Die Prüfung der Rentabilität

Bevor man eigenes oder fremdes Geld in die Gründung eines Unternehmens steckt ist zu prüfen, ob dieses Geld  durch die Geschäftstätigkeit auch wieder herauskommt.
Dies nachzuweisen ist eine entscheidende Voraussetzung für eine Finanzierung.

Der Nachweis, dass sich das Unternehmen rechnet, dass die Einnahmen die Ausgaben übersteigen, dass positiver wirtschaftlicher Erfolg zu erwarten ist  wird Rentabilitätsvorschau oder auch Umsatz – und Ertragsvorschau genannt. Banken und andere Fremdkapitalgeber erwarten eine derartige Vorschau für drei Jahre.

In einer Rentabilitätsvorschau werden den Betriebseinnahmen die Betriebsausgaben pro Jahr (Wirtschaftsjahr in der Regel gleich dem Kalenderjahr, außer Land – und Forstwirtschaft)  gegenübergestellt. Das Ergebnis dieser Rechnung Einnahmen minus Ausgaben heißt Betriebsergebnis vor Steuer  und kann ein Verlust (wenn die Ausgaben höher sind als die Einnahmen) oder Gewinn (wenn die Einnahmen höher sind als die Ausgaben) sein.
Bei den Ausgaben werden alle Betriebskosten berücksichtigt. Auch die Kosten einer vorgesehenen Finanzierung wie Zinsen und Gebühren werden einbezogen, ebenso die Abschreibungen (AfA, Anschaffungskosten / Nutzungsdauer) auf die Investitionen. Die Tilgung für Kredite gehört jedoch nicht zu den Betriebskosten. Sie muß aus dem versteuerten Gewinn erfolgen.

Nur Unternehmen, die im Vorschauzeitraum Gewinne ausweisen sind grundsätzlich finanzierbar. Es reicht jedoch nicht aus, den Gewinn auszuweisen. Es ist wichtig, weiter zu prüfen, ob die Höhe des Gewinns ausreicht, um alle davon zu bestreitenden Ausgaben zu tätigen.

Auf den Gewinn müssen Steuern gezahlt werden, die Ausgaben für laufende Investitionen gehen davon ab, die Unternehmer müssen für die private Lebensführung, für private Kredite und für die persönlichen Vorsorgeaufwendungen (Kranken – und Pflegeversicherung, Altersvorsorge usw.) Entnahmen tätigen, es müssen betriebliche Rücklagen für zukünftige Investitionen gebildet werden und es müssen  eben auch Tilgungen für betriebliche Kredite aufgebracht werden.

Die Praxis in den Existenzgründerseminaren und in der Betreuung von Unternehmen zeigt, dass diese grundlegenden Zusammenhänge zwischen dem Gewinn und seiner Verwendung sehr vielen Gründern und auch Unternehmern nicht bewußt sind. Manch einer schaut auf den ausgewiesenen Gewinn und versteht nicht, dass trotz recht guter Rentabilität  kein Geld auf dem Konto ist. Die „Gewinndecke“ ist dann eben zu kurz für alle zu erbringenden Aufwendungen.

Die über die Gewinnberechnung, Rentabilitätsvorschau  hinausgehende weitergehende Berechnung nennt man Cash Flow  (CF) – Betrachtung. Der  CF ist die Kennziffer für die Innenfinanzierungskraft eines Unternehmens. Sie sagt aus, wieviel flüssiges Geld  im Unternehmen erwirtschaftet wird und ermöglicht damit eine Vorschau über die Finanzierbarkeit aller Aufwendungen wie Steuern, Investitionen, Tilgungen, Privatentnahmen und Rücklagen. Erst wenn die Prognose ergibt, dass alle diese Aufwendungen bezahlt werden können, ist es gerechtfertigt, eigenes oder fremdes Geld für eine Unternehmensfinanzierung einzusetzen.
In der Planungsphase eines Unternehmens reicht eine überschlägige Cash Flow Berechnung in folgender Art aus:

Betriebsergebnis vor Steuern
+  Abschreibungen
= Cash Flow
– Steuern (Einkommenssteuer bzw. Körperschaftssteuer bei Kapitalgesellschaften,
Gewerbesteuer)
– Tilgungen für Kredite
– Investitionen, im laufenden Jahr getätigte
– Privatentnahmen
= verfügbarer Cash Flow für Rücklagen

Wie die  Schätzung der Steuern  für diese Berechnung  recht einfach in folgender Weise vorgenommen werden kann.finden Sie in den beiden Unterpunkten. Der Ausgangswert für die Steuerschätzung ist das Betriebsergebnis vor Steuern.  (Hinzurechnungen und Abrechnungen, wie sie nach dem geltenden Steuerrecht  bei der Gewerbesteuer auftreten, können bei einer Schätzung vernachlässigt werden.)

Für die Schätzung der Einkommenssteuer kann man Steuertabellen benutzen, die sich in einschlägigen Fachbüchern (Tip – „Ratgeber zur Einkommenssteuer“, erscheint in jedem Frühjahr ganz aktuell) und auch im Internet finden. In den Einkommenssteuertabellen (für allein veranlagte gilt die Grundtabelle, für gemeinsam veranlagte die Splittingtabelle) sind das steuerfreie Existenzminimum sowie der progressive Steuersatz berücksichtigt. Die Einkünfte aus allen Einkunftsarten werden zusammengerechnet und die steuerlich abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen sowie eventuelle sonstige persönliche Freibeträge abgezogen. Mit dem so überschlägig ermittelten Wert geht man in die Tabelle und kann die Einkommenssteuerbelastung ablesen. Es ist zu empfehlen, sich im Existenzgründerseminar oder bei einem Steuerberater, eventuell in Verbindung mit der fachlichen Stellungnahme zum Gründungskonzept zur Höhe der zu erwartenden Steuerbelastung fachlichen Rat einzuholen. Bei der Gewerbesteuer haben Einzelunternehmer und Personengesellschaften einen Freibetrag von 25.000 €. Durch diesen Freibetrag, den dann folgenden Staffeltarif und die Anrechnung der Gewerbesteuer bei der Einkommenssteuer wird die reale Gewerbesteuerlast bei den meisten Existenzgründungen in den ersten Jahren recht gering sein bzw. es fällt überhaupt keine Gewerbesteuer an. Man kann sie daher bei der Schätzung für Existenzgründungen in dieser Rechtsform vernachlässigen.
Bei den Kapitalgesellschaften wird statt der Einkommenssteuer die Körperschaftssteuer erhoben. Hier gilt ein einheitlicher Steuersatz von 25 %. Bei der Gewerbesteuer haben Kapitalgesellschaften keinen Freibetrag und es gilt ein Steuersatz von 5 %. Auf die sich daraus ergebende Steuermesszahl wird dann der Hebesatz der Gemeinde (in Mecklenburg – Vorpommern durchschnittlich 300 %) angesetzt. Die Höhe der bei der Cash Flow Verwendung anzusetzenden Tilgungen ergibt sich aus den Kreditverträgen. Wenn Zins und Tilgung zusammen in einer Rate ausgewiesen werden, z.B. bei Fahrzeugfinanzierungen, kann man von der Bank einen Zins – und Tilgungsplan anfordern. Diesem sind dann die Beträge für die steuerlich als Betriebsausgaben anzusetzenden Zinsen und die aus dem CF zu leistenden Tilgungen zu entnehmen. Bei Förderkrediten ist die Tilgung häufig für einige Monate oder Jahre zu Beginn der Laufzeit ausgesetzt. In diesen tilgungsfreien Zeiten sollten möglichst Rücklagen für die später einsetzende Tilgung gebildet werden. Da die Rückzahlung eines Darlehens durch tilgungsfreie Zeiten nicht über die gesamte Laufzeit verteilt wird, sind die später einsetzenden Tilgungsbeträge entsprechend höher. Beim Ansatz für die Privatentnahmen sind zu berücksichtigen: die gesamte private Lebensführung, Vorsorgeaufwendungen, private Kreditverpflichtungen, Rücklagen für Krankheit und Urlaub u.a.. Eine zu große Selbstbeschränkung beim Ansatz der Privatentnahmen in der Prognoserechnung ist daher nicht angebracht und erhöht auch keineswegs die Finanzierungsbereitschaft möglicher Kreditgeber. Betriebliche Rücklagen sollten für Ersatzinvestitionen und eventuell notwendige Neuanschaffungen gebildet werden. Ihre Höhe hängt von der vorgesehenen betrieblichen Nutzungsdauer der zum Zeitpunkt der Gründung angeschafften Investitionsgüter und der Strategie für zukünftige Anschaffungen ab. Auch an die Bildung einer Liquiditätsreserve ist zu denken. Saisonale Schwankungen der Einnahmen, unvorhergesehene Kosten u.a. belastende Einflüsse sollten das Unternehmen nicht in seiner Existenz gefährden.
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