Gutscheine und Geldkarten als Sachbezug: Klarstellungen durch die Finanzverwaltung

Zuwendungen von Arbeitgebern an ihre Arbeitnehmer, die nicht in Geld, sondern in Geldeswert (Sachbezug) bestehen und im Rahmen des Dienstverhältnisses zufließen, können unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei gewährt werden.

Zu den Sachbezügen gehört u. a. auch die Ausreichung von Gutscheinen und Geldkarten.
Die Finanzverwaltung hat in einem Schreiben einige Grundsätze zur lohnsteuerlichen Behandlung von Gutscheinen und Geldkarten ergänzt, in dem es u. a. um folgende Aspekte geht:

Von Arbeitgebern gewährte Sachbezüge sind bis zu einer monatlichen Freigrenze von 50 EUR steuerfrei. Nach § 8 Einkommensteuergesetz (EStG) sind Gutscheine und Geldkarten dann als Sachbezug privilegiert, wenn sie:

  • ausschließlich zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen berechtigen,
  • zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt werden und
  • die Kriterien des § 2 Abs. 1 Nr. 10 des Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes (ZAG) erfüllen.
    (§ 2 Abs. 1 Nr. 10 ZAG fordert vereinfacht:
    a) einen limitierten Einlösebereich
    b) eine limitierte Produktpalette
    c) eine Nutzung für steuerliche/soziale Zwecke)
Hinsichtlich der nach dem ZAG zu erfüllenden Voraussetzungen hat das Bundesfinanzministerium sein Schreiben vom 13.04.2021 (siehe GründerNews vom 21.05.2021) nun insbesondere um folgende Aspekte konkretisiert:

Als Sachlohn werden Gutscheine anerkannt, die dazu berechtigen, vom Aussteller Waren oder Dienstleistungen aus dem eigenen Sortiment zu erwerben. Eine Einlösbarkeit im Internetshop der jeweiligen Akzeptanzstelle ist unschädlich.

Auch Gutscheine, die dazu berechtigen, Waren oder Dienstleistungen bei einem begrenzten Kreis von Akzeptanzstellen im Inland zu beziehen, werden grundsätzlich als Sachlohn anerkannt.

Das Bundesfinanzministerium hat zudem klargestellt, dass auch Gutscheine begünstigt sind, wenn Einkaufs- und Dienstleistungsverbünde auf die (auch bundeslandübergreifend) unmittelbar räumlich angrenzenden zweistelligen Postleitzahlen-Bezirke begrenzt werden; dabei werden Städte und Gemeinden, die jeweils in zwei Postleitzahlen-Bezirke fallen, als ein Postleitzahlen-Bezirk betrachtet. Die Auswahl dieser Postleitzahlen-Bezirke kann auch durch den Arbeitnehmer erfolgen.

Als Sachbezug gelten auch Gutscheine einer bestimmten Ladenkette zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen in den einzelnen Geschäften im Inland oder im Internetshop dieser Kette mit einheitlichem Marktauftritt (z. B. ein Symbol, eine Marke, ein Logo). Unschädlich ist, wenn sich der Arbeitnehmer vor Übergabe des Gutscheins oder vor Aufladung des Guthabens auf die Geldkarte aus verschiedenen Ladenketten je eine auswählen kann.

Wichtig: Es wird nicht beanstandet, wenn verbleibende Restguthaben bis zu 1 € ausgezahlt oder auf einen anderen Gutschein oder eine andere Geldkarte übertragen werden können. Dies gilt auch bei einem monatlichen Wechsel z. B. der Ladenkette im Rahmen einer weiteren Aufladung eines Guthabens auf derselben Geldkarte.

Unter die „limitierte Produktpalette“ fallen Gutscheine oder Geldkarten, die unabhängig von einer Betragsangabe dazu berechtigen, Waren oder Dienstleistungen ausschließlich aus einer sehr begrenzten Waren- oder Dienstleistungspalette zu beziehen. Hier kommt es nicht mehr auf die Anzahl der Akzeptanzstellen und den Inlandsbezug an. Es reicht aber nicht aus, wenn allein auf eine Händlerkategorie Bezug genommen wird (z. B. Merchant Category Code, MCC). Zudem ist bereits das geringfügige Angebot von Waren oder Dienstleistungen einer anderen Produktpalette schädlich.

Quelle: BMF-Schreiben vom 15.03.2022, Az. IV C 5 – S 2334/19/10007 :007

Tipp:
Da die Sachlage nicht immer so eindeutig ist – wie man auch aus den o. g. Ausführungen entnehmen kann – sollte man sich im Zweifel fachlichen Rat holen, z. B. beim (Lohn-)Steuerbüro oder bei IHK und HWK.

2022-10-13

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