Rechtsformen

Welche Rechtsform ermöglicht die Einlage von Risikokapital in eine Unternehmung? Grundsätzlich kommen Personen- und Kapitalgesellschaften in Betracht.

Diese Gesellschaftstypen unterscheiden sich neben der gesellschaftsrechtlichen Ausgestaltung vor allem in der steuerrechtlichen Behandlung.

Zu den Personengesellschaften zählen

  • die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR oder BGB-Gesellschaft),
  • die Offene Handelsgesellschaft (OHG),
  • die Kommanditgesellschaft (KG) und
  • die stille Gesellschaft.

Als Kapitalgesellschaft werden

  • die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH),
  • die Aktiengesellschaft (AG) und
  • die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) bezeichnet.

Daneben gibt es eine Reihe von Misch- und Sonderformen, zu denen als bekannteste die GmbH & Co. KG zählt.
Aufgrund verschiedener Urteile des Europäischen Gerichtshofes der EU (EuGH) ist es in Deutschland auch möglich, eine ausländische Rechtsform wie z. B. die “Limited (Ltd.)” zu nutzen. Des weiteren gibt es seit 2004 eine eigene Rechtsform europäischen Rechts, nämlich die Europäische Aktiengesellschaft. Diese und die KGaA werden im folgenden Beitrag jedoch nicht näher betrachtet.
Der wichtigste Unterschied zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften: Bei einer Personengesellschaft haftet mindestens ein Gesellschafter für Schulden der Gesellschaft persönlich in vollem Umfang. Die Kapitalgesellschaft haftet dagegen “selbst” mit ihrem Gesellschaftsvermögen. Sie ist eine so genannte juristische Person und besitzt damit eine eigene Rechtspersönlichkeit, d.h. die Kapitalgesellschaft ist selbst Trägerin von Rechten und Pflichten. Für die Personengesellschaft trifft dies nicht nur für die KG und OHG, sondern auch die GbR gemäß der Rechtssprechung des BGH unter bestimmten Voraussetzungen zu.

Gründet man mit Partnern ohne weitere Verträge oder Absprachen ein Geschäft, firmiert man automatisch als GbR. Auch die GbR wird beim Gewerbeamt der zuständigen Kommune angemeldet. Die Gründung ist formlos und wird durch das geschäftsmäßige gemeinsame Handeln rechtskräftig. Allerdings ist ein schriftlicher Vertrag anzuraten, da alle Partner gemeinsam gegenüber Außenstehenden Dritten mit ihrem vollen Vermögen für das Unternehmen haften (ob nun an der Geschäftsführung beteiligt oder nicht, in Unkenntnis etc.). Im Innenverhältnis kann dann vertraglich die Zusammenarbeit geregelt werden, jedoch beschränken diese Vereinbarungen nicht die gesamtschuldnerische Haftung nach außen. Der Firmenname muss den Namen eines Gesellschafters und den Zusatz „GbR“ enthalten. Beispiele: Sarah Müller und Monika Schulz, Service rund ums Büro, GbR oder Andrea Fichtner und Marco Schult Sunshine, GbR Ansonsten gelten analog die Regelungen für Einzelunternehmen.
Die OHG ist eine Rechtsform für Kaufleute, die gemeinsam ein kaufmännisches Gewerbe betreiben möchten. Die OHG kann von mindestens zwei Kaufleuten gegründet werden und muss ins Handelsregister eingetragen werden. Ein Mindestkapital bzw. Mindesteinlage ist nicht vorgeschrieben. Der OHG liegt ein Gesellschaftervertrag zu Grunde; die Gesellschafter haften mit ihren Privatvermögen. Kaufmännische Buchführung und Bilanzierung ist vorgeschrieben. Es können auch reine Phantasienamen gewählt werden mit dem Zusatz „OHG“. Grundsätzlich ist die OHG bei Kunden, Lieferanten und Banken durch die Haftung der Gesellschafter angesehener als z.B. eine GmbH.
Das Äquivalent zur OHG bei Freien Berufen ist die Partnergesellschaft. Hier können auch verschiedene Freie Berufe unter einem unternehmerischen Dach vereinigt werden. Sie übt kein Handelsgewerbe aus. Mindestkapital ist nicht erforderlich. Der Partnerschaftsvertrag muss schriftlich abgefasst werden und enthält: den Namen und den Sitz der Partnerschaft; den Namen und den Vornamen sowie den in der Partnerschaft ausgeübten Beruf und den Wohnort jedes Partners; den Gegenstand der Partnerschaft. Die Gesellschafter haften analog zur OHG ebenfalls mit ihrem Privatvermögen. Im Unterschied zur OHG haftet der einzelne Gesellschafter für seine individuellen fachlichen Fehler alleine. Die PartG muss unter notarieller Beglaubigung ins Partnerschaftsregister des Amtsgerichtes eingetragen werden. Der Name der Partnerschaft setzt sich aus drei Elementen zusammen: (1) dem Namen eines oder mehrerer Partner, (2) dem Zusatz „und Partner“ oder „Partnerschaft“, (3) sowie den Bezeichnungen aller in der Partnerschaft vertretenen Berufe.
Die GmbH gehört zu den Kapitalgesellschaften. Sie ist für Gründerinnen und Gründer geeignet, die ihre Haftung beschränken möchten. Gründung Die GmbH wird von mindestens einem Gesellschafter (Ein-Personen-GmbH) gegründet. Der Gesellschaftsvertrag muss notariell beurkundet werden. Für unkomplizierte Standardgründungen (Bargründung, max. 3 Gesellschafter) stellt das GmbH-Gesetz jetzt zwei Musterprotokolle als Anlage zum GmbH-Gesetz zur Verfügung – eines für Ein-Personen-Gründungen, ein weiteres für Mehr-Personen-Gründungen bis maximal drei Personen. Das beurkundungspflichtige Musterprotokoll fasst drei Dokumente (Gesellschaftsvertrag, Geschäftsführerbestellung und Gesellschafterliste) in einem zusammen. Das Mindeststammkapital, das Sie in die Gründung einbringen müssen beträgt 25.000 Euro. Jeder Geschäftsanteil muss nur noch auf einen Betrag von mindestens einem Euro lauten. Geschäftsführung Jede GmbH muss mindestens eine Geschäftsführerin oder einen Geschäftsführer haben. Geschäftsführer kann nur eine natürliche und unbeschränkt geschäftsfähige Person sein. Nicht als Geschäftsführer bestellt werden können für die Dauer von fünf Jahren Personen, die wegen einer vorsätzlichen Straftat der Insolvenzverschleppung, eines Bankrottdeliktes, falscher Angaben, unrichtiger Darstellung oder auf Grund allgemeiner Straftatbestände mit Unternehmensbezug, insbesondere Betrug und Untreue, verurteilt wurden. Haftung Gegenüber Gläubigern haftet die GmbH – in der Regel – nur mit ihrem Gesellschaftsvermögen. Die Gesellschafter haften nicht mit ihrem privaten Vermögen, allerdings gibt es Ausnahmen. Beispiele: Gesellschafter haften zusätzlich mit Privatvermögen bei persönlichen Krediten oder Bürgschaften. Sie haften auch persönlich bei Verstößen gegen die strengen Regeln über das GmbH-Kapital sowie bei der so genannten Durchgriffshaftung (z. B. bei bestimmten Schadenersatzansprüchen). Eintrag im Handelsregister Der Gesellschaftsvertrag oder das Musterprotokoll müssen notariell beurkundet werden. Der Notar leitet den Vertrag an das Handelsregister weiter. Spätestens zum Zeitpunkt der Eintragung der GmbH ins Handelsregister muss der Gründer das Stammkapital als Einlage geleistet haben. Das Stammkapital einer GmbH beträgt mindestens 25.000 Euro. Die Einlage kann durch Bareinlagen, Sacheinlagen (z.B. Maschinen) oder durch gemischte Einlagen (Bar- und Sacheinlagen) erbracht werden. Sacheinlagen müssen vor der Anmeldung der Gesellschaft geleistet sein. Bei Bareinlagen muss vor Anmeldung mindestens ein Viertel der Summe einbezahlt werden. Zusammen mit einer etwaigen Sacheinlage muss mindestens die Hälfte des Mindeststammkapitals vor der Anmeldung der Gesellschaft erbracht werden, also mindestens 12.500 Euro. Für die Anmeldung der GmbH beim Handelsregister müssen folgende Unterlagen vorgelegt werden: Musterprotokoll oder der Gesellschaftsvertrag, die Legitimation der Geschäftsführer, sofern diese nicht bereits im Gesellschaftsvertrag genannt sind, eine unterschriebene Liste der Gesellschafter mit Name, Vorname, Geburtsdatum und Wohnort der Gesellschafter sowie der Betrag der übernommenen Stammeinlage jedes Gesellschafters, falls Sacheinlagen geleistet worden sind, die Verträge, die den Festsetzungen zugrunde liegen oder zu ihrer Ausführung geschlossen worden sind, und der Sachgründungsbericht, wenn Sacheinlagen vereinbart sind, Unterlagen darüber, dass der Wert der Sacheinlagen den Betrag der dafür übernommenen Stammeinlagen erreicht, In der Anmeldung ist zu versichern, dass auf jeden Geschäftsanteil mindestens ein Viertel der Stammeinlage (mindestens aber 12.500 Euro) geleistet und dem Geschäftsführer zur freien Verfügung steht und dass keine strafrechtlichen Gründe vorliegen, die der Bestellung der Geschäftsführer entgegenstehen (§ 6 Abs. 2 GmbHG). Unternehmenssitz Die GmbH muss ihren Satzungssitz im Inland haben. Verwaltungssitz und Betrieb können sich auch an einem anderen Ort befinden, dieser kann auch im Ausland liegen. Quelle: Existenzgründerportal des Bundeswirtschaftsministeriums
Die GmbH & Co. KG ist eine besondere Kommanditgesellschaft: Der Unternehmer (Komplementär), der bei einer einfachen KG mit seinem Privatvermögen haftet, ist hier eine GmbH. So kann man als Komplementär seine Haftung beschränken. Die GmbH & Co. KG ist ideal, wenn Sie sich für Ihr Handelsunternehmen die KG als Rechtsform wünschen, aber das hohe private Haftungsrisiko der KG beschränken wollen. Die Gesellschafter der GmbH sind meist gleichzeitig die Kommanditisten der KG. Gründung Eine GmbH & Co. KG kann von ein oder mehreren Komplementären und Kommanditisten gegründet werden. Sie muss ins Handelsregister eingetragen werden. Ein Mindestkapital von 25.000 Euro (auch Sachwerte) für die GmbH ist notwendig. Beschränkte Haftung zusätzliches Eigenkapital. Unternehmensführung Die jeweiligen Entscheidungsbefugnisse und auch die Verteilung der Gewinne und Verluste hängen von der Höhe der Vermögenseinlage der GmbH (Komplementärin) und der jeweiligen Kommanditisten ab. Haftung Die Haftung der Gesellschaft gegenüber Geschäftspartnern entspricht der Höhe der Kapitaleinlagen, die ihre Gesellschafter insgesamt geleistet haben, mindestens 25.000 Euro (auch Sachwerte). Kommanditisten haften nur in der Höhe ihrer Einlagen. Aber: Kreditgeber verlangen in der Regel bei der Aufnahme von Krediten private Sicherheiten. Auch müssen sich die Gesellschafter häufig für die Rückzahlung der von der GmbH aufgenommenen Kredite verbürgen und haften dadurch mit ihrem Privatvermögen. Quelle: Existengründerportal des Bundeswirtschaftsministeriums
Bei der finanziellen Beteiligung eines oder mehrerer Kapitalgeber an einer Personengesellschaft kann die KG die richtige Wahl sein. Im Unterschied zur GbR oder OHG, bei denen die Rechtsposition der Gesellschafter zueinander völlig identisch ist (alle Gesellschafter haften unbeschränkt und haben entsprechend den gesetzlichen Regelungen die gleichen Rechte und Pflichten), besitzen die Gesellschafter einer KG unterschiedliche Haftungsverpflichtungen sowie damit einhergehend unterschiedliche Rechte und Pflichten hinsichtlich der Geschäftsführung. §161 HGB besagt, dass (mindestens) ein Gesellschafter, der sog. Komplementär (Vollhafter), für die Schulden der Gesellschaft unbeschränkt haften muss. Dafür hat dieser Komplementär auch die alleinige Geschäftsführungs- und Vertretungsbefugnis und sämtliche Kontrollrechte. Gibt es mehrere Komplementäre, so führen alle gemeinschaftlich, es sei denn, die einzelvertragliche Regelung sieht etwas anderes vor. Daneben muß die KG mindestens einen sog. Kommanditisten (Teilhafter) haben, dessen Haftung auf die Einlage begrenzt ist. Der bzw. die Kommanditisten sind in die Unternehmensführung nicht involviert, haben aber das Recht zur Büchereinsicht (Kontrollrecht) und ein Widerspruchsrecht, das bei Handlungen über die gewöhnliche Geschäftstätigkeit (z. B. Grundstückserwerb) hinaus geht und sie sind am unternehmerischen Erfolg beteiligt. Die Gründung der KG verläuft wie bei der OHG: Die Anmeldung zum Handelsregister durch alle Gesellschafter ist Pflicht. Alle persönlich haftenden Gesellschafter (auch die beschränkt haftenden) müssen namentlich und mit der Höhe ihrer Einlage eingetragen werden. Kommanditisten müssen nur gemäß ihrer Anzahl benannt werden. Der einzutragende Firmenname besteht aus dem Nachnamen eines Komplementärs und dem Zusatz KG. Die Kosten, die für die Eintragung ins Handelregister entstehen, sind abhängig von der Höhe des Einheitswertes der KG und betragen, wie bei der OHG, mindestens 100 Euro. Auch die KG kann unter ihrem Firmennamen bestimmte Rechte erwerben und Pflichten eingehen. Dieses kann allerdings nur durch den vertretungs-berechtigten Gesellschafter nach außen wirksam geregelt werden. Die KG stellt ein probates Mittel dar, Kapital zu akquirieren, ohne eine Bank einzuschalten. Die Kommanditisten können auch aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis des Unternehmers kommen und gehen ein kalkulierbares Risiko ein. Die KG muss ins Handelsregister eingetragen werden; es besteht die Pflicht zur kaufmännischen Buchführung und zur Bilanzierung. Eine Sonderform der KG ist die GmbH & Co.KG. Hier ist zur persönlichen Haftungsbeschränkung der Unternehmer der Komplementär eine Kapitalgesellschaft. Die Gründung und das Führen einer Kapitalgesellschaft ist in der Regel aufwendiger als bei Personengesellschaften. Der Eintrag ins Handelsregister mit notarieller Mithilfe, kaufmännische Buchführung und Bilanzierung sind zwingend vorgeschrieben wie auch Mindestkapital. Ebenso entfällt der Freibetrag von 24.500.- € für die Gewerbesteuer.
Die AG hat in den letzten Jahren einen deutlichen Boom erfahren. Neben den vielfältigen Börsengängen, vor allem am neuen Markt, ist ein Trend bei kleinen und mittleren Unternehmen zur Gründung nicht börsennotierter Gesellschaften zu verzeichnen. Der große Vorteil der Kleinen AG im Vergleich zur GmbH ist die einfache Beteiligung weiterer Gesellschafter sprich Aktionäre am Unternehmen. Die AG kann sich durch Ausgabe von Aktien leichter Eigenkapital beschaffen und ist daher weniger auf Fremdkapital der Banken angewiesen. Da Aktien bereits zu Kleinstbeträgen (1 Euro) ausgegeben werden können, steht der Ausgabe von Aktien an Bekannte, Freunde, Geschäftspartner etc. nichts im Wege. Bei der Aktiengesellschaft ist der Zahl möglicher Kapitalgeber im Prinzip keine Grenze gesetzt. Aktienoptionspläne für Mitarbeiter sind ein effizientes Instrument der Entlohnung und der Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen geworden. Größte und kleinste Unternehmen machen von dieser Möglichkeit der Mitarbeiterbeteiligung Gebrauch. Ein weiterer Vorteil der AG liegt darin, dass sie im Gegensatz zur GmbH dem Unternehmensmanagement die gesetzlich vorgeschriebene Unabhängigkeit von den Weisungen der Inhaber sichert. Dieses „Prinzip der Gewaltenteilung“ – die Teilung in Vorstand und Aufsichtsrat – führt dazu, dass der Vorstand nur dem Aufsichtsrat gegenüber verantwortlich ist. Der Vorstand muss sein Amt nur dann zur Verfügung stellen, wenn er die Aktienmehrheit auf Aktionärsseite gegen sich hat. Die AG ist des Weiteren ausgesprochen öffentlichkeitswirksam. Die Rechtsform erweckt wegen ihrer Unabhängigkeit Vertrauen und trägt so zu einem guten Unternehmensimage bei. Zudem ist sie eine geeignete Rechtsform für Unternehmen, die sich international orientieren möchten. Auch im Falle der Rechtsnachfolge – Vererbung von Generation zu Generation – bietet die AG Vorteile, da die Unternehmenskontinuität gewährleistet bleibt und erbschaftssteuerliche Belastungen gemildert werden. In der AG ist anders als bei GmbH und Personengesellschaften zwingend ein Überwachungsorgan, der Aufsichtsrat einzusetzen. Dieser überwacht die Geschäftsführung, den Vorstand. Bei kleineren und mittleren Unternehmen kann sich so der Unternehmer aus dem Tagesgeschäft zurückziehen, ohne dass die Firma auf seine Kenntnisse verzichten muss. Durch die Einführung der kleinen AG steht einer Einzelgründung nichts mehr entgegen. Das für die Umwandlung erforderliche Mindeststammkapital beträgt 50.000 Euro. Bislang gab es zur Gründung einer Aktiengesellschaft nur den Weg über den Alleinbesitz des Unternehmers an sämtlichen Aktien, wobei er die AG freilich nur mit 5 Personen gründen konnte. Folgerichtig mussten die 4 anderen später wieder aussteigen. Die Aktienrechtsreform nimmt den meisten Unternehmern nunmehr auch die Furcht vor einer unerwünscht stark ausgeprägten betriebliche Mitbestimmung: Für neu gegründete Aktien-Gesellschaften ist der Aufsichtsrat bis 500 Beschäftigte mitbestimmungsfrei. Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Wer wettbewerbsfähig bleiben will, benötigt Kapital. Fehlt es jedoch an den finanziellen Möglichkeiten, das erforderliche Unternehmenswachstum selbst zu finanzieren, bleibt oft nur der Gang zur Bank – oft verbunden mit einer unerwünschten Abhängigkeit von den Kreditinstituten, denn Banken wollen Sicherheiten. Liegen dagegen die erleichterten Voraussetzungen für eine kleine AG vor, kann das dringend benötigte Eigenkapital durch eine Emission der Aktien beschafft werden. Das verbessert die Eigenkapitalquote und damit die Kreditwürdigkeit, ohne dass die bisherigen Eigentümer ihre Unabhängigkeit verlieren würden. Auch die Beteiligung von qualifizierten Mitarbeitern am Unternehmen rentiert sich langfristig. Denn wer von den Früchten des eigenen Einsatzes direkt profitiert, ist i. d. R. motiviert und identifiziert sich mit dem Unternehmen und seinen Zielen. Die höhere Verkehrsfähigkeit der Aktie im Vergleich zu einem GmbH-Anteil sowie die mit Inhaberaktien geschaffene Anonymität der Aktionäre macht es für Außenstehende einfacher, sich unbemerkt Anteile an der AG zu beschaffen. Soll vermieden werden, dass Betriebsfremde durch Erwerb von Aktienpaketen Einfluss auf die Gesellschaft nehmen können, ermöglicht das Aktienrecht die Schaffung sog. Namensaktien, bei der die Übertragungsmöglichkeit an Dritte eingeschränkt werden kann. Als Gründer ist nur eine Person erforderlich. Der Gesellschaftsvertrag – die Satzung – muss notariell beurkundet werden. Das Grundkapital wird durch Übernahme der Aktien durch den/die Gründer aufgebracht. Den Mindestnennbetrag einer Aktie liegt bei 1 Euro; höhere Nennbeträge müssen auf volle Euro lauten. Die Aktien dürfen nicht für einen geringeren Betrag als den Nennbetrag ausgegeben werden. Die Organe der AG (Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung) müssen bestellt werden. Erstellung eines Gründungsberichts; Gründungsprüfung – die Gründung der AG ist vom Vorstand, dem Aufsichtsrat und regelmäßig von einem Dritten, z. B. einem Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater, zu prüfen. Die Gründungsprüfer werden vom Gericht nach Anhörung der IHK bestellt und verpflichtet, einen Prüfungsbericht aufzustellen. Anmeldung zum Handelsregister – durch die Eintragung in das Handelsregister wird die AG zur juristischen Person mit der Folge, dass die Aktionäre von ihrer persönlichen Haftung entbunden werden. Fazit: Flexible Zuführung von Eigenkapital aufgrund der freien Übertragbarkeit der Aktien(Publikumsgesellschaft). Damit ist die Eigenkapitalfinanzierung auf breiter Basis darstellbar und es besteht eine geringe Abhängigkeit von Krediten. Die Unternehmenskontinuität ist dadurch gewährleistet, dass die Aktien unkompliziert gehandelt werden können. Die über die Organe durchgesetzte strikte Teilung der Verantwortungen beinhaltet klare Führungs- und Verantwortungsstrukturen. Die Rollen und Rechte bzw. Pflichten sind gesetzlich klar geregelt. Minderheitsaktionäre können wegen dem zwischengeschalteten Aufsichtsrat nicht die Ablösung des Vorstands durchsetzen. Nachteil gegenüber der GmbH: 50.000 € Gründungskapital
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