Gründungs – und Anlaufkosten

Bei den Gründungs – und Anlaufkosten geht es um den  kurzfristigen Kapitalbedarf, also um  Ausgaben, die sofort in die Kosten des Unternehmens gehen, den Gewinn im ersten Wirtschaftsjahr in voller Höhe schmälern.
Zu den Gründungskosten  gehören:

  • Kosten für erforderliche Qualifikationen, Lehrgänge, Fachbücher, die vor der Gründung  erworben bzw. angeschafft werden müssen
  • Reise – und Kommunikationskosten, Werbeaufwendungen vor der Geschäftseröffnung
  • Kosten für die Gewerbeanmeldung und gegebenenfalls zusätzlich die Gewerbegenehmigung. Letztere fällt in der Gastronomie, im Hotelgewerbe, beim Umgang mit Lebensmitteln und gefährlichen Stoffen, im Transportgewerbe u.a. Bereichen an. Hier muss im Unterschied zu der nur ca. 26,00 €  kostenden Gewerbeanmeldung je nach Gebührenordnung der zuständigen Kreisverwaltung mit Aufwendungen  von 500.000 € und zum Teil weit darüber gerechnet werden.
  • Maklerprovision für die Anmietung von Gewerberäumen (ca. zwei Monatskaltmieten) oder für den Erwerb von Immobilien (etwa 3 % bis 5 % der Erwerbssumme)
  • Erwerbsnebenkosten – 3,5 % Grunderwerbssteuer, Notar und Grundbuchkosten
  • Gründungskosten – Notar und Handelsregister sowie gegebenenfalls Steuerberaterkosten für die Eröffnungsbilanz – bei Gründung eine Unternehmens in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft  wie GmbH oder AG

Nicht zu den Kosten im steuerlichen Sinne gehören Mietkautionen und die Mittel für den Nachweis der persönlichen finanziellen Leistungsfähigkeit im Transportgewerbe (ca. 9.000,00 € pro Fahrzeug) sowie bei den Kapitalgesellschaften das Stammkapital. Diese zum Teil erheblichen Aufwendungen sollten bei der Ermittlung des Kapitalbedarfes unbedingt berücksichtigt werden, ansonsten könnte die Gründung gefährdet sein. Beachtet werden muss auch, dass diese Aufwendungen in der Regel nicht von einer Bank finanziert werden, dass heißt, sie müssen mit Eigenmitteln aufgebracht werden.

Gründungskosten können zum Teil zeitlich weit vor dem eigentlichen Gründungstermin anfallen. Wenn es einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen den Aufwendungen, zum Beispiel für Reisekosten, Messebesuche oder Qualifikationen gibt, werden diese auch bis zu einem Jahr vor Gründung als steuerlich abzugsfähige Betriebsausgaben vom Finanzamt anerkannt. Quittungen und Rechnungen sammeln sollte daher in einer Vorgründungsphase selbstverständlich sein.

Anlaufkosten müssen in den Branchen berücksichtigt werden, in denen  die Einnahmen in den ersten Wochen und Monaten noch nicht  oder nicht voll ausreichen, um die Betriebskosten wie Raumkosten, Personalkosten, Versicherungen, Fahrzeugkosten und so weiter sowie die erforderlichen Privatentnahmen zu decken.

Dies ist besonders in den therapeutisch – pflegerischen Berufen, im Handwerk, im Transportgewerbe und in allen Dienstleistungen der Fall, wo der Umsatz den Kunden in Rechnung gestellt wird. Oft wird auch noch ein Zahlungsziel von einigen Tagen oder gar Wochen angeboten bzw. der Kunde „nimmt“ sich selbst ein Zahlungsziel, indem er die Rechnung verspätet bezahlt.

Um die Existenz des Unternehmens nicht schon in den ersten Wochen zu gefährden, sollte auf  die richtige Ermittlung der Anlaufkosten entsprechend hohe Aufmerksamkeit gelegt werden.

Ein praktisches Hilfsmittel für die Planung der Anlaufkosten ist eine detaillierte Liquiditätsplanung.
In einem Liquiditätsplan werden die zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben wochen – bzw. monatsweise  so genau wie möglich in einer Tabelle erfasst. Da in der Regel in den ersten Wochen oder Monaten die Ausgaben die Einnahmen übersteigen ist der Saldo Einnahmen minus Ausgaben negativ. Die wöchentlichen oder monatlichen Salden werden addiert und  man erhält eine recht genaue Übersicht über die zu erwartenden Anlaufkosten.

Zweckmäßigerweise wird eine Liquiditätsplanung für zwölf Monate erstellt. Damit kann man neben den Anlaufkosten auch eventuelle saisonbedingte finanzielle Engpässe erfassen.

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