Bei geplanter Existenzgründung: Vorweggenommene Betriebsausgaben möglich

Bereits vor dem Start kommen oft schon auf viele Gründer*innen wichtige Ausgaben zu. Denn wenn es endlich so weit ist, muss schon Einiges parat stehen!

Wenn solche Ausgaben eindeutig dazu dienen, dass ab der Eröffnung des Unternehmens Einkünfte erwirtschaftet werden können, ist es möglich, sie als “Vorweggenommene Betriebsausgaben” in der Einkommenssteuererklärung anzugeben.

Hierzu gehören z. B. Ausgaben für Marketing, Mietzahlungen, professionelle Beratungen, Anschaffung von Büromaterialien, Möbel oder Geräten ebenso wie Ausgaben für Fachliteratur oder die Teilnahme an Existenzgründerkursen.
Diese Ausgaben vor der Betriebseröffnung müssen aber in einem direktem und klar erkennbaren Zusammenhang mit der geplanten Geschäftstätigkeit stehen.
Wichtig ist deshalb, dass zu jeder Ausgabe schriftlich und nachvollziehbar festgehalten wird, wofür diese Zahlung im Zusammenhang mit der geplanten Existenzgründung notwendig war.

Die Ausgaben sind dann „Verluste“ aus Gewerbebetrieb, die mit anderen Einkünften steuersparend verrechnet werden dürfen. Der steuerreduzierende Effekt tritt auch ein, wenn die Betriebseröffnung nicht im laufenden, sondern erst im nächsten Jahr erfolgt.

Achtung aber bei der Gewerbesteuer!

Vorweggenommene Betriebsausgaben werden bei der Ermittlung des Gewerbeertrags ignoriert, denn die Gewerbesteuer ist eine auf den tätigen Betrieb bezogene Realsteuer. Ausgaben vor dem Beginn einer gewerblichen Tätigkeit werden deshalb bei der Gewerbesteuer nicht anerkannt, auch wenn man Umsatzsteuer auf Produkte und Dienstleistungen bezahlt hat, denn man verfügt zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht über die erforderliche Steuernummer.
(siehe dazu auch GewStG, EStG, Urteil des BFH vom 30.08.2022, Az. X R 17/21)

Hat man also große Investitionen vor (z. B. Renovierungsarbeiten, Kauf von teuren Waren oder Maschinen) sollte man dann doch darüber nachdenken, ob eine Gewerbeanmeldung sinnvoller ist, bevor man diese Ausgaben vornimmt. Denn nur dann bewirken diese Ausgaben eine Senkung der Gewerbesteuer. Vor der Gewerbeanmeldung senken sie nur die Einkommenssteuer!

Bedenken sollte man auch, ob man die Kleinunternehmerreglung in Anspruch nehmen möchte!
(zum Thema „Umsatzsteuerliche Tipps für Kleinunternehmen“ siehe unsere GründerNews vom 23.01.2023)

Und noch ein Tipp: Auch wenn es aus den verschiedensten Gründen mit der Existenzgründung nicht klappen sollte, kann man eventuell die Ausgaben bei der Einkommenssteuer absetzen – sofern man nachweisen kann, dass die Gründung ernsthaft beabsichtigt war (z. B. indem man eine Businessplan vorlegen kann oder auch Nachweise über Kreditgespräche oder Anmietung von Räumlichkeiten.)

2023-03-27

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