanten, Rechnungen für Versicherungen, Kredittilgungen, Steuerzahlungen usw. zu begleichen.

Deshalb müssen sich potenzielle Gründer vor der Gründung vor allem mit der finanziellen Seite der Geschäftsidee auseinander setzen. Nur eine gute Idee und den Willen für eine Unternehmung zu haben, reicht nicht!

Gründer müssen einen Liquiditätsplan aufstellen, ohne geht es nicht!

Dazu müssen sie sich zunächst fragen, welche Anschaffungen und Investitionen müssen vor der Gründung getätigt werden, z. B.:

  • Brauche ich ein Auto?
  • Will ich ein Ladengeschäft einrichten?
  • Wie soll das Unternehmen ausgestattet werden? Was braucht man an Technik oder Raumausstattung, werden Werkzeuge benötigt, müssen Lizenzen erworben werden…?
  • Was muss für Warenerstausstattung ausgegeben werden?

Zudem müssen Gründer überlegen, welche einmaligen Kosten bei der Gründung auf sie zukommen. Das können beispielsweise sein:

  • Kosten für Erstwerbung/Markterschließung, wie z. B. für eine Website oder für ein Eröffnungsfest
  • Kosten für Beratungen und Gebühren, z. B. für die Gewerbeanmeldung oder den Eintrag in die Handwerksrolle oder für die benötigte Gaststättenkonzession

Gründer müssen sich auch mit den zu erwartenden laufenden Kosten auseinander setzen. Was wird beispielsweise für Miete, Versicherungen, Wareneinkäufe, Betriebsmittel, Stromkosten, Benzin oder Mitarbeitergehälter fällig?

Wichtig ist natürlich auch eine realistische Einschätzung der Einnahmen, die den Ausgaben gegenüber stehen. Hier sollte man sich z. B. auch fragen, ob die geplanten Einnahmen regelmäßig fließen oder ob es – wie  z. B. oft in der Landwirtschaft, der Gastronomie oder im Eventbereich – saisonale Höhepunkte gibt, die die anderen Monate mit geringeren Einnahmen „mitfinanzieren“ müssen.

Alle erfassten Positionen spiegeln sich dann im Liquiditätsplan wider.

Haben Gründer diese detaillierte Übersicht über Kosten und Einnahmen, können sie sich mit der Finanzierung ihrer Geschäftsidee auseinandersetzen – reicht das Eigenkapital oder wird doch ein Darlehen gebraucht?
Braucht man externes Kapital, sollte man bei verschiedenen Banken recherchieren und Angebote einholen.
Wichtig: Eine gute Vorbereitung auf ein Bankgespräch entscheidet oft darüber, ob bzw. in welcher Höhe man einen Kredit bekommt (siehe hierzu auch unseren GründerTipp: „Finanzierung: 10 Tipps für das Kreditgespräch).

Nach der Gründung

Hat man alle Mittel zusammen und das eigene Unternehmen gegründet, darf man die Liquidität nie aus den Augen verlieren! Wenn nämlich Zahlungsschwierigkeiten auftreten, kann dies schnell das „AUS“ bedeuten, denn bald gilt man als nicht liquide.
(Liquidität ist die Fähigkeit, fällige Forderungen bezahlen zu können. Wenn ein Unternehmen 90 Prozent seiner fälligen Rechnungen innerhalb der nächsten drei Wochen nicht bezahlen kann, gilt es als zahlungsunfähig. Dann fehlt dem Unternehmen die Liquidität.)

Deshalb noch folgende Hinweise:

Gründer sollten sich unbedingt eine kleine Reserve zurücklegen, um im Bedarfsfall den drängendsten Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Das kann z. B. auch ein Kontokorrentkredit bei der Hausbank sein.

Geschäftskonto und Privatkonto sollte man bei verschiedenen Banken haben! Gibt es Probleme auf dem Geschäftskonto, kann man schnell handeln und beispielsweise dringende Überweisungen über das Privatkonto bei der anderen Bank laufen lassen.

Und wenn es doch mal enger als eng wird?
Reden! Sofort mit allen reden, die Geld kriegen müssen! Die Bank muss wissen, wenn es Probleme gibt, damit sie dem Gründer/der Gründerin nicht den Hahn zudreht. Auch Vermieter oder Lieferanten kommen eventuell bei finanziellen Problemen entgegen, weil sie natürlich die (bis dahin gut laufende) Geschäftsbeziehung aufrechterhalten wollen.

Wichtig ist auch:
Engpässe können durchaus mal für ein paar Monate entstehen, z. B. durch Zahlungsverzögerungen oder -ausfälle. Zeichnet sich aber ab, dass die Probleme größer sind und eine Besserung nicht in Sicht ist, sollte man sich dringend Unterstützung und Beratung suchen, z. B. bei IHK, HWK oder Interessenvertretungen der eigenen Branche.
Und im Extremfall sollte man rechtzeitig die Reißleine ziehen – was nicht unbedingt das Ende der Firma bedeuten muss! Es gibt z. B. die Möglichkeit der Regelinsolvenz. Die soll Schulden abbauen und zahlungsunfähige Unternehmen wieder profitabel gestalten.

Ein weiterer Tipp:
Im Idealfall ist der Liquiditätsplan Teil eines Businessplanes, der alle Aspekte der Gründung umfasst (siehe hierzu unser GründerThema: „Muss ich wirklich einen Businessplan erstellen?“).

2022-09-05

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