(Kleine) Aktiengesellschaft (AG):

Die AG hat in den letzten Jahren einen deutlichen Boom erfahren. Neben den vielfältigen Börsengängen, vor allem am neuen Markt, ist ein Trend bei kleinen und mittleren Unternehmen zur Gründung nicht börsennotierter Gesellschaften zu verzeichnen. Der große Vorteil der Kleinen AG im Vergleich zur GmbH ist die einfache Beteiligung weiterer Gesellschafter sprich Aktionäre am Unternehmen.

Die AG kann sich durch Ausgabe von Aktien leichter Eigenkapital beschaffen und ist daher weniger auf Fremdkapital der Banken angewiesen. Da Aktien bereits zu Kleinstbeträgen (1 Euro) ausgegeben werden können, steht der Ausgabe von Aktien an Bekannte, Freunde, Geschäftspartner etc. nichts im Wege. Bei der Aktiengesellschaft ist der Zahl möglicher Kapitalgeber im Prinzip keine Grenze gesetzt.

Aktienoptionspläne für Mitarbeiter sind ein effizientes Instrument der Entlohnung und der Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen geworden. Größte und kleinste Unternehmen machen von dieser Möglichkeit der Mitarbeiterbeteiligung Gebrauch. Ein weiterer Vorteil der AG liegt darin, dass sie im Gegensatz zur GmbH dem Unternehmensmanagement die gesetzlich vorgeschriebene  Unabhängigkeit von den Weisungen der Inhaber sichert. Dieses „Prinzip der Gewaltenteilung“ – die Teilung in Vorstand und Aufsichtsrat – führt dazu, dass der Vorstand nur dem Aufsichtsrat gegenüber verantwortlich ist. Der Vorstand muss sein Amt nur dann zur Verfügung stellen, wenn er die Aktienmehrheit auf Aktionärsseite gegen sich hat. Die AG ist des Weiteren ausgesprochen öffentlichkeitswirksam. Die Rechtsform erweckt wegen ihrer Unabhängigkeit Vertrauen und trägt so zu einem guten Unternehmensimage bei. Zudem ist sie eine geeignete Rechtsform für Unternehmen, die sich international orientieren möchten.

Auch im Falle der Rechtsnachfolge – Vererbung von Generation zu Generation – bietet die AG Vorteile, da die Unternehmenskontinuität gewährleistet bleibt und erbschaftssteuerliche Belastungen gemildert werden. In der AG ist anders als bei GmbH und Personengesellschaften zwingend ein Überwachungsorgan, der Aufsichtsrat einzusetzen. Dieser überwacht die Geschäftsführung, den Vorstand. Bei kleineren und mittleren Unternehmen kann sich so der Unternehmer aus dem Tagesgeschäft zurückziehen, ohne dass die Firma auf seine Kenntnisse verzichten muss.

Durch die Einführung der kleinen AG steht einer Einzelgründung nichts mehr entgegen. Das für die Umwandlung erforderliche Mindeststammkapital beträgt 50.000 Euro. Bislang gab es zur Gründung einer Aktiengesellschaft nur den Weg über den Alleinbesitz des Unternehmers an sämtlichen Aktien, wobei er die AG freilich nur mit 5 Personen gründen konnte. Folgerichtig mussten die 4 anderen später wieder aussteigen.

Die Aktienrechtsreform nimmt den meisten Unternehmern nunmehr auch die Furcht vor einer unerwünscht stark ausgeprägten betriebliche Mitbestimmung: Für neu gegründete Aktien-Gesellschaften ist der Aufsichtsrat bis 500 Beschäftigte mitbestimmungsfrei.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Wer wettbewerbsfähig bleiben will, benötigt Kapital. Fehlt es jedoch an den finanziellen Möglichkeiten, das erforderliche Unternehmenswachstum selbst zu finanzieren, bleibt oft nur der Gang zur Bank – oft verbunden mit einer unerwünschten Abhängigkeit von den Kreditinstituten, denn Banken wollen Sicherheiten.
Liegen dagegen die erleichterten Voraussetzungen für eine kleine AG vor, kann das dringend benötigte Eigenkapital durch eine Emission der Aktien beschafft werden. Das verbessert die Eigenkapitalquote und damit die Kreditwürdigkeit, ohne dass die bisherigen Eigentümer ihre Unabhängigkeit verlieren würden.

Auch die Beteiligung von qualifizierten Mitarbeitern am Unternehmen rentiert sich langfristig. Denn wer von den Früchten des eigenen Einsatzes direkt profitiert, ist i. d. R. motiviert und identifiziert sich mit dem Unternehmen und seinen Zielen. Die höhere Verkehrsfähigkeit der Aktie im Vergleich zu einem GmbH-Anteil sowie die mit Inhaberaktien geschaffene Anonymität der Aktionäre macht es für Außenstehende einfacher, sich unbemerkt Anteile an der AG zu beschaffen. Soll vermieden werden, dass Betriebsfremde durch Erwerb von Aktienpaketen Einfluss auf die Gesellschaft nehmen können, ermöglicht das Aktienrecht die Schaffung sog. Namensaktien, bei der die Übertragungsmöglichkeit an Dritte eingeschränkt werden kann.

Als Gründer ist nur eine Person erforderlich. Der Gesellschaftsvertrag – die Satzung – muss notariell beurkundet werden. Das Grundkapital wird durch Übernahme der Aktien durch den/die Gründer aufgebracht. Den Mindestnennbetrag einer Aktie liegt bei 1 Euro; höhere Nennbeträge müssen auf volle Euro lauten. Die Aktien dürfen nicht für einen geringeren Betrag als den Nennbetrag ausgegeben werden. Die Organe der AG (Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung) müssen bestellt werden. Erstellung eines Gründungsberichts; Gründungsprüfung – die Gründung der AG ist vom Vorstand, dem Aufsichtsrat und regelmäßig von einem Dritten, z. B. einem Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater, zu prüfen. Die Gründungsprüfer werden vom Gericht nach Anhörung der IHK bestellt und verpflichtet, einen Prüfungsbericht aufzustellen. Anmeldung zum Handelsregister – durch die Eintragung in das Handelsregister wird die AG zur juristischen Person mit der Folge, dass die Aktionäre von ihrer persönlichen Haftung entbunden werden.

Fazit:

  • Flexible Zuführung von Eigenkapital aufgrund der freien Übertragbarkeit der Aktien(Publikumsgesellschaft). Damit ist die Eigenkapitalfinanzierung auf breiter Basis darstellbar und es besteht eine geringe Abhängigkeit von Krediten.
  • Die Unternehmenskontinuität ist dadurch gewährleistet, dass die Aktien unkompliziert gehandelt werden können.
  • Die über die Organe durchgesetzte strikte Teilung der Verantwortungen beinhaltet klare Führungs- und Verantwortungsstrukturen. Die Rollen und Rechte bzw. Pflichten sind gesetzlich klar geregelt.
  • Minderheitsaktionäre können wegen dem zwischengeschalteten Aufsichtsrat nicht die Ablösung des Vorstands durchsetzen.
  • Nachteil gegenüber der GmbH: 50.000 € Gründungskapital